Neue Vorwürfe gegen McCarrick: Ex-Kardinal soll "Kindersex-Ring" betrieben haben

Theodore McCarrick (Archivbild)
Foto: Marco Di Lauro/Getty Images

Ein neues Gerichtsverfahren soll klären, ob der ehemalige Kardinal Theodore McCarrick Jungen nicht nur sexuell missbraucht hat, sondern auch dessen Missbrauch durch weitere Priester organisierte.

Das berichtet die Catholic News Agency (CNA).

Der aus dem Priesterstand wegen seiner sexuellen Verbrechen an Buben und jungen Männern entlassene McCarrick soll den Minderjährigen in einem Strandhaus in Sea Girt, New Jersey, in den frühen 1980er Jahren sexuell missbraucht haben, so der Anwalt des Klägers in einer Erklärung gegenüber Journalisten am 22. Juli.

Der Anwalt beschreibt das Treiben im berüchtigten "Beach House" des ehemaligen Erzbischofs von Washington als "McCarricks schmutzigen Strandhaus-Kindersexring". Der ehemalige Kardinal sei der "Boss" einer Gruppe von Priestern gewesen, die Kinder und Jugendliche auf "Wochenend-Trips" in sein Strandhaus brachten.

Der namentlich nicht genannte Mandant – selber mutmaßliches Opfer – beschuldigt nicht nur McCarrick, sondern auch einen weiteren Priester, der ihn im Alter von 11 Jahren im Jahr 1978 durch "Grooming" gefügig gemacht und dann McCarrick zugeführt haben soll. Mehrere weitere Geistliche werden namentlich beschuldigt. Mindestens sieben weitere, identifizierte Minderjährige sollen ebenfalls dem damals einflussreichen Kirchenmann und Prälaten zur "Verfügung" gestellt worden sein.

Neben dem heute 90 Jahre alten McCarrick werden mehrere katholische Einrichtungen beschuldigt, darunter die Diözese Metuchen, die Erzdiözese Newark sowie die "Essex Catholic Boys High School", die 2003 geschlossen wurde. Vier weitere Diözesan-Priester und ein Ordensmann der Christlichen Brüder sollen das Opfer missbraucht haben, heißt es in der Anklageschrift.

Die Erzdiözese Newark teilte auf Anfrage von CNA mit, dass es "unangemessen" sei, sich zu äußern, da es sich um ein laufendes Verfahren handle.

Anthony Kearns, Sprecher und Kanzler der Diözese Metuchen, sagte gegenüber CNA am gestrigen 22. Juli, die Diözese habe die Beschwerde noch nicht erhalten. "Unsere Gebete sind bei allen Betroffenen von Missbrauch, heute und immer, und wir stehen ihnen auf ihrem Weg zu Heilung und Hoffnung zur Seite".

Die Anwalts-Kanzlei fordert zudem den Vatikan und andere kirchliche Einrichtungen auf, endlich "reinen Tisch zu machen" und bekanntzugeben, was andere "Würdenträger" über diese mutmaßlichen Missbräuche wussten, die bis zum Heiligen Johannes Paul II. zurückgingen, der McCarrick als Kardinal eingesetzt hatte.

Bislang hat Papst Franziskus die Ergebnisse der Untersuchung der Akten zum Fall McCarrick nicht veröffentlicht. Bereits im Oktober 2018 kündigte der Vatikan an, die eigenen Akten zu der Affäre zu untersuchen und einen Bericht vorzulegen.

Ein Anwalt der Kanzlei, Mike Finnegan, erinnerte bei der gestrigen Pressekonferenz an die Vorwürfe gegen Papst Franziskus, die Erzbischof Carlo Maria Vigano öffentlich erhoben hat, und denen zufolge Franziskus Sanktionen gegen McCarrick aufgehoben hat, die sein Vorgänger verhängt hatte.

Hintergrund: Der McCarrick-Report

Tatsächlich hat Papst Franziskus im Oktober 2018 eine Untersuchung des Falls McCarrick angeordnet, wie CNA Deutsch berichtete.

Im November 2019 informierte Kardinal Sean O'Malley nach seiner Rückkehr aus Rom die US-Bischöfe, der Abschlussentwurf des McCarrick-Reports liege vor. Nun müsse dieser auf Italienisch übersetzt werden, um ihn Papst Franziskus vorzulegen. Der Report werde "Anfang 2020" erscheinen, wenn nicht sogar früher, so O'Malley damals.

Bis heute ist der Report jedoch nicht veröffentlich worden – eine Entscheidung, die Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin zufolge beim Papst liegt.

Theodore McCarrick wurde im Februar 2019 aus dem Klerikerstand entlassen, nachdem die Glaubenskongregation des Vatikans ihn in einem Verfahren für schuldig befunden hatte, unter anderem im Beichtstuhl sexuelle Gewalt ausgeübt sowie das Sechste Gebot wiederholt gebrochen zu haben: Der Kardinal hat Minderjährige ebenso wie volljährige Schutzbefohlene – Seminaristen und junge Priester – sexuell missbraucht, so das Urteil.

Die Anwaltskanzlei erinnerte gestern auch an eine Untersuchung der Vorgänge am Priesterseminar der Erzdiözese Newark, derzufolge McCarrick seine Position als Erzbischof dazu missbrauchte, um Seminaristen sexuell zu nötigen, indem er sie er systematisch verunsicherte und einschüchterte.

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