Papst Franziskus in Rumänien: Ein gemeinsamer Weg auf heiligem Fundament?

Papst Franziskus am Eingang des Fliegers bei der Reise in die Vereinigten Arabischen Emirate am 3. Februar 2019
Foto: Vatican Media
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20 Jahre nach dem historischen Besuch von Papst Johannes Paul II. landet am heutigen Freitag ein weiterer Papst in Rumänien, dem "Garten der Jungfrau Maria" und "religiösesten Land Europas".

Franziskus wird auf seiner 20. Auslandsreise auf dem Fundament aufbauen, das sein Vorgänger gelegt hat. Dabei geht es um Ökumene und die Einheit - auch die Europas, und somit einem Thema, das Franziskus sehr am Herzen liegt: Die Migration, denn viele Rumänen wandern nach Deutschland und in andere Länder aus.

Dazu hat sich der Papst auch Anfang Mai in Bulgarien mehrfach geäußert.

Das Motto der Reise lautet "Lasst uns gemeinsam gehen" - Să mergem împreună. Das Logo zeigt das pilgernde Gottesvolk unter dem Schutz Mariens.

"Rumänien wird oft als 'der Garten der Mutter Gottes' bezeichnet. Der Besuch von Papst Franziskus greife diesen marianischen Akzent auf und lade ein, "uns unter dem Schutzmantel der Muttergottes zu vereinen", teilte der Vatikan vor der dreitägigen Reise mit.

Der gemeinsame Weg

Die große Mehrheit der Rumänen (über 80 Prozent) gehört der rumänisch-orthodoxen Kirche an. Diese ist mit 17 Millionen Mitgliedern die zweitgrößte unabhängige orthodoxe Kirche der Welt. Katholiken sind eine kleine Minderheit.

Seit der Befreiung vom brutalen Joch der atheistischen kommunistischen Diktatur blüht in Rumänien der lange unterdrückte Glauben wieder auf.

Laut einer Studie von "Pew Research" aus dem Jahr 2018 sind die Rumänen das "religiöseste Land" Europas, und die nationale Kirche erfreut sich zahlreicher Berufungen und neuer Gotteshäuser. 

Das zeigt auch die imposante neue Kathedrale "Zur Erlösung der Nation" in Bukarest. In diesem orthodoxen Gotteshaus soll Papst Franziskus am heutigen Freitag das Vaterunser beten.  Ob dies gemeinsam mit Patriarch Ciobotea oder anderen sein wird, ist noch unklar — eine symbolisch wichtige Frage.

Der "gemeinsame Weg" mit der Orthodoxie - die Trennung erfolgte im Jahr 1054 - ist kein einfacher im Jahr 2019, zumal der eingeschlagene Kurs der Kirche in Rom in den letzten Jahren nicht nur auf Begeisterung stößt.

Daran wurde Papst Franziskus mit an Unhöflichkeit grenzender Deutlichkeit erst vor vier Wochen in Bulgarien erinnert, wo nicht einmal ein gemeinsames Gebet möglich war: Die Bilder eines alleine in der orthodoxen Kathedrale von Sofia betenden Papstes gingen um die Welt.

Zu diesem Zeitpunkt hatte der bulgarisch-orthodoxe Patriarch Neofit dem Papst schon seine Meinung gesagt. Er sei "fest davon überzeugt, dass es in Bezug auf den Glauben keine Kompromisse geben darf und kann", so Neofit.

Und "zur Verteidigung der christlichen Wurzeln Europas" sowie gegen neue Christenverfolgungen habe man zwar eine ähnlich Sicht: "In diesen Punkten stimmen unsere Meinungen überein." Zu Themen, die Franziskus stets in den Vordergrund rückt, etwa Migration, Soziale Gerechtigkeit und Umweltschutz, gab es jedoch nur beredtes Schweigen.

Im ökumenisch offeneren Rumänien könnte die starke Betonung des Papstes zu Migration einen positiven Akzent setzen, zumal nach den Ergebnissen der jüngsten Europawahl.

Dies gilt auch für die "Ökumene des Blutes" der christlichen Märtyrer, die der Papst auch in Bulgarien beschworen hat, und die in Rumänien einen starken Akzent setzt: Durch die von den Kommunisten 1948 erzwungene Vereinigung der griechisch-katholischen Gläubigen mit der orthodoxen Mehrheit - einschließlich der Beschlagnahmung kirchlicher Güter durch das Regime - gibt es bis heute Spannungen.

Das gemeinsame Leid heiliger Christen kann hier einen starken, versöhnenden Akzent setzen - so die Hoffnung im Vatikan.

Bereits im März gab der Heilige Stuhl bekannt, dass die Kirche gleich sieben Bischöfe als Märtyrer seligsprechen wird. Diese hatte Papst Franziskus anerkannt.

Dabei handelt es sich um Blutzeugen, deren Namen wenige Katholiken kennen werden, obwohl unter ihnen ein Kardinal ist, und ihr Leiden und Sterben noch in die jüngste Gegenwart fällt: Kardinal Iuliu Hossu sowie die griechisch-katholischen Bischöfe Valeriu Traian Freniu, Alexandru Rusu, Ioan Balan, Ioan Suciu, Titu Liviu Chinezu und Vasile Aftenie.

Gelitten und als Märtyrer gestorben sind sie in Rumänien, wo unter den Kommunisten von 1948 bis 1970 die Christen im Land massiv bedrängt, unterdrückt und verfolgt wurden.

Es ist dieses heilige Fundament, auf dem sich die Kirche auch im Jahr 2019 angesichts der globalen Eskalation der Christenverfolgung neu (wieder-)findet, das auch in Rumänien Grundlage eines gemeinsamen Wegs sein kann.

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