Bischof Voderholzer: "Jesus war konkreter Mensch als männliches Wesen"

Bischof Rudolf Voderholzer in der Weihnachtspredigt 2020 im Regensburger Dom
Foto: Armin Hofbauer/Bischöfliche Pressestelle

Gott ist Fleisch geworden – das ist die zentrale Botschaft von Weihnachten. Das hat Bischof Rudolf Voderholzer in seiner Predigt am Weihnachtstag im Regensburger Dom gesagt. Menschwerdung, das sei konkret nur als Mann oder als Frau möglich. Dass Christus ein Mann war, habe Konsequenzen für die Zuordnung des Weiheamtes in der Kirche.

"Die römisch-katholische Kirche und die orthodoxen Kirchen gehen davon aus, dass zur Repräsentation Christi, des Hauptes der Kirche, von seiner natürlichen Zeichenhaftigkeit her das männliche Geschlecht gehört", stellt Bischof Rudolf Voderholzer fest. Er erklärt dies mit der Menschwerdung: "Es gibt kein Menschsein jenseits oder unabhängig von geschlechtlicher Bestimmung." Menschwerdung, das gehe nur konkret als Mann und Frau. Die biblischen Zeugnisse und die Liturgie der Kirche lassen keinen Zweifel an der "konkreten Menschheit Jesu als männliches Wesen". So heiße es im Introitus des 25. Dezember: "Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns geschenkt."

"Es wird versucht, das Glaubensbekenntnis der Kirche gegen die kirchliche Tradition auszuspielen", beobachtet Bischof Voderholzer. Es werde mit Hinweis auf das Glaubensbekenntnis vorgebracht, das ewige Wort des Vaters sei Mensch geworden, nicht Mann. Dem setzt Bischof Voderholzer entgegen: "Nach biblischem Verständnis und auch den Texten altkirchlicher Liturgie gehört die geschlechtliche Bestimmung zum ganzen Menschsein hinzu, eine abstrakte menschliche Natur jenseits davon hat auch das Credo der Kirche nicht im Sinn".

Nach wie vor gebe es heute wissenschaftlich keinen Grund, von der biblisch bezeugten Schöpfungstatsache abzuweichen, dass der Mensch entweder als Mann oder als Frau existiere. Es sei eine Vorentscheidung, eine Frage des Menschenbildes, die zu einer Ausweitung der Zahl möglicher Geschlechter führe.

Gott ist Fleisch geworden. Fleisch, das ist der Mensch nicht nur in seiner Geschlechtlichkeit. Fleisch, das ist auch der Mensch, insofern er auf vielfältige Weise begrenzt ist. Fleisch, das ist der Mensch, insofern er müde oder krank werden kann, insofern er sterben kann. Oder insofern er Opfer einer Pandemie werden kann. Dass Gott Fleisch geworden ist, bedeute Hoffnung: "Von Jesus dürfen wir glauben, dass wir durch seine Wunden geheilt sind."

Bischof Voderholzer schließt mit Worten, die Kraft spenden: "Das Wort ist Fleisch geworden, es hat unter uns gewohnt, es hat unter uns sein Zelt aufgeschlagen, es hat alles mit uns geteilt, unsere Krankheiten, selbst den Tod auf sich genommen. Und er geht mit, auch diese Wegstrecke."

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