Papst Franziskus bestimmt Kardinal Kevin Farrell zum Camerlengo

Kardinal Kevin Farrell
Foto: CNA Deutsch / Daniel Ibanez
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Papst Franziskus hat am heutigen Donnerstag Kardinal Kevin Farrell (71) zum Camerlengo ernannt, dem "Kammerherrn der Heiligen Römischen Kirche".

Seit dem Tod von Kardinal Jean-Louis Tauran (CNA Deutsch berichtete) war der Posten frei: Der Camerlengo bekleidet ein sehr heikles Amt, besonders in der Zeit der Vakanz zwischen zwei Päpsten. Zu den Aufgaben des Kardinalkämmerers gehören die Überwachung der Vorbereitungen für ein päpstliches Konklave und die Leitung der Verwaltung des Heiligen Stuhls in der Zeit zwischen dem Tod - oder Rücktritt - eines Papstes und der Wahl eines neuen.

Fragen im Fall McCarrick

Seit Bekanntwerden des Falles Theodore McCarrick - dem Schlüsselskandal der Kirchenkrise – ist Farrell einer von mehreren Bischöfen, über die seit Monaten gefragt wird, ob und was sie über das mutmaßliche Fehlverhalten und Verbrechen des entehrten, ehemaligen Kardinals wussten.

Farrell war unter anderem Weihbischof in Washington, als McCarrick dort Erzbischof war, und diente dem "glaubhaft beschuldigten" Kirchenmann als Generalvikar. Zudem lebte Farrell sechs Jahre lang mit McCarrick in einem renovierten Pfarrhaus im Washingtoner Stadtteil Kalorama. McCarrick sei der Mentor Farrells gewesen, sagen viele Beobachter.

Im vergangenen Juli bestritt Farrell, von Vorwürfen des Missbrauchs oder sexuellen Nötigung gegen McCarrick Kenntnis gehabt zu haben.

Aussagen über Ehevorbereitung

Als ehemaliges Mitglied der Legionäre Christi hatte Farrell zuvor auch geleugnet, vom sexuellem Missbrauch gewusst zu haben, den der Gründer der Legionäre beging, der notorische Marcial Maciel.

Farrell löste im vergangenen Sommer zudem eine Kontroverse aus, nachdem er in einem Interview mit der irisch-katholischen Zeitschrift "Intercom" behauptet hatte, Priester könnten nicht glaubwürdig auf die Ehe vorbereiten. Wörtlich sagte Farrell: "Priester sind nicht die besten Menschen, um andere für die Ehe auszubilden".

Kevin Farrell wurde in Irland geboren und 1978 als Mitglied der Legionäre Christi zum Priester geweiht. 1989 siedelte er nach Washington (USA) über. Im Jahr 2007 wurde Farrell zum Bischof von Dallas ernannt. Papst Franziskus machte ihn im September 2016 zum ersten Präfekten des neu geschaffenen Dikasteriums für Laien, Familie und Leben. 

Rolle des Camerlengo

Im November 2016 wurde er von Papst Franziskus zum Kardinal ernannt.

Der Kardinalkämmerer ist einer von zwei leitenden Mitgliedern der Römischen Kurie, die ihr Amt nicht verlieren, wenn der Papst abtritt oder stirbt. In Absatz 17 der Konstitution Universi Dominici Gregis heißt es, dass der "Camerlengo, sobald er die Nachricht vom Tode des Papstes erhalten hat" auch persönlich "den Tod des Papstes offiziell feststellen" muss.

"Der Kardinal-Camerlengo soll außerdem das Arbeitszimmer und die Privatgemächer des verstorbenen Papstes versiegeln".

Weiter schreibt die Apostolische Konstitution vor: "Es ist in der Tat Aufgabe des Camerlengo der Heiligen Römischen Kirche, während der Sedisvakanz sich mit Hilfe der drei Kardinalassistenten um die zeitlichen Güter und Rechte des Heiligen Stuhles zu kümmern und diese zu verwalten".

Hannah Brockhaus trug zur Berichterstattung bei.

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