China: Pfarrer und Gemeinde verbarrikadieren sich in Kirche, um sie vor Abriss zu schützen

Katholiken knien auf dem Grund und Boden ihrer Pfarrei in Wu Gao Zhang am 31. Oktober 2019
Foto: AsiaNews
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Ein Pfarrer und seine Gemeinde haben sich in einer katholischen Kirche in der chinesischen Provinz Hebei verbarrikadiert. Berichten zufolge versuchen die Katholiken zu verhindern, dass die chinesische Regierung die Kirche niederreißt.

Das berichtet die Nachrichtenseite "AsiaNews".

Der Protest begann am Donnerstagmorgen um 6 Uhr in der Kirche in Wu Gao Zhang, einem Teil des Guantao-Distrikts von Hebei, an der Küste Nordchinas. Beamte haben angeordnet, dass die Kirche abgerissen wird, obwohl sie von der Regierung vollständig anerkannt und genehmigt ist. Laut "AsiaNews" – ein Video wurde dazu veröffentlicht – haben die lokalen Behörden gesagt, dass dem Gebäude eine entsprechende Genehmigung fehle. 

Im September 2017 erließ China strenge neue Vorschriften zur Religion. Seitdem sind die Behörden wachsam bei der Durchsetzung der Genehmigungsauflagen. Kirchen, die sich nicht in Übereinstimmung befinden, werden abgerissen.

Laut "AsiaNews" berichten viele chinesische Katholiken, dass das im vergangenen September geschlossene chinesisch-vatikanische Abkommen – dessen Einzelheiten der Vatikan nach wie vor nicht veröffentlicht hat – dazu beigetragen hat, die Regierung zu ermutigen, Strafmaßnahmen gegen Katholiken zu ergreifen, die nicht zu staatlich anerkannten Kirchen gehörten.

Kommunistische Beamte haben betont, dass "der Vatikan uns unterstützt" und weitere 40 Kirchen zur Zerstörung angewiesen, wird berichtet.

In Rom ist man auf diese Bedenken bislang nicht eingegangen. Papst Franziskus, der sich für das Abkommen persönlich verantwortlicherklärt hat, äußerte sich nicht direkt. Im Mai betet der Pontifex öffentlich für die Christen in China und deren Situation. Im vergangenen Oktober lud er Bischöfe, die der Kommunistischen Partei angehören, zur Jugendsynode nach Rom ein, um sie dort persönlich zu begrüßen. Einer der beiden, Bischof Joseph Guo Jincai, ist auch Abgeordneter im kommunistischen Volkskongress.

Jahrzehntelang war die Kirche in China gespalten zwischen der "Patriotischen Vereinigung", einer staatlichen Kirche unter der Kontrolle der Kommunistischen Partei Chinas, und der Kirche im Untergrund, die in voller Gemeinschaft mit dem Heiligen Stuhl stand. Die Vereinbarung von 2018 sollte die beiden kirchlichen Gemeinschaften vereinen helfen – obwohl mehrere Berichte aus China darauf hindeuteten, dass Priester und Laien, die sich weigern, in staatlich streng kontrollierten Kirchen die Messe zu besuchen, einer verstärkten Verfolgung ausgesetzt sind.

In den Provinzen Jiangxi und Fujian in Ostchina wurden Priester, die sich weigerten, Vereinbarungen zu unterzeichnen, die sie an die Vorschriften der Regierung binden, aus ihren Häusern vertrieben, und ihre Kirchen wurden geschlossen. Die chinesische Regierung hat Priestern verboten, zu reisen, und viele wurden gezwungen, abzutauchen.

Im Juli und August wurden mindestens fünf katholische Kirchen in der Diözese Yujiang von der Regierung gewaltsam geschlossen, weil die Gemeinden sich weigerten, der kommunistischen "Patriotischen Kirche" beizutreten. Mitte August drohten Regierungsbeamte damit, einen Untergrund-Priester festzunehmen und allen Katholiken in der Stadt Yingtan grundlegende staatliche Subventionen zu entziehen, nachdem ihre Gemeinde sich geweigert hatte, der Staatskirche beizutreten.

"Die Regierung setzt Spione in den Staatskirchen ein, um besonders zu überwachen, was Priester in ihren Predigten sagen und welche Aktivitäten sie durchführen", berichtete ein Priester aus Yujiang dem Magazin "Bitter Winter". Die chinesische Regierung überwacht die täglichen Aktivitäten der kontrollierten Priester, ihre Reisen.

"Im Grunde weiß der Staat alles über die Priester", fügte er hinzu.

Die chinesische Verfolgung religiöser Minderheiten ist Mittelpunkt einer nachhaltigen internationalen Überprüfung. Das Land hat Berichten zufolge Millionen von uigurischen Muslimen inhaftiert und führende Menschenrechtsgruppen haben der UN berichtet, dass politische Dissidenten und inhaftierte religiöse Minderheiten einer Organentnahme für den Organhandel des Landes unterzogen wurden.

Im September wurde gemeldet, dass Kirchen, die zur protestantischen, staatlich kontrollierten "Drei-Selbst-Bewegung" gehören, angewiesen wurden, die Darstellung der Zehn Gebote durch Aussagen des chinesischen Präsidenten Xi Jinping zu ersetzen.

Auslöser war offenbar eine Anweisung, das Erste Gebot zu entfernen: Der "Präsident auf Lebenszeit" Xi Jinping sei nicht einverstanden mit dessen Aussage "Ich bin der Herr dein Gott. Du sollst nicht andere Götter haben neben mir".

Berichte deuten darauf hin, dass diejenigen, die sich geweigert haben, eines oder alle der zehn Gebote zu entfernen, inhaftiert wurden. Außerdem wurden Pastoren wie Gläubige von Beamten schikaniert und bedrängt.

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