Kardinal Erdő: Der Eucharistische Kongress ist eine Chance für Ungarn und die Kirche

Der ungarische Primas und der irakische Patriarch Sako im EWTN-Interview beim Eucharistischen Kongress

Martin Rothweiler (li.) und Kardinal Péter Erdő
Foto: Daniel Ibáñez / CNA Deutsch
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"Es war eine riesengroße Herausforderung" für die Menschen in Ungarn, aber es ist auch eine riesige Chance für den Glauben und die Kirche im Land und in der ganzen Welt: Der Gastgeber des Internationalen Eucharistischen Kongresses in Budapest hat im Interview mit Martin Rothweiler, dem Programmdirektor von EWTN.TV über die Herausforderung einer Großveranstaltung inmitten einer Pandemie sowie deren Wirkung in die Zukunft gesprochen.

Der 52. Internationale Eucharistische Kongress wurde am 5. September mit einem 1.000-köpfigen Chor und einer Messe mit Erstkommunionen eröffnet, wie CNA Deutsch berichtete. Die internationale Großveranstaltung ist eine Feier der Realpräsenz von Jesus Christus in der Eucharistie mit Teilnehmern aus der ganzen Welt. Auf dem Programm der Veranstaltung stehen Kardinäle aus fünf Kontinenten, die die Morgengebete, Katechesen, Zeugnisse und Workshops des Kongresses leiten.

Teilnehmer berichten von einer überraschend großen Anteilnahme und Besucherzahl in der ungarischen Hauptstadt. Die Veranstaltung wird am Sonntag, dem 12. September, mit einer von Papst Franziskus zelebrierten Abschlussmesse auf dem Heldenplatz ihren Höhepunkt erreichen. Bereits bei einem Vortreffen betonte Franziskus, der Kongress müsse sich der "säkularisierten Moderne" und der Globalisierung stellen, welche "die Besonderheiten einer reichen und vielfältigen Geschichte auszulöschen droht".

Unter katholischen Jugendlichen sei die Eucharistische Anbetung schon seit einiger Zeit sehr in Mode gekommen, was er nie erwartet hätte, sagte Kardinal Péter Erdő. Das sei nicht nur eine schöne Tradition der Frömmigkeit: "Das wurde in über 50 Ländern vor dem Kongress gebetet", so der Prälat, der fließend Deutsch spricht. "Ich hoffe sehr, dass dieses Gebet weltweit ein Netzwerk kann".

"Die Pfarrbücher bezeugen, dass noch immer die Mehrheit der Ungarn katholisch getauft ist", sagte der Primas von Ungarn mit Blick auf Meldungen ungarischer Medien, dass nur noch 40 Prozent der ungarischen Bevölkerung katholischen Glaubens seien. 

Dennoch verändere sich auch in Ungarn das Bild der Teilnahme am kirchlichen Leben, so der Erzbischof von Esztergom-Budapest. "Wir hoffen sehr, dass der Eucharistische Kongress auch im Leben der Pfarreien eine Erneuerung bringt".

Ungarns Gesellschaft habe nach dem totalitären Terror des Kommunismus eine "erste Naivität" endgültig verloren, erklärte Kardinal Erdő im EWTN-Interview. Das sei ein großer Unterschied im Vergleich zum Westen, auch mit Blick darauf, was Meinungsmache in der Öffentlichkeit betrifft: "Die Menschen im Westen, das ist unsere Erfahrung, glauben viel mehr den Medien als die Bürger hierzulande".

Eigene Überzeugung werde privat, in der eigenen Familie und den eigenen vier Wänden gelebt und gepflegt. "Die Familien sind sich ihrer großen Verantwortung bewußt", betonte der Erzbischof.  

"Dass man als gläubiger Katholik weniger Chancen in der Gesellschaft hat": Das sei die Erfahrung seiner eigenen Eltern gewesen. 

Bereichernd sei beim Eucharistischen Kongress die Begegnung mit Gläubigen anderer Länder und die Beiträge der vielen Kardinäle und Katecheten aus allen Teilen der Weltkirche, so der Kardinal weiter.

Er verwies auf die starke Ansprache des Moskauer Metropoliten Hilarion über die Realpräsenz und die Eucharistie und des heimlich geweihten griechisch-ukranischen Priesters Konstantin Szabó in einer offizell . 

"Diese Erfahrungen sind für uns hilfreich", stellte der Kardinal trocken gegenüber EWTN fest, der zehn Jahre lang der Vorsitzende, der Präsident, des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen war. Mit Blick auf die Zukunft Europas müsse es darum gehen, sich gegenseitig zuzuhören und voneinander redlich lernen zu können, betonte er.

Die wenigen Stunden, die Papst Franziskus in Ungarn verbringen werde, würden trotzdem in der Feier der Abschlussmesse die Einheit der Kirche sichtbar zu machen, um Christus und den Nachfolger Petri herum. "Das ist nicht nur eine Glaubenstatsache, sondern auch ein Riesenerlebnis, das Generationen gefühlsmäßig in der religiösen Identität stärken kann", so der Erzbischof. 

Nach seinem Blitzbesuch reist Papst Franziskus am 12. September in die slowakische Hauptstadt: Bis 15. September wird der Pontifex vier Gemeinden besuchen: Preßburg (Bratislava), Eperies (Prešov), Kaschau (Košice) und Maria Schoßberg (Šaštin).

Irakischer Patriarch: Muslime, Christen und Juden müssen gemeinsam in Frieden leben

Der irakische Kardinal Louis Raphaël Sako sagte am 8. September in einem weiteren EWTN-Interview mit Martin Rothweiler, übersetzt von Robert Rauhut, die Lage im Irak sei weiterhin instabil und von Korruption, Spannungen und religiösen Differenzen bis hin zu sektiererischer Gewalt geprägt. Deswegen hätten auch viele Christen das Land verlassen, die inmitten dieser Probleme leben müssen. 

Auch über die schwierige Situation des Libanon sprach der Patriarch, die sowohl Politik und Wirtschaft als auch die Pandemie einbeziehe und gerade auch die christliche Minderheit betreffe. 

Im Interview – hier das EWTN-Video – würdigte der irakische Kardinal die starke Unterstützung der ungarischen Regierung für die Christen in der Region, besonders in der irakischen Ninive-Ebene. Die abrahamtischen Religionen – Muslime, Juden und Christen – müssten miteinander leben, in Frieden und gegenseitiger Achtung, betonte Sako. 

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In seiner Rede auf dem Kongress betonte der chaldäische Patriarch am 7. September, dass die Reise des Papstes die Atmosphäre in dem Land im Nahen Osten verändert habe

In seiner Ansprache beschrieb Kardinal Sako die Geschichte und Spiritualität der chaldäisch-katholischen Kirche, einer der 23 katholischen Ostkirchen, die in voller Gemeinschaft mit dem Heiligen Stuhl stehen.

Die Kirche hat ihre Wurzeln in der apostolischen Zeit, nahm aber ihre heutige historische Form im 16. Jahrhundert an, als die Mitglieder der alten Kirche des Ostens ihre Gemeinschaft mit Rom bekräftigten.

Die Kirche wird von einem Patriarchat geleitet, das seinen Sitz in der Kathedrale Maria, Mutter der Schmerzen, in der irakischen Hauptstadt Bagdad hat. Sie hat mehr als 600.000 Mitglieder, die hauptsächlich im Irak, aber auch in Diasporagemeinden auf der ganzen Welt leben.

Sako sagte, die chaldäische Kirche habe seit ihren Anfängen bis heute Märtyrer hervorgebracht.

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