Kardinal Parolin plädiert für Dialog mit Salvini, äußert sich zum Fall McCarrick

Kardinal Pietro Parolin bei der Feier der heiligen Messe im April 2017
Foto: Daniel Ibanez / CNA Deutsch
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Kardinal Pietro Parolin hat bekräftigt, dass der Vatikan auch mit Politikern Dialog führen müsse, die nicht zu allen Themen die gleiche politische Meinung haben wie der Papst oder andere Kirchenvertreter - darunter der italienische Innenminister, Matteo Salvini. Auch zur Untersuchung des Falls McCarrick äußerte sich der Kardinalstaatssekretär.

Bei der Verleihung des Preises für "Wirtschaft und Gesellschaft" unterstrich der Kardinal Parolin am gestrigen Mittwoch die "Wichtigkeit des Dialogs", auch und gerade mit Blick auf Politiker wie Salvini.

Das gleiche hatte Kardinal Gerhard Ludwig Müller am Dienstag Interview gefordert: Die Kirche in Italien, aber auch Papst Franziskus, sollten das Gespräch mit Innenminister Matteo Salvini suchen, so der ehemalige Präfekt der Glaubenskongregation. Das bedeute ja nicht, jede politische Ansicht des Gesprächspartners auch gutzuheißen, so Müller gegenüber der Zeitung "Corriere della Sera".

"Es ist besser, mit Salvini zu reden, zu diskutieren oder ihn zu korrigieren, wenn es nötig ist", so der deutsche Kardinal und ehemalige Bischof von Regensburg.

Ähnlich äußerte sich nun Parolin:

"Der Papst sagt weiter: Dialog, Dialog, Dialog, Dialog. Und warum nicht Salvini?" so der italienische Kardinal wörtlich gegenüber dem Magazin "Vatican Insider" bei der Zeremonie am 29. Mai.

Parolin betonte, er glaube, dass der Dialog "vor allem mit denen stattfinden muss, die nicht wie wir denken und mit denen wir einige Schwierigkeiten und einige Probleme haben".

Deshalb sei ein Dialog mit dem italienischen Führer Matteo Salvini notwendig, dessen Partei bei den Wahlen zum Europäischen Parlament am 26. Mai einen starken Sieg errang – wie ähnliche Parteien in mehreren anderen Staaten der EU.

Parolin kommentierte auch Salvinis demonstrative Verwendung des Rosenkranzes, den der Minister bei politischen Kundgebungen öffentlich geküsst hat:

"Ich glaube, dass die Verwendung religiöser Symbole für parteiische Demonstrationen, wie politische Parteien, die Gefahr besteht, diese Symbole zu missbrauchen. Ich glaube also, dass wir dieser Realität nicht gleichgültig gegenüberstehen können", so Kardinalstaatssekretär.

Dies ist nicht das erste Mal, dass die Kardinäle Müller und Parolin in kurzem Abstand für einen Dialog des Papstes und der Kirche in einer Kontroverse plädieren: Im Oktober 2017 riefen beide zur Klärung der offenen Fragen zum Schreiben Amoris Laetitia auf. 

Untersuchung zum Fall McCarrick

Parolin äußerte sich gestern auch zum Fall McCarrick. Der Vatikan prüfe noch immer die Akten, so der Kardinal. Der Vatikan werde nach Abschluss der Untersuchung eine Erklärung abgeben. Einen Zeitpunkt nannte der italienische Kurienkardinal nicht.

Der Vatikan hatte das Verfahren am vergangenen 6. Oktober angekündigt, wie CNA Deutsch berichtete.

Am Dienstag meldeten mehrere Medien, dass ein ehemaliger Sekretär von Theodore McCarrick lange Zitate aus der Korrespondenz zwischen dem ehemaligen Kardinal und verschiedenen Kirchenvertretern veröffentlicht hat. Diese bestätigten offenbar, dass Papst Benedikt gegen McCarrick Sanktionen verhängte, dieser aber diese umging, und vor allem unter Papst Franziskus. Frühere Vorwürfe gegen Papst Franziskus, Kardinal Parolin und weitere hochrangige Prälaten hatten diese ebenfalls zum Gegenstand gemacht.

In einem am gleichen Tag vom Vatikan veröffentlichten Interview bestritt Papst Franziskus jedoch klar, über Sanktionen gegen McCarrick wegen seines Verhaltens informiert worden zu sein. "Ich habe nichts gewußt", beteuerte der Papst.

Theodore McCarrick war am 16. Februar 2019 in den Laienstand entlassen worden. Der 88-jährige ehemalige Kardinal und Erzbischof wurde in einem kirchenrechtlichen Verfahren der sexuellen Belästigung im Beichtstuhl und des sexuellen Missbrauchs von sowohl Minderjährigen als auch Erwachsenen für schuldig befunden - mit dem "erschwerenden Faktor" des Machtmissbrauchs. 

Courtney Grogan trug zur Berichterstattung frei.

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