Bistum Augsburg: Trotz gestiegener Kirchensteuer-Einnahmen 35,6 Millionen Euro Verlust

Basilika St. Ulrich und Afra in Augsburg
Foto: Emkaer / Wikipedia (CC BY-SA 3.0)

Das Bistum Augsburg hat am gestrigen Donnerstag den Jahresabschluss für 2019 vorgelegt. Aus einer Mitteilung des Bistums geht hervor, dass die Kirchensteuereinnahmen um 2,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen seien, dennoch weise die Jahresbilanz - so wörtlich - "zum ersten Mal seit mehreren Jahren wieder einen Fehlbetrag von rund 35,6 Mio. Euro" auf.

Als Grund für die gestiegenen Kirchensteuereinnahmen nannte der Bischöfliche Finanzdirektor Jérôme-Oliver Quella die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung im vergangenen Jahr. Insgesamt hatte das Bistum Augsburg ein Gesamtvolumen von 380 Millionen Euro allein durch die Kirchensteuer eingenommen.

Die Gesamteinnahmen des Bistums zum Stichtag 31.12.19 betragen 788,1 Millionen Euro.

Der Finanzdirektor betont jedoch, dass die Ausgaben deutlich gestiegen seien "in Form von Zuschüssen, Baulasten und Personalkosten". Die Ausgaben übersteigen die Einnahmen von 788,1 Millionen Euro um 35,6 Millionen Euro.

Als Grund führt das Bistum zum einen eine Anpassung der diözesanen Bauzuschussformeln an, wonach "ein einmaliger Ausweiseffekt in der Bilanz in Höhe von 18,3 Millionen Euro" entstanden sei. Zum anderen hätte der anhaltend niedrigere Diskontierungszinssatz weitere 24,7 Millionen Euro "als erforderliche Zuführungen zu den Versorgungsverpflichtungen der Diözese" verschlungen. "Bereinigt um diese beiden Effekte wäre auch heuer das Betriebsergebnis positiv ausgefallen", verteidigt Finanzdirektor die Verlustrechnung.

Neben den Aufwendungszahlungen und der Gewährung von Zuschüssen an Kirchenstiftungen und andere kirchliche Einrichtungen sei ein wesentlicher Punkt in den Ausgaben die Personalkosten des Bistums. Im Jahr 2019 wurde ein Stellenausbau auf 3.041 diözesane Mitarbeiter betrieben, im Jahr 2018 arbeiteten noch 2.996 Menschen für das Bistum. Dazu seien Lohnerhöhungen gekommen und eine Bezuschussung von mehr als 9.000 Planstellen in den rund 1.000 Pfarreien des Bistums.

Insgesamt belaufen sich die Personalkosten auf 248,5 Millionen Euro. 2018 waren es noch 228,4 Millionen. Euro.

Mehr Einnahmen trotz gestiegener Austrittszahlen

Deutschlandweit sind im letzten Jahr die Kirchensteuer-Einnahmen angestiegen, obwohl immer mehr Menschen offiziell aus der Kirche austreten (CNA Deutsch hat berichtet).

Alleine im vergangenen Jahr hat die Kirche in Deutschland 100 Millionen Euro mehr eingenommen als noch im Jahr 2018. Damals waren es offiziell 6,643 Milliarden Euro.

Laut der Broschüre "Katholische Kirche in Deutschland – Zahlen und Fakten 2019/20" erhielt die Kirche im Jahr 2019 insgesamt 6.760.822.900 Euro durch die Kirchensteuer.

Gleichzeitig hatte die Kirche einen neuen Rekord zu verschmerzen: 2019 traten mehr Katholiken aus der Kirche aus als je zuvor, wie CNA Deutsch berichtete. Insgesamt 272.771 Katholiken kehrten 2019 der Kirche in Deutschland den Rücken.

Trotz der vorerst gestiegenen Kirchensteuer-Einnahmen ist die Finanzkraft vieler Diözesen in Deutschland langfristig jedoch gefährdet. So gehen beispielsweise auch das Erzbistum Hamburg und das Bistum Trier mit einem Schuldenberg in das Jahr 2020. Wegen der Corona-Krise werden weitere finanzielle Einbußen erwartet, wie einige Bistümer bereits bestätigten.

Eine ausführliche Analyse zu den Verteilungskämpfen nach der Corona-Pandemie lesen Sie hier.

Das könnte Sie auch interessieren: