Bischöfe fordern US-Justizministerium auf, gegen Porno-Industrie vorzugehen

Pornhub website logo.
Foto: Kate Krav-Rude/Shutterstock

Angesichts steigender Zugriffszahlen auf pornografische Inhalte im Internet während der Coronavirus-Pandemie haben die Bischöfe der Vereinigten Staaten an das Justizministerium appelliert, die Opfer von Menschenhandel und sexueller Ausbeutung besser zu schützen.

Die Regierung in Washington soll "Obszönitätsgesetze" durchsetzen und Produzenten von gewalttätiger Pornografie strafrechtlich verfolgen, verlangen die Bischöfe.

Das berichtet die "Catholic News Agency" (CNA).

"Wir schreiben Ihnen heute, um Sie dringend aufzufordern, sich mit den anhaltenden Schäden der Porno-Industrie auseinanderzusetzen und deren Opfer zu schützen", so die US-amerikanischen Bischöfe in einem Brief vom 30. April an das Justizministerium.

Ein "Obszönitätsgesetz" würde primär die anstößige Darstellung sexueller Inhalte verbieten - also Pornographie.

Darüberhinaus fordern die Bischöfe den Staat auf, gegen  Produzenten pornografischer Inhalte zu ermitteln und eine ganze Reihe politischer Maßnahmen zu ergreifen: Opfer sollen geschützt und gegen die Porno-Industrie rigoros vorgegangen werden.

Die Bischöfe verweisen auch darauf, dass der Pornografie-Konzern "Pornhub" in den vergangenen Monaten Wellen geschlagen hat, weil er Menschen in Ländern, die während der Pandemie von Ausganssperren betroffen waren, kostenlos sogenannte "Premium"-Abonnements anbot.

Nach Angaben des Konzerns ist an den Tagen, an denen diese kostenlosen "Premium-Mitgliedschaften" in Italien, Frankreich und Spanien in Kraft traten, der Verkehr in jedem Land im Vergleich zu einem "durchschnittlichen Tag" um 57%, 38% bzw. 61% gestiegen sei.

Nächstenliebe statt Objektifizierung

Die Bischöfe räumen ein, dass viele Menschen unter der Abschottung und Isolation leiden, und sie schliessen sich dem Aufruf von Papst Franziskus zu Solidarität und Brüderlichkeit in der Krise an.

"Die Pornografie ist das Gegenteil davon. Anstatt unsere Mitmenschen als Brüder und Schwestern zu erkennen und Nächstenliebe zu üben, objektiviert die Pornografie den Menschen - und beutet ihn oft sogar direkt aus. Sie schadet der Gesundheit menschlicher Beziehungen", warnen die Bischöfe.

In den USA haben bereits mindestens 15 Staaten das aktuelle Pornographie-Phänomen als eine öffentlichen Gesundheitskrise eingestuft, so die Hirten weiter.

Da auch die Nachfrage nach extremer Pornografie wächst - in der es zu sexueller Gewalt kommt, warnen die Bischöfe davor, dass eine weitere Verrohung mit verheerenden Folgen Konsequenzen tragen werde, auch mit Blick auf Menschenhandel, Kinderpornografie und andere Formen von Missbrauch.

Porno-Sucht und Scheidungen

Darüber hinaus könne Pornographie eine verheerende Wirkung auf Familien haben, schreiben sie weiter. Pornografie sei ein "schreckliches Vorbild" für junge Menschen, die erst lernen müssen, mit sich und anderen umzugehen.

"Als Seelsorger sehen wir häufig den Schmerz und Schaden, den Pornografie anrichtet", so die Bischöfe.

In mehr als der Hälfte aller Scheidungsverfahren spiele - nach Angaben von Scheidungsanwälten - die Nutzung von Pornografie durch den Ehepartner eine Rolle. 

Im Jahr 2019 erschienen allein bei "Pornhub" mindestens 58 Videos, die den sexuellen Missbrauch und die Vergewaltigung eines 15-jährigen Mädchens zeigen. Das Mädchen war seit einem Jahr vermisst und wurde Berichten zufolge zu einer Abtreibung gezwungen. Ihre Mutter fand sie auf der Website, was schließlich zur Verhaftung ihres Entführers Christopher Johnson, eines 30-jährigen Mannes aus Florida, führte.

Bis zum 5. Mai haben mehr als 862.000 Menschen eine Online-Petition auf change.org unterzeichnet, in der die Schließung von Pornhub gefordert wird. In der Petition wird auch gefordert, dass die Konzern-Führung zur Rechenschaft gezogen wird für ihre mutmaßliche kriminelle Komplizenschaft bei Menschenhandel.

Im November hat der Zahlungsanbieter PayPal die Zahlungsdienste für Pornhub abrupt eingestellt.

Laila Mickelwait, die Verfasserin der Petition und Direktorin von "Abolition for Exodus Cry", einer Gruppe zur Bekämpfung des Menschenhandels, sagte im Februar gegenüber der CNA, dass sie aufgrund der massiven Menge an Inhalten auf Pornhub davon ausgeht, dass es mehr Fälle von sexueller Ausbeutung und Kinderpornografie gibt, als gemeldet werden.

Mickelwait sagte, die Betreiber-Firma von "Pornhub" habe praktisch eine Monopol-Stellung.

"Alle sind sich einig, dass Kinder nicht gehandelt und vergewaltigt werden sollten. Frauen sollten nicht gehandelt und vergewaltigt werden, um Profit zu machen, zum sexuellen Vergnügen von Milliarden von Menschen, die diese Website besuchen. Darüber lässt sich einfach nicht streiten", sagte sie.

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