Neue Kontroverse um "Synodalen Weg": Nuntius weist Vorwürfe von ZdK-Funktionärin zurück

Erzbischof Nikola Eterovic, Nuntius von Deutschland, im Interview mit EWTN-Redakteur Robert Rauhut am Rande der Beisetzung von Joachim Kardinal Meisner im Kölner Dom am 15. Juli 2017.
Foto: EWTN.TV

Die Apostolische Nuntiatur in Berlin hat auf die Vorwürfe der scheidenden Vizepräsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Karin Kortmann, gegen den Botschafter von Papst Franziskus und den Vatikan reagiert. Kortmann hatte Anfang der Woche dem Apostolischen Nuntius von Deutschland, Erzbischof Nikola Eterovic, vorgeworfen, sich nicht am "dialogischen Prinzip" des deutschen "Synodalen Weges" zu beteiligen. Auch dem Vatikan warf die ZdK-Funktionärin und SPD-Politikerin öffentlich vor, dass es immer noch "kein Gesprächsangebot" gebe.

Gleichzeitig wächst die Sorge um die umstrittene Debattenveranstaltung von ZdK und Bischofskonferenz. Die Initiative "Pontifex" sowie die Bischöfe von Regensburg und Augsburg übten deutliche Kritik am "Synodalen Weg" und der jüngsten Versammlung in Frankfurt.

Kortmann: "Kein Gesprächsangebot aus Rom"

In einem Interview mit dem Kölner "Domradio" hatte Karin Kortmann am Montag gesagt, dass offizielle Vertreter des deutschen "Synodalen Weges" wiederholt um ein Gespräch mit Vertretern der Führungsriege von Papst Franziskus gebeten hätten, aber keine Antwort erfolgt sei. Die ZdK-Funktionärin und studierte Sozialpädagogin wörtlich: 

"Das ist bisher nie aufgegriffen worden. Der Nuntius sitzt bei uns bei den Synodalversammlungen hörend dabei, gibt keine Wortmeldung ab. Ein dialogisches Prinzip ist etwas anderes."

Erst bei der zweiten Synodalversammlung in Frankurt (30. September bis 2. Oktober 2021) hatte Kortmann die Forderung gestellt, dass Rom der Bitte nach einem Gespräch "endlich" nachkommen solle. Dass dies immer noch nicht erfolgt sei, empfinde sie als eine "brüske Zurückweisung", so die Gremien-Vertreterin bei der Veranstaltung in Frankfurt.

"...mit brennender Sorge"

Im "Domradio"-Interview sagte Kortmann wörtlich, dass sie hoffe, "dass Papst Franziskus verstanden hat, dass es nicht nur um nette Treffen geht, sondern dass hier mit brennender Sorge darauf geschaut wird, dass die Kirche so in eine Sackgasse läuft, in der sie auch keine gesellschaftspolitische Bedeutung mehr hat und die Gläubigen sich verschnupft und auch enttäuscht von diesem Machtapparat abwenden, der doch so viel Gestaltungsmöglichkeiten hätte und den wir so dringend sowohl in der Kirche, wie aber auch in der Gesellschaft benötigen."

Die Formulierung Kortmanns "mit brennender Sorge" erinnerte viele Katholiken an die berühmte, gleichnamige Enzyklika von Papst Pius XI. Mit brennender Sorge, die am 14. März 1937 unterzeichnet wurde und in der der damalige Pontifex die Deutschen vor den Gefahren des Nationalsozialismus warnte.

Was Kortmann nicht erwähnte: Bei der Herbstvollversammlung der deutschen Bischofskonferenz Ende September 2019, also kurz vor Beginn des "Synodalen Weges", hatte der ebenfalls anwesende Nuntius Nikola Eterovic die Bischöfe ebenfalls an diese Enzyklika erinnert (CNA Deutsch hat berichtet).

Eterovic zog damals eine Parallele zum Schreiben von Papst Franziskus "An das pilgernde Volk Gottes in Deutschland". "Es ist tatsächlich das erste Mal nach der Enzyklika Pius‘ XI. Mit brennender Sorge, dass der Papst den Gliedern der katholischen Kirche in Deutschland ein eigenes Schreiben widmet", so der Nuntius. "Die Enzyklika vom 14. März 1937 prangert die unzulässigen Eingriffe des nationalsozialistischen Regimes in die Angelegenheiten der Katholischen Kirche an, während das aktuelle Schreiben innerkirchliche Themen aufgreift."

"Aus den Worten des obersten Pontifex folgt klar und deutlich, dass die Finalität des Synodalen Weges die Evangelisierung sein muss", so Eterovic in seinem Grußwort weiter. Für die Wirksamkeit der Evangelisierung sei die Einheit zwischen Universalkirche und Teilkirchen wesentlich.

Nuntius Eterovic: "Ein dialogisches Prinzip ist tatsächlich etwas anderes"

Auf Nachfrage des "Internetportal[s] der katholischen Kirche in Deutschland", "katholisch.de", wies die Nuntiatur in der Berlin am Dienstag die Vorwürfe der noch amtierenden ZdK-Vizepräsidentin klar zürück. Nuntius Nikola Eterovic habe "die Möglichkeiten zum Gespräch genutzt und seine Bereitschaft zum Dialog ist unbestreitbar", zitiert das Portal die Mitteilung aus Berlin.

Zur Synodalität gehöre "auch das aufmerksame und achtsame Zuhören", heißt es in der Antwort weiter. Diese habe auch Papst Franziskus immer wieder betont. In Hinblick auf Karin Kortmanns Äußerungen ließ die Nuntiatur verlauten:

"Wer Dialog als Verantwortliche für den Synodalen Weg einfordert, sollte auch für deren Möglichkeit sorgen."

Eterovic sei nämlich – übrigens durch den Beschluss der Verantwortlichen des "Synodalen Weges – lediglich Beobachter und habe damit in der Synodalversammlung weder Sitz noch Stimme, unterstrich die Nuntiatur. Und wörtlich teilte die Vertretung von Papst Franziskus weiter mit: "Ein dialogisches Prinzip ist also tatsächlich etwas anderes."

Ob die Vorwürfe Karin Kortmanns, die nun auf das ZdK und die Verantwortlichen des "Synodalen Wegs" zurückfallen, glaubwürdig waren – und einem Dialog mit Papst Franziskus und dem Vatikan zuträglich sein werden: Das bezweifelten Beobachter gegenüber CNA Deutsch am 13. Oktober. Zudem wächst auch in Deutschland die Kritik an der kontroversen Veranstaltung.

Weitere Vorwürfe gegen "Synodalen Weg"

Am heutigen Mittwoch hatdas von jungen Katholiken geführte Mediennetzwerk "Pontifex" ihre bereits in der Vergangenheit mehrfach geäußerte Kritik am "Synodalen Weg" bekräftigt. In der heute veröffentlichten Pressemitteilung heißt es:

"Die vergangene Sitzung des Synodalen Weges in Frankfurt hat wieder eindrücklich vor Augen geführt, dass dort kein gemeinsames Lernen von Gott und den Menschen geschieht. Vielmehr entpuppt sich der gesamte Synodale Weg immer mehr als rein kirchenpolitisch motivierte und orientierte Veranstaltung. Für uns junge Katholiken verliert er damit endgültig jede Glaubwürdigkeit."

Die Initiative betont, als junge Christen wisse man: "WIR sind es, die sich ändern müssen, nicht die göttliche Lehre – dann können wir das Leben in Fülle erfahren."

In einem vielbeachteten Interview mit der "Neuen Zürcher Zeitung" (NZZ) hatte der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer zudem erneut vor einer "Intrumentalisierung des Missbrauchs" gewarnt. Wörtlich sagte Voderholzer:

"Ich denke an bestimmte Kreise, die schon seit längerem eine Umstrukturierung der katholischen Kirche nach dem Modell evangelischer Kirchenverfassungen planen. Synodale Gremien sollen von Beratungs- zu Beschlussgremien umgewandelt werden. Vertreter des Zentralkomitees der deutschen Katholiken tun sich da ebenso hervor wie einige Bischöfe."

Zuletzt hatte auch der Augsburger Bischof Bertram Meier mit deutlichen Worten vor "nationalen Sonderwegen" gewarnt (CNA Deutsch hat berichtet). In seiner Sonntagspredigt am 10. Oktober im Augsburger Dom unterstrich Meier, dass er "mit Sorge" auf den "Synodalen Weg" blicke.

"Am deutschen Wesen wird die Weltkirche sicher nicht genesen. Seien wir ehrlich: Die Pandemie hat gezeigt, was die Menschen wirklich von der Kirche erwarten: Begleitung, Nähe und Trost. Das dürfen wir ihnen nicht vorenthalten", mahnte Meier mit Blick auf den seit Jahren umstrittenen "Synodalen Weg" in Deutschland. Wörtlich:

"Wir alle dürfen nicht schlafen, um uns dann beim Erwachen verdutzt die Augen zu reiben, weil sich die katholische Kirche auf dem Synodalen Weg in eine de facto evangelische Landeskirche transformiert hat".

Bischof Meier rief stattdessen dazu auf, "für Jesus und seine Frohe Botschaft" zu kämpfen. "Setzen wir uns für das Grundgesetz, die Verfassung der katholischen Kirche, ein: die Sakramentalität als Zeichen und Werkzeug des Heils".

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