Sexueller Missbrauch: Fokolar-Bewegung will Umgang mit Vorwürfen prüfen

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Foto: Andrik Langfield / Unsplash

Nachdem ein ehemaliges geweihtes Mitglied der Fokolar-Bewegung in Frankreich vor Jahren gestanden hat, einen minderjährigem Jugendlichen sexuell missbraucht zu haben, will die Gemeinschaft nun eine unabhängige Untersuchung ihres Umgangs mit Vorwürfen sexuellen Missbrauchs durchführen. 

Die Führungskräfte des auch als "Werk Mariens" bekannten Bewegung in Frankreich sind im Zug des Verbrechens zurückgetreten. Der Täter soll zahlreiche weitere Taten sexuellen Missbrauchs begangen haben.

"Die Fokolar-Bewegung hat beschlossen, eine Sonderuntersuchung einzuleiten, die einem unabhängigen Gremium anvertraut werden soll, dessen Zusammensetzung in Kürze veröffentlicht wird", teilte das "Werk Mariens" mit.

"Die Aufgabe dieses Gremiums wird darin bestehen, die Opfer anzuhören und weitere Zeugenaussagen zu sammeln sowie zu untersuchen, ob es Versäumnisse, Vertuschungen oder Schweigen von Seiten der Verantwortlichen der Bewegung gab. Am Ende der Untersuchung wird das unabhängige Gremium seinen Abschlussbericht veröffentlichen", hieß es in einer Erklärung vom 22. Oktober am Hauptsitz der Fokolar-Bewegung in Rom.

Die Erklärung betrifft Vorwürfe gegen ein früheres geweihtes Mitglied der Gruppe, das 1998 zugab, einen Minderjährigen sexuell missbraucht zu haben, und 2016 aus der Bewegung ausgeschlossen wurde.

Der mutmaßliche Täter, der nur als "J.M.M." identifiziert wurde, habe vermutlich weitere Opfer missbraucht, so ein Ergebnis der unabhängigen Kommission für sexuellen Missbrauch in der Kirche in Frankreich.

Der Mann wurde 1994 beschuldigt, ein männliches Opfer in den Jahren 1981 und 1982 sexuell missbraucht zu haben, als das mutmaßliche Opfer 15 und 16 Jahre alt war. Aufgrund der strafrechtlichen Verjährungsfrist wurde er wegen des Verbrechens nicht angeklagt, aber er gab die Verbrechen während eines Prozesses 1998 zu und musste Schadenersatz zahlen.

Der Täter wurde erst im Jahr 2016 aus dem "Werk Mariens" ausgeschlossen, nachdem sich das Opfer sowohl bei der Bewegung als auch der Bischofskonferenz beschwert hatte. 

Im November 2019 wurden weitere Vorwürfe gegen "J.M.M." erhoben: Ehemalige mutmaßliche Opfer wandten sich an die  unabhängige Kommission für sexuellen Missbrauch in der Kirche in Frankreich (CIASE).

Im vergangenen Monat hielt die Gruppe ein Treffen mit einigen mutmaßlichen Opfern von J.M.M. ab, bei dem ein Vertreter der Fokolar-Bewegung seine Scham über den in der Gruppe erlittenen Missbrauch zum Ausdruck brachte, "und auch über das jahrelange Schweigen oder den Mangel an Initiative seitens verschiedener Personen in verantwortlichen Positionen".

"Angesichts dieses immensen Leidens sind wir davon überzeugt, dass der einzige Weg, der zu beschreiten ist, darin besteht, den Opfern volle Aufmerksamkeit zu schenken und den angerichteten Schaden anzuerkennen. Ich möchte an dieser Stelle noch einmal die volle und bedingungslose Zusammenarbeit der Bewegung bekräftigen, um die Tatsachen vollständig aufzuklären und den Opfern Gerechtigkeit widerfahren zu lassen", sagte Maria Voce, Präsidentin der Fokolar-Bewegung, in einer Erklärung.

Die Fokolar-Bewegung wurde 1943 in Italien gegründet und ist eine von Laien geführte Organisation, die die Einheit und Solidarität der Christen fördert. Formell gibt es 140.444 Mitglieder der Fokolar-Bewegung, darunter einige Männer und Frauen, die Formen des geweihten Lebens leben. Über die formellen Mitglieder hinaus gibt es weltweit Millionen, die sich an Projekten und Initiativen der Fokolar-Bewegung beteiligen.

Informationen zur Kommission gegen sexuellen Missbrauch Minderjähriger und erwachsener Schutzbefohlener zuständig für die Fokolar-Bewegung in der Bundesrepublik Deutschland finden Sie hier auf Webseite der Bewegung in Deutschland.

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