Ständiger Rat der deutschen Bischofskonferenz: "Bitte lassen Sie sich impfen!"

Impfung (Illustration)
Foto: Ball Lunla/Shutterstock

Der Ständige Rat der deutschen Bischofskonferenz hat in einem Appell die Katholiken in Deutschland dazu aufgerufen, sich impfen zu lassen.

"Impfen ist in dieser Pandemie eine Verpflichtung aus Gerechtigkeit, Solidarität und Nächstenliebe", heißt es dazu in der gestern veröffentlichten Mitteilung. Aus "ethischer Sicht" sei die Impfung gar eine "moralische Pflicht". Die Bischöfe betonen, dass auch Papst Franziskus zur Impfung ermutige.

Der Ständige Rat besteht aus allen Diözesanbischöfen und ist an die Beschlüsse der Vollversammlung gebunden. Er kümmert sich "um die Bearbeitung der laufenden Aufgaben" und soll für einen fortlaufenden Austausch der Diözesanbischöfe sorgen. Das Gremium trifft sich in der Regel fünf- bis sechsmal pro Jahr, um über die "dringlichen kirchenpolitischen und organisatorischen Fragen" zu beraten.

"Impfen ist eine moralische Pflicht"

"In diesen Tagen erleben wir in nahezu unaufhaltsamer Dramatik das Fortschreiten der vierten Welle der Corona-Pandemie", schreibt der Ständige Rat. Die Inzidenzzahlen, Neuinfektionen und Todesfälle hätten "erschreckende Ausmaße" erreicht. Wörtlich: 

"Mit Nachdruck rufen wir die Katholikinnen und Katholiken und alle Menschen unseres Landes dazu auf, sich impfen zu lassen, soweit dies möglich ist. Impfen ist in dieser Pandemie eine Verpflichtung aus Gerechtigkeit, Solidarität und Nächstenliebe. Aus ethischer Sicht ist es eine moralische Pflicht. Wir müssen uns und andere schützen. Die Impfung ist dazu das wirksamste Mittel."

Gleichzeitig appellieren die Bischöfe an die Menschen, alle nötigen Hygienemaßnahmen einzuhalten. Um "die Freiheiten im alltäglichen Leben wie in den Zeiten vor Corona" zurückzubekommen, müsse man sich gemeinsam "einsetzen": "Denn wir sehen: Durch die Impfung werden Leben gerettet und weniger schwere Krankheitsverläufe erreicht", so der Ständige Rat wörtlich.

Die Bischöfe schreiben auch:

"Wir machen uns den Appell von Papst Franziskus zu eigen, der am Weltgesundheitstag betont hat: 'Wir alle sind aufgerufen, die Pandemie zu bekämpfen. In diesem Kampf stellen die Impfstoffe ein wesentliches Instrument dar. Dank Gott und der Arbeit vieler haben wir jetzt Impfstoffe, um uns vor Covid-19 zu schützen'. Wir fügen hinzu: Nutzen wir diese Chance! Bitte lassen Sie sich impfen!"

Wie CNA Deutsch berichtete, erkrankte kürzlich auch der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Reinhard Marx, an Covid-19 – trotz Impfung. Am letzten Freitag gab das Erzbistum bekannt, dass sich Marx wieder vollständig erholt habe und zurück im Dienst sei.

Eine Übersicht zu den Plänen der Bistümer in Deutschland in Hinblick auf das kommende Weihnachtsfest finden Sie hier.

Bischof Timmerevers hält Impfpflicht für "vertretbar" 

Der Bischof von Dresden und Meißen, Bischof Heinrich Timmerevers, erklärte am Montag, dass er sogar die Einführung einer Impfpflicht für vertretbar halte.

"Ich sehe, dass der Staat im Moment noch mit dem milden Mittel der Überzeugung versucht, die Verantwortung beim Einzelnen zu belassen. Ich halte es ethisch aber vertretbar, eine Impfpflicht einzuführen", so der Hirte im Interview der "Dresdner Neuesten Nachrichten". Und weiter: "Wo die eigene Freiheit um den Preis der Gefährdung anderer definiert wird, macht sie unser gesellschaftliches Solidarsystem kaputt und ist Egoismus mit Scheuklappen für die Not des Anderen."

Bei der Behandlung von Notfällen dürften Ungeimpfte aber nicht vernachlässigt werden, auch wenn dies "dem Gerechtigkeitsempfinden vieler widerspreche und Ärzte sowie pflegendes Personal auch demotiviere". Im Ernstfall müsse auch Ungeimpften geholfen werden "trotz aller Schuld".

Die Coronavirus-Pandemie bezeichnete Timmerevers als "Charaktertest". Wörtlich sagte er:

"Ich wünsche mir eine Bereitschaft der Menschen, die sich bisher nicht impfen lassen haben, ihre Haltung zu überdenken und aus der Verantwortung für den anderen und für die Gesellschaft sich impfen zu lassen. Und ich wünsche mir von jenen, die schon geimpft sind, dass sie nicht abschätzig auf die anderen herabschauen, sondern sie ermuntern, Freiheit und Verantwortung zusammenzudenken."

Auch Papst Franziskus ruft zur Impfung auf

Papst Franziskus ist – wie auch der emeritierte Papst Benedikt XVI. – gegen Corona geimpft (CNA Deutsch hat berichtet). 

Wiederholt hatte Papst Franziskus zur Impfung aufgerufen, teils mit drastischen Worten. So sagte er im September auf einer Pressekonferenz während eines Flugs:

"Die Menschheit hat eine Geschichte der Freundschaft mit Impfstoffen. Als Kinder wurden wir gegen Masern geimpft, gegen andere Krankheiten, gegen Polio. Alle Kinder wurden geimpft, und niemand hat etwas gesagt".

Weiter erklärte der Pontifex: "Dann geschah dies [der Widerstand]. Das lag vielleicht an der Virulenz, an der Ungewissheit nicht nur über die Pandemie, sondern auch über die verschiedenen Impfstoffe und auch an dem Ruf einiger Impfstoffe, die nichts anderes als destilliertes Wasser sind. Dies hat bei den Menschen Angst ausgelöst. Dann gibt es andere, die sagen, dass es eine Gefahr ist, weil man sich mit dem Impfstoff ansteckt. Es gibt so viele Argumente, die zu dieser Spaltung geführt haben".

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