Kardinal Müller erhebt schwere Vorwürfe in neuem Interview über Kirche in Deutschland

Kardinal Gerhard Ludwig Müller vor der Synodenhalle am 13. Oktober 2014 nach einer Sitzung der Familiensynode.
Foto: CNA / Daniel Ibanez

Der deutsche Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller, ehemaliger Präfekt der Glaubenskongregation, hat schwere Vorwürfe gegen Entwicklungen in der Kirche im deutschsprachigen Raum erhoben und ein "besseres, theologisch gebildetes Episkopat" gefordert. 

"Sie relativieren den katholischen Glauben, aber behalten ihre Titel – Kardinäle, Bischöfe, Theologieprofessoren. Doch in Wirklichkeit glauben sie nicht, was die Kirche sagt", so Müller wörtlich gegenüber Edward Pentin vom National Catholic Register in einem am Freitag veröffentlichten Interview

Es gebe viele "säkularisierte Leute", die dem Namen nach katholisch seien, "um innerhalb der Institution zu verbleiben und Geld zu haben, aber sie wollen die Lehre des Wortes Gottes nicht annehmen", so der deutsche Prälat.

Die Segnung homosexueller Verbindungen, wie sie  gegen Klarstellung des Vatikans durch eine Kampagne im Jahr 2021 betrieben wurde und vom "Synodalen Weg" mehrheitlich unterstützt wird, sei "in jedem Fall eine Blasphemie", so der ehemalige Professor für Dogmatik in München.

Müller verteidigte im Interview den priesterlichen Zölibat, wiederum entgegen der Mehrheitsmeinung des "Synodalen Wegs", und argumentierte, die Ehelosigkeit sei nicht für sexuelle Gewalt und Missbrauch ursächlich verantwortlich.

Die Weihe von Frauen zu Diakonen – eine weitere Forderung des "Synodalen Wegs" – sei unmöglich, so der Kardinal, denn "das sakramentale Diakonat ist eine Stufe einer unteilbaren dreifachen Ordnung [Diakonat, Presbyterat, Episkopat], die nach der ständigen apostolischen Tradition nicht auf Frauen übertragen werden kann".

Diejenigen, die sich um Änderungen der kirchlichen Lehre bemühen, seien Teil einer großen Bewegung gegen das Zweite Vatikanische Konzil, betonte Müller weiter.

Der Kardinal, der vor seiner Berufung nach Rom von 2002 bis 2012 als Bischof von Regensburg gewirkt hatte, rief Papst Franziskus dazu auf, sich besser über die deutsche Situation informieren zu lassen. Letztlich könne die Lage in Deutschland aber nur dadurch korrigiert werden, "ein besseres, theologisch gebildetes Episkopat" zu fördern wie "zur Zeit der Reformation".

Anlässlich des "Synodalen Wegs" hat die Initiative "Neuer Anfang" mehr als 3.000 Bischöfe sowie Ordensgemeinschaften, Säkularinstitute und Bewegungen angeschrieben und auf die Gefahr einer neuen Spaltung aus Deutschland aufmerksam gemacht. Die "Sieben Fragen an die Katholische Kirche in Deutschland zu Freiheit und Autonomie" sind der Warn- und Weckruf von Theologen, Philosophen und Anthropologen aus Deutschland an die Weltkirche. Sie befürchten: "Die nächste Spaltung der Christenheit steht vor der Tür."

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