Sri Lanka: Kardinal ruft zu Protesten wegen Umgang mit blutigen Oster-Anschlägen auf

Kardinal Malcolm Ranjith am 13. Januar 2015.
Foto: Alan Holdren / CNA Deutsch

Malcolm Kardinal Ranjith von Colombo hat die Bevölkerung zu einer Demonstration am 21. August aufgerufen, um gegen die Regierung zu protestieren, die bis heute die Bombenanschläge vom Ostersonntag 2019 nicht aufgeklärt hat.

"Hissen Sie am 21. August eine schwarze Flagge vor Ihren Häusern, Institutionen und Marktplätzen als starkes Symbol des stillen Protests", sagte der Kardinal am 13. August in Colombo bei einem Pressegespräch, berichtete die Catholic News Agency (CNA), die englischsprachige Schwesteragentur von CNA Deutsch.

Er sagte, er sei nicht zufrieden mit den rechtlichen Maßnahmen, die die Behörden derzeit gegen die mutmaßlichen Verantwortlichen für die Anschläge ergreifen.

Mehr als 260 Menschen starben und über 500 wurden bei den Anschlägen verletzt.

In einem vor wenigen Wochen veröffentlichten Brief meldet der Kardinal gemeinsam mit weiteren Geistlichen schwere Bedenken und begründete Zweifel an, dass die Machthaber und Behörden des Inselstaates in Südasien akzeptabel mit dem blutigen Vermächtnis islamischer Terror-Anschläge umgehen, die am Ostersonntag 2019 mindestens 320 Menschenleben kosteten und 500 weitere verletzt haben.

Die Unterzeichner gaben dem Präsidenten, Gotabaya Rajapaksa, einen Monat Zeit, auf den Brief – hier der volle Wortlaut – zu antworten. 

Mindestens 320 Menschen starben und 500 Personen wurden bei den koordinierten Angriffen der Islamisten verletzt, bei denen sieben Selbstmordattentäter mehrere Explosionen zündeten - drei davon auf Kirchen, in denen das Osterfest gefeiert wurde.

Ausländische Geheimdienste hatten die Regierung vor den Bombenanschlägen gewarnt, aber ein Machtkampf und eine Kommunikationspanne zwischen dem damaligen Präsidenten und dem Premierminister führten Berichten zufolge zu einem Versagen bei der Koordinierung einer Sicherheitsreaktion. 

Die Terror-Anschläge in Sri Lanka warfen auch die Frage nach dem Umgang westlicher Politiker und Meinungsmacher mit der Christenverfolgung auf.  Menschenrechtler forderten die Staatengemeinschaft und einzelne Regierungen auf, Christen adequat zu schützen, statt das Thema zu ignorieren oder mit Betroffenheitsadressen abzuspeisen.

Der deutsche Außenminister Heiko Maas und mehrerer US-Politiker hatten nach den Anschlägen von Sri Lanka das Wort "Christen" in ihren Stellungnahmen zu Sri Lanka vermieden.

Der SPD-Politiker Maas – der getaufter Katholik ist – erntete Empörung und breiten Spott für die Wortwahl von "Betenden" und "Reisenden" als Opfer der gezielten Terror-Anschläge. US-Politiker sprachen von "Oster-Anbetern" als Opfer, anstatt von Christen, wie CNA Deutsch berichtete.

Die Blamage machte - nolens volens - auf ein Problem aufmerksam, das nicht nur Papst Franziskus zufolge längst selber eine "höfliche" Diskriminierung gegen Christen ist. 

In dem Schreiben vom Juli erklären die Unterzeichner, dass der Generalstaatsanwalt in den zwei Jahren seit den Anschlägen es versäumt hat, Anklage gegen zahlreiche Verantwortliche und Beamte zu erheben, deren Nachlässigkeit die Anschläge zum Teil erst ermöglichte.

Sie stellten auch in Frage, ob die derzeit 42 Verdächtigen in dem Fall die Drahtzieher des Angriffs einschließen, und warnten, dass die eigentlichen Rädelsführer der Justiz entkommen könnten.

Kardinal Ranjith erinnerte daran, dass der frühere Generalstaatsanwalt der Nation die Bombenanschläge als eine "große Verschwörung" bezeichnet hat, und Ranjith fordert, dass diese Frage vollständig untersucht und die Ergebnisse veröffentlicht werden.

"[I]m Falle, dass Wahrheit und Gerechtigkeit in dieser Angelegenheit von der Regierung nicht in befriedigender Weise sichergestellt werden können und diese Angelegenheit eher oberflächlich behandelt wird, werden wir gezwungen sein, mit alternativen Mitteln dafür zu agitieren", schloss er – offenbar eine Anspielung auf mögliche öffentliche Proteste.

Ziel der islamistischen Terror-Anschläge des Jahres 2019 in Sri Lanka waren die Kirche St. Antonius in Colombo sowie die ebenfalls katholische Kirche St. Sebastian in Negombo, einer mehrheitlich katholischen Stadt nördlich der Hauptstadt. Die dritte Kirche war die evangelikale Zionkirche in der östlichen Stadt Batticaloa.

Die Kirchenbänke der Wallfahrtskirche von St. Anthony - dem heiligen Antonius - wurden durch die Explosion in Colombo völlig zerstört. Boden und Decke des Gotteshauses waren mit Blut getränkt. Der Wallfahrtsort ist die bekannteste Kirche Sri Lankas und wird als Nationalheiligtum des Landes bezeichnet. Die erste Kapelle auf dem Grundstück der Kirche wurde während der niederländischen Kolonialzeit Sri Lankas gebaut, als der Katholizismus auf der Insel weitgehend verboten war.

Neben diesen Gotteshäusern waren drei Hotels in Colombo Ziel der Anschläge, die von ausländischen Touristen besucht werden: Die Hotels "Cinnamon Grand", "Shangri-La" und "Kingsbury".

Sri Lankas Regierung und Ermittlungsbehörden haben eine heimische islamistische Gruppe namens "National Thowheed Jamath" der Ausführung der Angriffe beschuldigt, jedoch gleichzeitig betont, dass ein internationales Netzwerk die Angriffe unterstützt haben müsse, wie CNA Deutsch berichtete. Der Islamische Staat hat die Anschläge für sich reklamiert.

Sri Lanka ist eine Inselnation im Indischen Ozean, südwestlich des Golf von Bengalen, mit einer Bevölkerung von mehr als 21 Millionen Menschen. Mehr als 70 % der Sri-Lankaner sind Buddhisten, etwa 13% sind Hindus, fast 10% sind Muslime und weniger als 8% sind Christen. Es gibt 1,5 Millionen Katholiken im Land, was die überwältigende Mehrheit der Christen in Sri Lanka ausmacht.

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