Kardinalstaatssekretär Parolin mahnt bei Deutschlandbesuch zur Einheit mit Weltkirche

Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin (li.) und der Apostolische Nuntius von Deutschland, Nikola Eterovic, vor dem Brandenburger Tor in Berlin.
Foto: Deutsche Bischofskonferenz / Matthias Kopp

Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin hat bei seinem Deutschlandbesuch anlässlich des 100-jährigen Bestehens diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und dem Heiligen Stuhl dazu aufgerufen, die Einheit mit der Weltkirche zu wahren.

Während der Heiligen Messe zum Hochfest "Peter und Paul" in der Sankt-Johannes-Basilika in Berlin erinnerte Parolin am Dienstag die anwesenden Bischöfe - darunter auch Kardinal Reinhard Marx, Kardinal Rainer Maria Woelki sowie Bischof Georg Bätzing - an das vor zwei Jahren veröffentlichte Schreiben von Papst Franziskus an die Katholiken in Deutschland.

"Vor allen Visionen und einzelnen Bedürfnissen muss die Gemeinschaft Vorrang haben", so Parolin. Im Hinblick auf die oft zitierte "Synodalität" der Kirche, unterstrich der Kardinalstaatssekretär seine Mahnung an die deutschen Katholiken mit einem Zitat des Heiligen Vaters:

"Das ist ein Weg, der im Hören auf den Bischof von Rom gipfelt, der berufen ist, als Hirte und Lehrer aller Christen zu sprechen."

Die Sorge um die Lage der Kirche in Deutschland überschattete den Besuch des Staatssekretärs, war jedoch nicht der historische Horizont der diplomatischen Veranstaltungen rund um den Jahrestag.

Parolin: Wichtigen Beitrag von Johannes Paul II. zur deutschen Einheit nicht vergessen

Bei der Messe in der Sankt-Johannes-Basilika verwies Kardinalstaatssekretär Parolin am Dienstag auf das Vorbild der Apostelfürsten Petrus und Paulus. Beide hätten gezeigt, dass "ein tiefgreifender Unterschied im Charakter (...) auch zu angeregten Auseinandersetzungen führte". Letztlich hätten diese "markanten Unterschiede" allerdings auch eine noch tiefere Einheit erzeugt.

Wörtlich sagte Parolin weiter:

"Es ist in der Tat wichtig, sich wieder auf eine Einheit zu besinnen, die nicht von der Zustimmung zu gemeinsamen Visionen und Orientierungen abhängt, wie in der Politik üblich, sondern von der theologisch-spirituellen Verwurzelung in Gott."

Gestern nahm der Vatikan-Gesandte auch an einem wissenschaftlichen Symposium in der Apostolischen Nuntiatur in Berlin teil, bei dem der 100 Jahre diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und dem Heiligen Stuhl nachgedacht wurde.

"Wie könnten wir hier in Berlin den großen Beitrag des heiligen Papstes Johannes Paul II. zum Fall der 'Berliner Mauer' vergessen, die zu Recht 'Mauer der Schande' genannt wird", so Parolin in seinem Beitrag bei der Veranstaltung, an der auch Außenminister Heiko Maas (SPD) teilnahm. 

"Sogar viele Agnostiker und Nichtglaubende haben den Fall der Mauer als ein 'Wunder' definiert, das nicht zufällig während des Pontifikats des ersten slawischen Papstes in der Geschichte geschah, der von Anfang an glaubte und verkündete, dass ein solches Wunder möglich sei", führte der Kardinal weiter aus.

Parolin rief die zivilen und politischen Autoritäten der Bundesrepublik Deutschland auf, in ihrem Bemühen um das Gemeinwohl niemals nachzulassen und ihre Anstrengungen zum Schutz der Menschenwürde, einschließlich der "transzendenten" Würde, zu vervielfachen, weil nur so das Gut des Friedens gesichert werden könne. Auch würdigte Parolin "die großen Anstrengungen der Regierung, Migranten willkommen zu heißen und zu integrieren". 

Wiederholte Mahnungen zur Einheit

Mit seinen Mahnungen zur Einheit stieß Parolin bei seinem Deutschlandbesuch in das gleiche Horn wie zuvor schon wiederholt der Pontifex selbst, aber auch sein Apostolischer Nuntius in Berlin, Nicola Eterovic. Schon bei der Herbstvollversammlung der deutschen Bischofskonferenz im September 2019 in Fulda hatte Eterovic betont, dass Franziskus "Brief an das pilgernde Volk Gottes in Deutschland" von historischer Bedeutung sei (CNA Deutsch hatte berichtet).

Eterovic erinnerte an ein anderes historisches Schreiben eines Papstes: Die Enzyklika Mit Brennender Sorge. Dennoch gebe es einen großen Unterschied zwischen beiden Schreiben, so der Nuntius:

"Die Enzyklika vom 14. März 1937 prangert die unzulässigen Eingriffe des nationalsozialistischen Regimes in die Angelegenheiten der Katholischen Kirche an, während das aktuelle Schreiben innerkirchliche Themen aufgreift."

Für die Wirksamkeit der Evangelisierung sei die Einheit zwischen Universalkirche und Teilkirchen wesentlich, betonte Eterovic. "Aus den Worten des obersten Pontifex folgt klar und deutlich, dass die Finalität des Synodalen Weges die Evangelisierung sein muss", so der Papst-Gesandte weiter. Wörtlich:

"Es ist besonders in diesen Zeiten "starker Fragmentierung und Polarisierung sicherzustellen, dass der Sensus Ecclesiae auch tatsächlich in jeder Entscheidung lebt, die wir treffen, und der alle Ebenen nährt und durchdringt. Es geht um das Leben und das Empfinden mit der Kirche und in der Kirche, das uns in nicht wenigen Situationen auch Leiden in der Kirche und an der Kirche verursachen wird."

Schon seit Beginn des "Synodalen Weges", der von Befürwortern als "Reformprozess" beschrieben wird, häufen sich von Experten und ranghohen Kirchenvertretern die Warnungen, dieser könne letztlich zu einer Abkehr von der katholischen Lehre, und somit zu einer Abspaltung der Kirche in Deutschland von der Weltkirche führen. 

Einige Initiatoren der umstrittenen Veranstaltung haben die Sorge vor einem möglichen "deutschen Sonderweg" mehrfach zurückgewiesen.

Die Theologin Katharina Westerhorstmann hat vorgeschlagen, den umstrittenen "Synodalen Weg" in Deutschland zugunsten der von Papst Franziskus ankündigten Weltsynode vorerst auszusetzen. Dann mahnte sie an, dass der deutsche Prozess generell noch stärker auf Jesus Christus ausgerichtet sein müsse

Der Vorsitzende der italienischen Bischofskonferenz, Kardinal Gualtiero Bassetti, hat indessen erklärt, dass der italienische synodale Prozess nicht vergleichbar mit dem deutschen "Synodalen Weg" sei. Die Worte des italienischen Kardinals folgten der scharfen Kritik von Kardinal Vinko Puljić, dem Erzbischof von Sarajevo, an den "exotischen Ideen" des deutschen "Synodalen Wegs" – sowie der äußerst scharfen Kritik der amerikanischen Erzbischöfe Samuel Aquila von Denver und Salvatore Cordileone von San Francisco.

Bereits früher hatten sich Kardinal George Pell, aber auch der italienische Kardinal Camillo Ruini, der englische Bischof Philip Egan von Portsmouth und der spanische Bischof José Ignacio Munilla Aguirre von San Sebastián der wachsenden Zahl von Kirchenvertretern und prominenten Theologen angeschlossen, die sich besorgt über den "Synodalen Weg" und andere Vorgänge in Deutschlands Diözesen zu Wort gemeldet haben.

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