Päpstliche Akademie verteidigt Coronavirus-Dokument, in dem Gott nicht erwähnt wird

Monsignore Vincenzo Paglia
Foto: Daniel Ibáñez / CNA

Die Päpstliche Akademie für das Leben hat ihr jüngstes Dokument über die Coronavirus-Krise verteidigt, nachdem dieses scharf kritisiert wurde – unter anderem dafür, dass darin Gott nicht vorkommt.

Ein Sprecher des Vatikans sagte am 30. Juli, dass der Text, "Humana Communitas im Zeitalter der Pandemie: Unzeitgemäße Meditationen über die Wiedergeburt des Lebens" an "ein möglichst breites Publikum" gerichtet sei.

"Wir sind daran interessiert, in menschliche Situationen einzutreten, sie im Licht des Glaubens zu lesen und auf eine Weise, die zu einem möglichst breiten Publikum spricht, zu Gläubigen und Nicht-Gläubigen, zu allen Männern und Frauen 'guten Willens'", so Fabrizio Mastrofini von der Pressestelle von Erzbischof Vincenzo Paglia geleiteten Akademie in einer Stellungnahme.

"Man fragt sich, wer diese Dokumente eigentlich schreibt."

Auslöser dieser Reaktion war vor allem die vernichtende Analyse eines katholischen Philosophen, die am 28. Juli bei "La Nuova Bussola Quotidiana", einer 2012 gegründeten italienischen katholischen Website, veöffentlicht wurde.

In seinem Kommentar stellt Stefano Fontana fest, dass das Dokument der Päpstlichen Akademie keinen einzigen "expliziten oder impliziten Hinweis auf Gott" enthält.

Mit dem Hinweis, dass dies der zweite Text der Päpstlichen Akademie über die Pandemie war, schreibt der Philosoph: "Genau wie das vorhergehende Dokument sagt auch dieses wieder nichts aus: vor allem sagt es nichts über das Leben, was die spezifische Kompetenz der Päpstlichen Akademie ist, und es sagt auch nichts Katholisches, das heißt also nichts, was von der Lehre Unseres Herrn herrührt."

Er fährt fort: "Man fragt sich, wer diese Dokumente eigentlich schreibt. Von der Art, wie diese Autoren schreiben, scheinen sie anonyme Funktionäre einer anonymen Institution für soziologische Studien zu sein. Ihr Ziel ist es, Slogan-Sätze zu prägen, um eine Momentaufnahme von nicht näher definierten Prozessen zu erhalten, die derzeit im Gange sind."

Fontana abschließend: "Es besteht kein Zweifel: Es ist ein Dokument, das vielen Menschen aus der globalen Elite gefallen wird. Aber es wird denen missfallen - wenn sie es überhaupt lesen und verstehen -, die wollen, dass die Päpstliche Akademie für das Leben tatsächlich die Päpstliche Akademie für das Leben ist".

Als Antwort darauf forderte Pressesprecher Mastrofini die Kritiker auf, drei Texte nacheinander zu lesen. Der erste sei der Brief "Humana Communitas" an die Päpstliche Akademie von Papst Franziskus des Jahres 2019. Der zweite Text sei das Schreiben der Akademie vom 30. März über die Pandemie, und der dritte das jüngste Dokument.

Der Pressesprecher weiter: "Wie Johannes XXIII. sagte, ist es nicht das Evangelium, das sich ändert, sondern wir sind es, die es immer besser verstehen. Das ist die Arbeit, die die Päpstliche Akademie für das Leben in ständiger Unterscheidung leistet: der Glaube, das Evangelium, die Leidenschaft für die Menschheit, die sich in den konkreten Ereignissen unserer Zeit ausdrückt".

"Deshalb wäre eine Debatte über die Vorzüge des Inhalts dieser drei Dokumente, die zusammen gelesen werden sollten, wichtig. Ich weiß zum jetzigen Zeitpunkt nicht, ob eine philologische 'Buchführung' darüber, wie oft einige wenige Schlüsselwörter in einem Text wiederkehren, sinnvoll ist."

"Wenn es wirklich nur darum geht, bräuchte man Christus nicht"

In einer Antwort, die unter Mastrofinis Antwort veröffentlicht wurde, bekräftigt Fontana seine Kritik angesichts dieser Stellungnahme.

Der Philosoph erklärt, dass das Dokument die Pandemie auf "ein Problem der Ethik und des Funktionierens von Institutionen" reduziert habe. So könne es irgendeine soziale Einrichtung interpretieren, schreibt Fontana: "Wenn es wirklich nur darum geht, dies zu lösen, bräuchte man Christus nicht, sondern es würde ausreichen, medizinische Freiwillige, Geld der Europäischen Union und eine Regierung zu haben, die nicht völlig unvorbereitet ist."

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