Missbrauch: Bundeskonferenz der Präventionsbeauftragten veröffentlicht Positionspapier

Bischof Stephan Ackermann von Trier
Foto: Raimond Spekking / Wikimedia (CC BY-SA 4.0)

Die Bundeskonferenz der Präventionsbeauftragten der deutschen Bistümer hat zum ersten Mal ein Positionspapier (hier online) erarbeitet und einstimmig am 20. Januar 2021 verabschiedet. Es soll über das "wechselseitige Verhältnis von Prävention sexualisierter Gewalt zu Sexualerziehung und -bildung" aufklären und wurde bereits intern beim sogenannten "Synodalen Weg" im Synodalforum "Leben in gelingenden Beziehungen" vorgelegt.

Bischof Stephan Ackermann, der Beauftragte der deutschen Bischofskonferenz für Fragen des sexuellen Missbrauchs im kirchlichen Bereich und für Fragen des Kinder- und Jugendschutzes, begrüßt nach eigenen Angaben das Anliegen, "eine vertiefte Debatte zum Verhältnis von sexueller Bildung und Präventionsarbeit anzuregen". Wörtlich sagte der Trierer Bischof in einer Mitteilung am heutigen Mittwoch:

"Seit über zehn Jahren engagiert sich die katholische Kirche in Deutschland intensiv in der Prävention gegen sexuelle Gewalt. Ich bin froh, dass die Präventionsbeauftragten der Bistümer mit diesem Papier auf die wichtige Verbindung von Präventionsarbeit und sexueller Bildung hinweisen und erhoffe mir von der weiteren Beschäftigung mit dem Thema wichtige Erkenntnisse."

Die Bundeskonferenz der Präventionsbeauftragten möchte sich nach eigenen Angaben nun verstärkt "in die Debatte einbringen, wie sich die Prävention sexualisierter Gewalt und sexuelle Bildung zueinander verhalten".

Mit Blick auf die Katholische Kirche sei oft der Mangel an qualifizierter Sexualpädagogik in vielen ihrer Einrichtungen kritisiert worden, heißt es in der Begründung für diesen Schritt. Fachleute hätten dies als Risikofaktor für die Entstehung sexueller Gewalt gewertet.

" Machtbeziehungen und Sexualität"

Bereits in der überarbeiteten Rahmenordnung "Prävention gegen sexualisierte Gewalt an Minderjährigen und schutz- oder hilfebedürftigen Erwachsenen im Bereich der deutschen Bischofskonferenz", die die deutschen Bischöfe 2019 verabschiedet haben, wurde festgelegt, dass alle pädagogischen Einrichtungen eine Sexualpädagogik vermitteln sollen, die "Selbstbestimmung und Selbstschutz" stärkt. 

"Wir haben die Schnittstelle von Prävention und sexueller Bildung herausgearbeitet", sagt Ann-Kathrin Kahle vom Arbeitskreis der Bundeskonferenz Prävention, in dem das Positionspapier erarbeitet wurde. "Damit beschreiben wir das Zusammenspiel beider Fachbereiche, wovon wiederum beide profitieren sollen." Erfolgreiche Prävention müsse das "Recht auf Sexualität" und auf "Schutz vor sexualisierter Gewalt" gleichermaßen beinhalten, so Kahle.

Laut dem veröffentlichten Positionspapier soll daher besonders die "Verbindungsstelle von Machtbeziehungen und Sexualität" untersucht werden. Unter dem Abschnitt "Grundannahmen zu Sexualität und Gewalt sowie Macht und Aggression" wird dargelegt, dass nach Ansicht der Verfasser Sexualität "geformt wird von dem erlernten Umgang mit Machtbeziehungen, und ihrerseits eine Weise des Umgehens mit Machtbeziehungen trainiert". Erst "gleichberechtigte Sexualität" könne eine "partizipative Sicht auf Machtbeziehungen und das Bewusstsein eigener Rechte stärken". Wörtlich heißt es:

"In einem autoritären Umfeld würde hingegen Sexualität darauf eingeschränkt als Feld von Eroberung, Unterwerfung oder Beherrschung zu dienen. Die gegebenenfalls gewalttätige Beherrschung eigener Bedürfnisse kann dabei spiegelbildlich zur gewalttätigen Beherrschung eines anderen Menschen im Rahmen sexualisierter Gewalt gesehen werden."

Insgesamt erhofft sich die Bundeskonferenz der Präventionsbeauftragten konkrete Nachbesserungen und die Erarbeitung von "institutionellen Schutzkonzepten". Dabei sollen in Präventionsschulungen auch "didaktisch-methodische Hinweise zur sexuellen Bildung" in den Blick genommen werden. "Bei umfangreicheren Präventionsschulungen sollte die präventive Wirkung von Maßnahmen zur sexuellen Bildung aufgezeigt werden und eine Auseinandersetzung mit der Konstruktion des Begriffs 'Sexualität' erfolgen", heißt eine der Empfehlungen. Ebenso könnten "Vertiefungsschulungen" ein geeigneter Ort für eine weitere Auseinandersetzung mit dem Thema sexuelle Bildung sein.

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