Deutsches Symposium in Rom: "Familie – Keimzelle der Gesellschaft und Kirche im Kleinen"

Am 10. Juni 2022 fand in Rom ein Symposium zum Thema "Familie – Keimzelle der Gesellschaft und Kirche im Kleinen" statt. Als Redner waren eingeladen (v.l.n.r.): Stephan Kampowski, Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz, Birgit Kelle und Bischof Wolfgang Ipolt (Bistum Görlitz).
Foto: CNA Deutsch / Rudolf Gehrig
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Am Vorabend des internationalen Weltfamilientreffens fand in Rom am Freitag ein Symposium unter dem Titel statt "Familie – Keimzelle der Gesellschaft und Kirche im Kleinen". Bei der Veranstaltung im Patristischen Institut Augustinianum traten neben der Religionsphilosophin Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz auch die Journalistin Birgit Kelle, der Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt und der Professor für Anthropologie, Stephan Kampowski, als Referenten auf.

Das Symposium wurde von der "Societas Theologiae Ecclesiasticae" (STE) organisiert, die zum deutschen Verein "Fundation Christiana Virtus e.V." gehört.

Die STE weiß sich nach eigenen Angaben "der objektiven Dimension der Theologie verpflichtet; ihr Bezugspunkt ist die in Jesus Christus geoffenbarte Wahrheit (Joh 14,6). Sie wird durch Schrift und Tradition erkennbar, durch das authentische Lehramt ausgelegt und von der Theologie ergründet".

Der katholische Fernsehsender EWTN.TV übertrug die Veranstaltung live, die Aufzeichnung des Symposiums ist online abrufbar.

Kampowski: "Sexualität und Fruchtbarkeit gehören zusammen" 

Im ersten Beitrag sprach der Anthropologe Stephan Kampowski über die Familie als "Plan Gottes". Die Erfahrung der Ehe und Familie sei, so Kampowski, so tief in der Menschheit verankert, "dass man sich fragen muss, wie es dazu kommen konnte, dass eine derart fundamentale Wirklichkeit in vielen Gesellschaften der heutigen Zeit nicht mehr in ihrem Wesen wahrgenommen wird und die Gesetzgebung und Rechtsprechung willkürlich die Namen „Ehe' und 'Familie' anderen Beziehungsarten gibt, die an sich nichts mit Ehe und Familie im überlieferten Wortgebrauch zu tun haben".

Das Hauptmerkmal der sexuellen Revolution sei "die grundlegende Trennung von Sexualität und Fruchtbarkeit", analysierte der Professor. "Können solche Arten steriler Verbindungen – ob sie nun aus Mann und Frau, aus Mann und Mann oder Frau und Frau oder auch aus mehr als zwei Partnern besteht – dem Plan Gottes entsprechen", fragte Kampowski weiter und resümierte schließlich:

"Daher kann nur diejenige Familie nach seinem Plan sein, die die Zukunft der Gesellschaft und der Kirche garantiert, und da kann es nur eine geben, nämlich die, die sich von ihrer Struktur her und ihrem Wesen nach ganz in den Dienst des Lebens stellt."

Gerl-Falkovitz: "Zum Glück verschieden"

Die Religionsphilosophin Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz analysierte in ihrem Vortrag unter dem Titel "Zum Glück verschieden: Mann – Frau – Kind" die Unterschiedlichkeit der verschiedenen Geschlechter.

Mann und Frau bilden "Leitplanken der Liebe", so die Philosophin, das in diesem geschützten Umfeld "gezeugte, nicht gemachte" Kind werde letztlich zum Ausdruck dieser Liebe.

Der Zusammenschluss in der Familie sei keine Selbstaufgabe, unterstrich Gerl-Falkovitz. Vielmehr werde der Mann "nur an der Frau zum Mann und zum Vater; die Frau nur am Mann zur Frau und zur Mutter". Die Wissenschaftlerin ergänzte: "Dauer meint Treue, und Treue meint wegen der Wucht und Einzigartigkeit des Liebeserlebnisses sowie der Zeugung und Geburt Ausschließlichkeit".

Wörtlich fügte Hanna-Barbara Gerl-Falkovitz hinzu:

"Die Frau löst sich nicht selbst aus dem Einen, Ganzen, sie wird gelöst. Sie wird dem Mann göttlich zugeführt, sie ist letzte Gabe göttlicher Kraft an ihn wie er damit umgekehrt an sie; beider Lösung, beider Zusammenführen ist das ultimative Ereignis der Schöpfung. Es ist Tun eines Gottes. Tun eines Ursprungs, der nichts 'noch Besseres' kennt. Er setzt nicht Vorrang des einen vor dem anderen, er setzt aber den Gabecharakter der Frau an den Mann."

Birgit Kelle: "Familie in Europa zwischen Auflösung und Zukunft"

In ihrem Vortrag über die Zukunft der Familie in Europa kritisierte die Publizistin Birgit Kelle die Vorstöße von Regierungen, den Familienbegriff auszuhöhlen. Kelle zeichnete die Bestrebungen der Europäischen Union nach, durch LGBTI-Kampagnen, die Forcierung sogenannter "Kinderrechte" und die Versuche, die Erziehungsaufgaben dem Staat zu übertragen. Kelle wörtlich:

"Sexuelle Rechte. Kinderrechte. Frauenrechte. Reproduktive Rechte. Sie alle haben gemeinsam, was wir heute in einer überbordenden Identitätspolitik bereits zu spüren bekommen: Wir reden zwar von individueller Vielfalt, diese wird aber seltsamer Weise erst durch die Zugehörigkeit zur vermeintlich richtigen Gruppe verwirklicht. Die Gruppe der 'alten weißen Männer' ist dabei der Verlierer der Stunde. Jene mit exotischen sexuellen Präferenzen sind hingegen Gewinner des Zeitgeistes. Man muss wieder zur richtigen Gruppe gehören, um oben mitspielen zu dürfen. Manche sind eben doch gleicher unter Gleichen."

Die Journalistin beklagte dabei, dass die Familie als Kollektiv von der Politik außer Acht gelassen werde. In einem "Entwurzelungsprogramm" werde nicht nur das Abstammungsrecht verwässert, sondern auch das Kind zu einem "kaufbaren Objekt" degradiert. Birgit Kelle sagte:

"Die Unterstützung der traditionellen Kleinfamilie muss gar nicht neu begründet werden, sie muss nur wieder in ihrem Wert in Erinnerung gerufen sein. Nicht als Bewahrung des Alten, sondern zur Bewahrung des Neuen. Denn auch die Moderne wird kein Bestand haben, wenn wir ihre demographischen und finanziellen Grundpfeiler zerschlagen. Und das ist und bleibt die Familie."

Bischof Ipolt: "Verschleudert diesen kostbaren Schatz nicht"

Der Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt sprach als letztes beim Familien-Symposium. Thema seines Beitrags war die Familienseelsorge, die nach Ansicht des Bischofs eine größere Priorität in der Verkündigung der Kirche haben müsse. "Es gehört zum seelsorglichen Auftrag jedes Mitarbeiters der Kirche, dies zu sehen und zu würdigen", so Ipolt. Der Dienst der Priester und hauptamtlichen von der Kirche beauftragten Seelsorger bestehe gerade darin, "die Familien – Eheleute und Kinder - zu bestärken und zu ermächtigen, ihren Glauben zu leben und ihn in der Familie zu praktizieren".

Priester seien bei der Seelsorge von Familien viel häufiger gar "Nehmende" als "Gebende", da sich beide Seiten gegenseitig befruchten könnten. Bischof Ipolt wörtlich:

"Wir wissen, dass es heute einer neuen Wertschätzung beider Berufungen dringend bedarf und dass die Kirche – das zeigen uns manche Debatten auf dem 'Synodalen Weg' in Deutschland – wieder lernen muss, diesen kostbaren Schatz nicht zu verschleudern, sondern ihn zuversichtlich in ihrer Verkündigung und Pastoral anzubieten."

Das Weltfamilientreffen in Rom

Das insgesamt 10. Weltfamilientreffen findet in zwei Wochen vom 22. bis 26. Juni in Rom statt. Es steht unter dem Motto "Familienliebe: Berufung und Weg zur Heiligkeit" und soll das Jahr der Familie beschließen, das im vergangenen Jahr (19. März 2021) begonnen hat (lesen Sie hier eine Analyse von CNA Deutsch zum bevorstehenden Weltfamilientreffen). 

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