Bericht: Nonnen in China aus Kloster gezwungen

Chinesische Flagge
Foto: Daniel Ibáñez / ACI Group

Auf Druck der chinesischen Regierung sind Berichten zufolge acht katholische Nonnen gezwungen worden, ihr Kloster in der nördlichen Provinz Shanxi zu verlassen. Ihr derzeitiger Aufenthaltsort ist nicht bekannt.

"Beamte haben uns zu 'gefährlichen Personen' erklärt und wiederholt schikaniertert", sagte eine der Nonnen laut "Bitter Winter", einem italienischen Menschenrechts-Magazin, das über Religionsfreiheit in China berichtet.

"Sie forderten uns auf, niederzuschreiben, was wir seit  unserer Kindergartenzeit getan haben, und verlangten, alles offenzulegen, was wir in den letzten Monaten getan haben. Sie wollten sogar, dass wir uns an die Nummernschilder der Fahrzeuge erinnern, die wir während unserer Reisen benutzten.

Die Nonnen stehen unter ständiger Überwachung durch die Kommunistische Partei Chinas, weil sie früher im Ausland lebten und sich laut Bitter Winter geweigert haben, der "Chinesischen Patriotisch-Katholischen Vereinigung", der kommunistisch geführten Staatskirche, beizutreten. 

Überwachungskameras im Kloster


Die Nonnen wurden auch gezwungen, religiöse Symbole wie Kreuze und Heiligenstatuen aus dem Inneren des Klosters zu entfernen. Andernfalls drohe ihnen der Abriss ihres Klosters, so die kommunistischen Beamten.

"Das Kreuz ist ein Symbol der Erlösung. Es zu entfernen, fühlte sich an, als würden wir uns in unser eigenes Fleisch schneiden", sagte die Schwester.

"Drei Personen, ein Polizeibeamter und zwei örtliche Beamte, wurden beauftragt, uns zu überwachen", sagte die Nonne laut Bitter Winter.

Die Regierung habe vier Überwachungskameras im Kloster installiert, um die Nonnen und ihre Besucher zu beobachten, berichtete das Magazin.

"Drei Personen, ein Polizeibeamter und zwei örtliche Funktionäre, wurden beauftragt, uns zu beobachten", so eine Nonne laut "Bitter Winter".

"Sie kamen oft ins Kloster, um sich über unsere Aktivitäten zu erkundigen, manchmal auch nachts. Die Regierung heuerte sogar einige Rabauken und Rohlinge an, um uns zu schikanieren. Diese kamen in die Küche, während wir kochten, um zu stören oder sich lasziv zu benehmen, und luden uns zum Abendessen ein".

In den vergangenen Monaten haben die Behörden in Shanxi Menschen dazu gedrängt, religiöse Symbole in ihren Häusern durch Bilder des "Großen Vorsitzenden" Mao Zedong und des "Präsidenten auf Lebenszeit" Xi Jinping zu ersetzen. Wer sich nicht daran hält, wird bestraft: Unter anderem droht der Entzug finanzieller Unterstützung im Krankheitsfall.

Wie ein Großteil der Welt wurde auch die chinesische Wirtschaft von der Coronavirus-Pandemie hart getroffen. Weite Teile der Bevölkerung sind auf solche staatlichen Zahlungen angewiesen. Gleichzeitig hat die Regierung ein erneutes hartes Durchgreifen gegen religiöse Institutionen betrieben, berichtete Bitter Winter.

Zensur und Umgehung


Laut ChinaAid, einer christlichen NRO, haben chinesische Publikationen damit begonnen, die Worte "Christus", "Kirche" und "Jesus" in ihren Büchern durch die Initialen der Pinyin-Begriffe für diese Worte zu ersetzen, um Zensur zu vermeiden. 

(Pinyin ist die gängigste Schreibform chinesischer Worte in lateinischen Buchstaben.)

Einige Buchtitel, so berichtete ChinaAid am 20. Oktober, färben religiöse Wörter dunkel ein: Dadurch hoffen Christen, die Zensur zu umgehen, die sonst die Online-Lektüre ihrer Bücher blockieren würde.

Bibeln haben in China keine ISBN-Nummer und können nicht im normalen Buchhandel gekauft werden.

Im vergangenen Jahr hat die Kommunistische Partei Chinas in Kirchen in mehreren Teilen des Landes die Darstellung der Zehn Gebote verhindert oder durch eine kommunistische Version ersetzt. Andernorts wurden Kirchen "wegen Brandschutzbedenken" geschlossen oder einfach abgerissen.

Funktionäre der Kommunistischen Partei haben auch angekündigt, dass sie an einer von den Kommunisten genehmigten, "sinisierten" Version der Bibel arbeiten.

Gräber schwedischer Missionare zerstört


Sogar längst verstorbene Christen sind in China verfolgt worden. "Bitter Winter" berichtete am 16. Oktober, dass die chinesischen Behörden im September die Grabsteine von 20 schwedischen Missionaren abgerissen hatten, von denen einige vor über 100 Jahren starben.

Die Missionare wurden in der Stadt Xiezhou begraben, die vom Yanhu-Distrikt Yuncheng verwaltet wird, einer Stadt auf Präferenzebene in der nördlichen Provinz Shanxi. Schwedische christliche Missionare ließen sich erstmals 1888 in Yuncheng nieder und errichteten schließlich Schulen und Krankenhäuser in der Gegend. Viele Menschen bekehrten sich infolge der Arbeit der schwedischen Missionare zum Christentum, und ihre  Grabstätten waren Ziele für christliche Pilger geworden.

Nach Angaben von "Bitter Winter" schickte die Bezirksregierung von Yanhu am Morgen des 12. September über 100 Polizisten auf den Friedhof. Die Grabstätten und ein Haus mit Fotos der Missionare wurden zwei Stunden später mit Bulldozern plattgewalzt. Auf den Grabstätten wurden Pflanzen gepflanzt.

Parolin bestreitet Verfolgung


Der Vatikan schweigt nicht nur zur Christenverfolgung in China – Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin hat diese am 21. Oktober, einen Tag vor der Erneuerung des kontroversen Deals des Vatikans mit China, sogar bestritten. Auf die Frage von Journalisten antwortete Parolin wörtlich: "Aber welche Verfolgungen denn?"

Der Kardinalstaatssekretär kritisierte die fragenden Journalisten für ihre Wortwahl: "Sie müssen die Begriffe korrekt verwenden. Es gibt Vorschriften, die auferlegt werden und die alle Religionen betreffen, und sicherlich auch die katholische Kirche".

Tatsächlich werden Christen in China bekanntlich seit Jahren systematisch verfolgt und durch die "Sinisierung" kommunistischen – also auch atheistischen – Inhalten angepasst. Jedweder Religionsunterricht ist für alle Personen unter 18 Jahren illegal. Minderjährige dürfen Kirchengebäude nicht betreten. Katholische Kirchen, die bei den chinesischen Behörden registriert sind, werden über Videokameras, die an das öffentliche Sicherheitsnetz angeschlossen sind, genau überwacht. Priester wurden gezwungen, an "Ausbildungskursen" der Regierung teilzunehmen.

Katholische Geistliche, die nicht der Kommunistischen Partie per Unterschrift bei Behörden ihre Unterstützung zusagen, werden Berichten zufolge – etwa im September in der Proving Jiangxi – verhaftet.

Der Vatikan unterstützt dieses Vorgehen durch das Schweigen des Papstes und stellenweise sogar Unterstützung durch Vertreter des Vatikans sagen Kritiker wie der Bishof emeritus von Hong Kong, Kardinal Joseph Zen. Indessen hat Kardinal Parolin die "Sinisierung" gegenüber im Mai 2019 einer chinesischen Zeitung als harmlose "Inkulturation" bezeichnet.

Was genau in der Vereinbarung zwischen Vatikan und Volksrepublik steht, und welche Verpflichtungen etwa Papst Franziskus damit auf sich genommen hat: Das halten der Heilige Stuhl und die kommunistischen Machthaber geheim. 

Die Ernennung von Bischöfen etwa – um die es dabei gehen soll – ist weitgehend ausgeblieben, wie auch innerkirchliche Beobachter, etwa Erzbischof Ludwig Schick von Bamberg, konstatiert haben.

Die verheerenden Konsequenzen indessen sind öffentlich bekannt, sagen Beobachter: Der Papst – der sich sonst regelmäßig und wortreich zu politischen Themen äußert – schweigt lautstark zur Christenverfolgung, zur "Sinisierung" und sogar zur Behandlung der muslimischen Uiguren in Xinjiang, zur Demokratie-Bewegung in Hong Kong und  weiteren Menschenrechtsverletzungen in ganz China. 

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