Bericht: Hassverbrechen gegen Christen in Europa um 70 Prozent gestiegen

Der neue OSZE "Hate Crime Report 2020" dokumentiert 980 Fälle — Wiener Beobachtungsstelle OIDAC analysiert die Daten.

Kreuz der Märtyrer
Foto: Aaron Groote via Flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Wie in den vergangenen Jahren berichtet die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) am internationalen Tag für Toleranz über Hassverbrechen in Europe. Für den jährlichen Bericht erhält die OSZE deskriptive Daten von zivilgesellschaftlichen und internationalen Organisationen, vom Heiligen Stuhl und durch Regierungsstatistiken aus einigen ihrer Mitgliedsstaaten. Auch die Beobachtungstelle der Intoleranz und Diskriminierung gegen Christen in Europa (OIDAC) arbeitet seit einigen Jahren in diesem Bereich eng mit der OSZE zusammen und hat erheblich zur Datensammlung beigetragen.

Tatsächliche Zahl der Hassverbrechen gegen Christen höchstwahrscheinlich noch viel höher

Für 2020 wurden insgesamt 7.181 Fälle von Hassverbrechen gegen Gruppen und einzelne Personen unterschiedlicher Religionen und andere schützenwerter Charakteristika gemeldet. 4008 Fälle sind deskriptiver Art, der Rest sind Polizeidaten vereinzelter Mitgliedsstaaten. 24 Staaten melden Daten zu Hassverbrechen, die aufgrund von Rassismus oder Xenophobie verübt worden sind, 20 zu LGBT-Gruppen, 16 Staaten zu Antisemitismus, und 14 zu Vorfällen gegen Muslime, jedoch lediglich 11 von 57 OSZE-Staaten übermitteln Daten zu Hassverbrechen gegen Christen, was die Statistik erheblich verzerrt. Darüber hinaus haben von den 136 zivilgesellschaftlichen Organisationen, die deskriptive Daten vorgelegt haben, nur 8 Organisationen konstant über Vorfälle gegen Christen berichtet.

Diese beiden Erkenntnisse lassen die Realität der Situation in einem anderen Licht erscheinen. Das bedeutet, dass die tatsächliche Zahl der Hassverbrechen gegen Christen höchstwahrscheinlich viel höher ist. Auffällig ist nämlich, dass von den 4008 deskriptiven Fällen 980 Hassverbrechen gegen Christen sind, also knapp 25 Prozent. Das sind so viele wie gegen keine andere religiöse Gruppe. Alleine für 2020 war es der Beobachtungstelle OIDAC möglich, rund 600 der 980 der schließlich publizierten Fälle an die OSZE zu melden. Für 2019 hatte die OSZE 578 (15 Prozent von insgesamt 3756 Fällen) Hassverbrechen gegen Christen dokumentiert. Die Steigerung  von 2019 auf 2020 beträgt somit 70 Prozent.

OSZE-Bericht als Weckruf gegen Gleichgültigkeit und  modisches Christen-Bashing  

Für Madeleine Enzlberger von der in Wien ansässigen Beobachtungstelle der Intoleranz und Diskriminierung gegen Christen in Europa sollten diese dramatisch steigenden Zahlen den politischen und kulturellen Eliten die Augen öffnen:  „Medial und politisch wird der Hass auf Christen als ein immer offensichtlicheres gesellschaftliches Problem kaum wahrgenommen. Der OSZE-Bericht spiegelt nur einen Teil dieses von uns seit Jahren dokumentierten Trends wider und ist doch ein lauter Weckruf gegen Gleichgültigkeit und  modisches  Christen-Bashing.“

Am 7. Dezember wird OIDAC einen Studienbericht veröffentlichen, der sich mit der aktuellen, teils prekären Situation von Christen in den fünf am meisten betroffenen Ländern Europas beschäftigt.

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