"Krisenhafte Situation": Pro-LGBT-Grundtext scheitert beim "Synodalen Weg"

Irme Stetter-Karp
Foto: Synodaler Weg / Maximilian von Lachner
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Eine knappe Sperrminorität von 21 Bischöfen hat am Donnerstagabend verhindern können, dass ein Grundtext offiziell beschlossen wurde, der massive Änderungen in der kirchlichen Sexualmoral gefordert hätte – darunter die Legitimierung von praktizierter Homosexualität.

Reaktion von Bischof Bätzing

Bischof Georg Bätzing, der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), sagte im Anschluss an das Votum, dem eine hastig herbeigeführte längere Pause folgte, es handle sich um eine "krisenhafte Situation für die Synodalität".

"Eine riesige Enttäuschung im Raum ist spürbar und sie hat Menschen auch schon dazu gebracht, dass sie nicht mehr hier sein können", sagte Bätzing. "Ich muss ehrlich sagen, auch ich bin persönlich enttäuscht über das Ergebnis dieser Abstimmung", die aber doch den Statuten gemäß und damit gültig zustandegekommen sei.

"Meine Enttäuschung, das sage ich hier, geht daher, dass ich in der Debatte jetzt zum Schluss nicht erkennen konnte, wie die Mehrheiten sein würden", so der DBK-Vorsitzende, der gleichzeitig auch einer von zwei Präsidenten des "Synodalen Wegs" ist. "Das bedeutet für mich: Die Übung von Synodalität hier ist noch nicht weit genug gediehen und tief genug gedrungen, dass all diejenigen, die sehr kritisch [...] Einwendungen haben und ihrem Gewissen folgen offensichtlich nicht in der Lage waren, das auch wirklich zu äußern."

Abstimmungsergebnis

Beim "Synodalen Weg" müssen laut Satzung nicht nur zwei Drittel der anwesenden Mitglieder für einen Text stimmen, damit dieser offiziell beschlossen wird, sondern auch zwei Drittel der anwesenden Bischöfe.

Während fast 83 Prozent der gesamten Synodalversammlung für die Annahme des Textes gestimmt hatten, war dies nur bei etwa 61 Prozent der Bischöfe der Fall, womit eine Zwei-Drittel-Mehrheit knapp verfehlt wurde. 21 Bischöfe hatten das Dokument abgelehnt, dazu gab es drei Enthaltungen. 33 Bischöfe stimmten für eine Kehrtwende in der katholischen Morallehre auf dem Gebiet der Sexualität.

Im 32-seitigen Grundtext mit dem Titel "Leben in gelingenden Beziehungen – Grundlinien einer erneuerten Sexualethik" hieß es etwa: "Die Anerkennung der Gleichwertigkeit und Legitimität nicht-heterosexueller Orientierungen, deren Praktiken und Beziehung, sowie im Zusammenhang die Beseitigung von Diskriminierung, die auf sexueller Orientierung basiert, ist dringend geboten."

Und mit Blick auf die Gender-Ideologie: "Die Selbstgewissheit über die eigene geschlechtliche Identität stellt bei allen Menschen eine unverzichtbare Grundlage für das persönliche Lebensglück dar. Als Kirche haben wir das individuelle Selbstverständnis der geschlechtlichen Identität jedes Menschen als unantastbaren Teil seiner je einzigartigen Gottesebenbildlichkeit (Jes 43,7) zu respektieren."

Reaktion der ZdK-Präsidentin

Nach der ersten Reaktion von Bischof Bätzing meldete sich die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Irme Stetter-Karp, emotional zu Wort: "Es gab in der Generaldebatte die Möglichkeit, [sich kritisch zu äußern,] es gab über die Anträge die Möglichkeit. Wir sind auch nicht in der ersten Lesung."

"Wir wissen um die Sensibilität derer, die hier verletzt werden, nicht erst seit gestern", sagte Stetter-Karp, die wenig später in Tränen ausbrach. "Und ich bedaure es zutiefst, dass Bischöfe in dieser Versammlung sind, die große Verantwortung tragen – das tragen Sie auch jetzt – mit der Entscheidung, dass sie nicht bereits sind, Ihre Meinung [nicht zu sagen] – Einzelne haben das getan, das respektiere ich sehr. Aber das sind mehr Stimmen, als ins Wort gefasst wurden, und es betrübt mich."

Wenn es sich bei der Abstimmung über den Grundtext über die Rolle der Frau in der Kirche wiederhole, dass eine Minderheit der Bischöfe einen entsprechenden Beschluss verhindere, "dann stehen wir vor einem Scherbenhaufen dessen, was wir uns vorgenommen haben". Dies sei aber "keine Drohung meinerseits", so die ZdK-Präsidentin, die neben Bätzing auch Präsidentin des "Synodalen Wegs" ist.

"Ich erwarte von den Bischöfen mit ihrer Macht mit ihrer Verantwortung, dass Sie zu Ihrer Meinung offen stehen – offen stehen", sagte Stetter-Karp am Ende ihrer Wortmeldung. "Und ansonsten können wir uns wunderschöne Worte über Synodalität komplett sparen – komplett sparen."

Tagungsordnung umgeräumt

Nach der Abstimmung wurde die ursprünglich vorgesehene Tagungsordnung über den Haufen geworfen und eine offene Aussprache anberaumt. Nach dem Abendessen trafen sie die Bischöfe getrennt von den Laien und anderen Mitgliedern des "Synodalen Wegs" zu einer Besprechung.

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