Bischof Genn: Es lohnt sich, Suizidprävention und Palliativmedizin zu unterstützen

Bischof Felix Genn
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Wie mehrere andere deutsche Bischöfe hat sich auch der Münsteraner Oberhirte Felix Genn in diesen Tagen zur bevorstehenden Abstimmung im Bundestag über mehrere Gesetze in Sachen Beihilfe zum Selbstmord, oft Sterbehilfe genannt, geäußert. Ein Verbot der geschäftsmäßigen Sterbehilfe war 2020 durch das Bundesverfassungsgericht gekippt worden.

Genn predigte bei der sogenannten Großen Prozession in Münster, die als Buß- und Bittprozesison auf das 14. Jahrhundert und die Zeit der Pest zurückgeht. Der Bischof beklagte, die Kirche werde gesellschaftlich oft nicht mehr gehört, weil man glaube, sie sei einfach gegen alles.

In Wirklichkeit gelte jedoch: „Wir sind für das Leben, wir sind nicht gegen alles, weil wir für das Leben sind, deshalb aber sind wir gegen den Tod. Weil wir für das Leben sind, deshalb glauben wir, dass es sich lohnt, Suizid-Prävention zu verstärken, die Hospiz-Bewegung zu unterstützen, alles, was an Palliativem in den Krankenhäusern und Altenpflegeeinrichtungen geleistet wird, mit mehr Geld zu unterstützen und zu fördern.“

„Wir sind für das Leben, weil wir Menschen davor bewahren wollen, unter den Druck zu geraten, um den Angehörigen nicht zur Last zu fallen“, so Genn weiter. „Wir sind für das Leben, weil wir Menschen helfen wollen, nicht die Freiheit zu verlieren, sich dem Zwang ausgesetzt zu wissen, den Suizid als den leichteren Weg zu sehen, weil ihn andere in ihrer freiheitlichen Selbstbestimmung wählen. Wir sind für das Leben, weil wir bereit sind, die Spannung auszuhalten, diejenigen, die sich anders entscheiden zu respektieren und ihr Sterben in diesem Sinne als autonom anzusehen, und zugleich mit Stärke dafür einzutreten, andere Wege als lebensfördernder anzusehen.“

„Wer sich auf Jesus einlässt, findet in ihm die Lösung der vielen Fragen und Probleme“, betonte Genn. „Er erhält die Bereitschaft, wirklich umzudenken und von ihm die Vielfalt der Probleme zu sehen. Vielleicht besteht es nur darin, zunächst einmal die Komplexität anzunehmen, auf diese Komplexität zu hören und sie in das Gespräch mit der Botschaft Jesu zu bringen, um von ihm her sich eine Orientierung geben zu lassen.“