Zeuge gegen Kardinal Pell bestreitet, von Kardinal Becciu bestochen worden zu sein

Kardinal Giovanni Angelo Becciu
Foto: Daniel Ibanez / CNA Deutsch

Der Zeuge gegen Kardinal George Pell in dessen Missbrauchsverfahren hat bestritten, dass er bestochen wurde, um Anschuldigungen gegen den australischen Kardinal vorzubringen. 

"Mein Klient bestreitet jegliche Kenntnis oder den Erhalt von Zahlungen", sagte Anwältin Vivian Waller, die den Mann vertritt, der Pell des sexuellen Missbrauchs beschuldigt hat, in einer Erklärung am 5. Oktober laut einem Bericht der "Catholic News Agency". Waller weiter: "Er wird keine weiteren Kommentare zu diesen Anschuldigungen abgeben."

Das Dementi wurde in Antwort auf Berichte italienischer Zeitungen und australische Medienberichte veröffentlicht, denen zufolge Ermittler des Vatikans prüfen, ob Kardinal Angelo Giovanni Becciu mehrere hunderttausend Euro von Konten des Vatikans nach Australien überwiesen haben könnte, um seinen Rivalen aus dem Weg zu räumen.

Auch der Anwalt von Kardinal George Pell meldete sich zu diesen Vorwürfen: Robert Richter fordert, wie CNA Deutsch gestern meldete, dass die zuständigen Finanzbehörden die Geldströme aus dem Vatikan nach Australien ermitteln und offenlegen. 

Kardinal Becciu – den Papst Franziskus Ende September zum Rücktritt und Verzicht auf seine Rechte als Kardinal gezwungen hat – bestreitet bis heute alle Vorwürfe und beteuert seine Unschuld.

Pell war des sexuellen Missbrauchs zweier Chorknaben schuldig gesprochen worden, bevor der oberste Gerichtshof das Urteil aufhob und den Prälaten freisprach: Der Kardinal hätte auch in erster Instanz nicht aufgrund der einzelnen Aussage eines Beschuldigers für schuldig gesprochen werden dürfen, so der einstimmige Befund der obersten Richter.

Papst Franziskus hatte Kardinal George Pell im Jahr 2014 zum Leiter des neu geschaffenen Wirtschafts-Sekretariats ernannt: Der australische Kardinal sollte maßgeblich die Korruption und Misswirtschaft im Vatikan aufräumen helfen. 

Nachdem die Polizei von Victoria im Jahr 2017 gegen Pell Anzeige erstattete – aus Gründen, die später einen gewaltigen Justiz-Skandal auslösten – ließ sich der Kardinal beurlauben, um vor Gericht seine Unschuld zu beweisen.

Wie CNA Deutsch ausführlich berichtet hat, steht Kardinal Becciu Medienberichten zufolge unter Verdacht, sich und seine Familie bereichert zu haben. Außerdem steht Becciu offenbar im Zentrum des notorischen Falls einer Londoner Luxus-Immobilie und weiterer Skandale. 

In seiner Rolle als Sostituto des Staatssekretariates war Becciu wiederholt mit Pell aneinander geraten, als dieser als Wirtschaftspräfekt versuchte, moderne Rechenschafts-Standards und Transparenz einzuführen in das Dickicht des vatikanischen Finanzwesens.

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