Alternative zur Kirchensteuer? Bischof Wilmer: Bevorzuge italienische Abgabe

Bischof Heiner Wilmer am Tag seiner Weihe
Foto: Schulze / bph

Bischof Heiner Wilmer von Hildesheim spricht sich für eine Reform der Kirche in Deutschland aus. Deren "Verfassung" in der Bundesrepublik sei "sehr speziell", so der Hildesheimer Hirte in einem Interview am Dienstag.

"Kaum eine Kirche der Welt hat eine so behördenähnliche Struktur wie die Kirche in Deutschland. Dagegen ist - mit Verlaub - selbst der Vatikan ein Klacks."

Eine Reform der Kirche in Deutschland sei unumgänglich: Wenn die Kirche Menschen nicht mehr helfe, so Wilmer, habe sie "die Botschaft Jesu verraten". Häufig belehre "die Kirche" die Menschen, statt ihnen zur Seite zu stehen. Jesus Christus aber sei seines Erachtens "zuallererst ein Heiler und erst viel später ein Lehrer gewesen", so Wilmer wörtlich.

Statt des "verlässlichen" deutschen Kirchensteuersystems bevorzuge er die italienische Lösung eines freiwilligen Beitrags, so Wilmer gegenüber der "Rheinischen Post".

Alternative zur Kirchensteuer?

Das deutsche Kirchensteuersystem sei "sehr verlässlich" und ermögliche es der Kirche, "ihren Auftrag für die Menschen und die Gesellschaft in guter Weise wahrzunehmen", so der Bischof. Wilmer äußert die Sorge, dass die Katholische Kirche in Deutschland nicht mehr nah genug an den "Erfahrungen der Menschen" sei.

Er bevorzuge das italienische Modell, in dem alle Bürger eine Abgabe entrichten müssen, sich aber entscheiden können, wer der Empfänger dieser Zahlung ist.

In Italien wird die Kirchen- und Kultursteuer als otto per mille eingezogen, also 8 ‰ der Bruttoeinkommensteuer. Steuerzahler können frei mit der Steuererklärung entscheiden, welcher Religionsgemeinschaft das Ged zukommen soll - oder ob es sozialen Zwecken beziehungsweise dem Staat zugeht.

Dagegen sind Katholiken in Deutschland gezwungen, zusätzlich zur Einkommenssteuer eine Kirchensteuer zu entrichten – sonst wird ihnen der Zugang zu den Sakramenten verwehrt und zum Beispiel ein christliches Begräbnis verweigert.

(Gleichzeitig ist ein Austritt aus der Kirche ist deutschen Katholiken derzeit nur durch eine Abmeldung von der Kirchensteuer möglich.)

Neuen Zahlen zufolge hat die katholische Kirche in Deutschland im Jahr 2019 über 6,76 Milliarden Euro an Kirchensteuer eingenommen. Ein neuer Rekord an Einnahmen – bei gleichzeitigem Negativ-Rekord an Austrittszahlen, wie CNA Deutsch berichtete: Im gleichen Jahr kehrten mehr getaufte Katholiken denn je ihrer Diözese den Rücken.

Von insgesamt über 270.000 Austritten in den 27 deutschen Bistümern waren – laut den offiziellen Angaben der Bischofskonferenz für 2019 – auch über 8.000 Austritte im Bistum Hildesheim.

Wilmer: "Reformprozess unumgänglich"

Die Katholische Kirche sei heute in der Bundesrepublik nur noch "eine Anbieterin unter etlichen anderen Sinnanbietern", so Wilmer im Interview am 21. Juli. Deshalb müsse "die Kirche" auf Menschen "zugehen", damit diese ihr auch die "echten Fragen" anvertrauten.

Er halte einen "Reformprozess der Kirche" für unumgänglich: Dieser nehme "schon im Evangelium" seinen Ausgangspunkt. "Wir brauchen beides", so Wilmer weiter, "eine Debatte über und eine Umsetzung von Reformen und gleichzeitig einen Blick für unseren missionarischen Auftrag".

Ähnlich hat sich Ende Juni auch Erzbischof Stefan Heße von Hamburg geäußert, wie CNA Deutsch berichtete.

Gleichzeitig betont Wilmer gestern auch: "Auf die Frage der Menschen, was habe ich überhaupt vom Evangelium, brauchen wir eine Antwort."

Zu einer "Reform" gehört nach Ansicht Wilmers auch die Neuausrichtung der Priesterausbildung. Diese müsse künftig "besser verankert werden im Erfahrungshorizont der Menschen".

Als "Bereicherung" empfinde er ein Modell, in dem Priester nicht hauptberuflich als Seelsorger arbeiten, sondern "zum Beispiel am Fließband arbeiten".

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