Synodalversammlung abrupt zu Ende gegangen - "Synodaler Weg" wird bis 2023 verlängert

Der "Synodale Weg" hat am 1. Dezember 2019 begonnen.
Foto: Rudolf Gehrig / CNA Deutsch

Der "Synodale Weg" geht erneut in die Verlängerung. Dies teilten der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, und der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, bei der zweiten Synodalversammlung in Frankfurt mit, die am heutigen Samstag zu Ende gegangen ist.

Der "Synodale Weg", der am 1. Dezember 2019 mit dem Entzünden der Synodalkerze begonnen hatte und wegen der Coronavirus-Pandemie schon einmal verlängert wurde, wird somit auf die Gesamtdauer von über drei Jahren ausgedehnt.

Am Samstagnachmittag mussten die Beratungen gegen 15:15 Uhr abgebrochen werden, weil keine Beschlussfähigkeit mehr festgestellt wurde. Die erforderliche Zweidrittel-Mehrheit von 154 Anwesenden wurde um genau fünf Personen verfehlt. Zuvor hatte Bischof Bätzing den Geschäftsordnungsantrag gestellt, die Beschlussfähigkeit überprüfen zu lassen, weil viele Teilnehmer die Versammlung bereits verlassen hatten.

Bätzings Fazit: "Sind überraschend weit gekommen"

In der Pressekonferenz zum Abschluss des "Synodalen Weges" erklärte Bätzing, dass er es im Vorfeld nicht zu hoffen gewagt hätte, "was wir letztlich hier erreicht haben." Man habe zwar nicht das "ganze Arbeitspensum" geschafft.

Diese Versammlung "stand unter einer hohen emotionalen Anspannung". Daran seien auch "die Entscheidungen, beziehungsweise Nicht-Entscheidungen aus Rom" schuld gewesen, behauptet der Limburger Bischof und spielte damit unter anderem auf die nicht angenommenen Rücktrittsangebote der beiden Erzbischöfe Stefan Heße (Erzbistum Hamburg) und von Kardinal Rainer Maria Woelki (Erzbistum Köln) an.

Bischof Franz-Josef Bode sagte auf der Pressekonferenz im Rückblick, er habe es als eine "Sternstunde" empfunden, dass der Grundtext des Synodalforums, das die Sexualmoral der Kirche abändern will, angenommen wurde.

Die ZdK-Funktionärin Karin Kortmann wiederholte im Pressegespräch ihre Forderung an den Apostolischen Nuntius von Deutschland, Nikola Eterovic, dass Rom der Bitte nach einem Gespräch endlich nachkommen soll. Dass dies immer noch nicht erfolgt sei, empfinde sie als eine "brüske Zurückweisung".

Der "Synodale Weg" dauert bis 2023 - Stand jetzt

"Wir haben darüber abgestimmt, zumindest das erweiterte Präsidium darüber informiert", begründete Bischof Bätzing (Bistum Limburg) die Entscheidung. Man habe gestern Abend "im Präsidium zusammengesessen" und sich dann zu einer Verlängerung entschlossen.

Bätzing räumte ein, dass der Aachener Bischof Helmut Dieser schon abgereist sei. Er gehe davon aus, so Bätzing, dass Bischof Dieser diese Entscheidung jedoch mittragen werde. 

"Der Druck ist hoch, wir brauchen etwas Luft und Zeitraum", erklärte der Limburger Bischof. Diese Zeit brauche es, um sich "zwecklos, nicht sinnlos, untereinander auszutauschen". Die beiden Initiatoren des "Synodalen Weges" – die deutsche Bischofskonferenz und das ZdK – sollen sich laut Bätzing nun untereinander über die Entscheidung zur Verlängerung "auch noch einmal verständigen".

ZdK-Präsident Thomas Sternberg (CDU) unterstrich die Notwendigkeit einer Verlängerung des "Synodalen Weges". Dies sei keine "Ansage einer Katastrophe, eines Problems". Im Gegenteil, betonte der Funktionär. Wörtlich:

"Es läuft ganz erstaunlich gut, es klappt hervorragend, auch mit den Abstimmungen. Es klappt mit der Disziplin, den Redezeiten, es klappt sehr gut mit dem gegenseitigen Respekt, auch bei sehr unterschiedlichen Ansichten. Das ist alles wunderbar."

Allerdings sei "die Zeit sehr begrenzt", ergänzte Sternberg. Um "wirklich mit den Texten durchzukommen", werde man deshalb eine fünfte Synodalversammlung einrichten, die Ende Januar / Anfang Februar 2023 beginnen soll. "Wir werden es sonst nicht schaffen", so der noch amtierende ZdK-Präsident.

CNA Deutsch hatte gestern von einigen Problemen – technischer wie inhaltlicher Art – bei der Synodalversammlung berichtet und von einem "Stotterstart" gesprochen. Auch über das Untereinander der Synodalen sind einige Teilnehmer anderer Meinung als der scheidende ZdK-Präsident.

Bätzing: "Niemand will das Priesteramt abschaffen"

Heftige Kontroversen hat unter anderem der Beschluss der Synodalversammlung ausgelöst, über die Abschaffung des sakramentalen Priestertums diskutieren zu wollen (CNA Deutsch hat berichtet). Auch das kirchliche Verständnis vom Sakrament der Ehe soll nach Ansicht einer Mehrheit der Teilnehmer radikal verändert werden.

Bei der Pressekonferenz am letzten Tag der Synodalversammlung kritisierte der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz die Medienberichte darüber, dass die Synodalversammlung das Priestertum abschaffen wolle.

"Es ging dabei beileibe nicht um eine Abschaffung des Priesteramtes", bekräftigte der Bischof. Stattdessen sei es darum gegangen, dass "die Stellung des sakramentalen Amtes des Priesters angefragt ist durch die Missbrauchskrise und auch durch den Mangel an Priestern."

Das Synodalforum wolle daher "die Stellung des priesterlichen Dienstes inmitten des Gottesvolkes stärken" und damit "auch den Priestern den Rücken stärken". Das, was nach Ansicht von Bätzing von einigen Medien "missverstanden" worden sei, sei in Wirklichkeit der Auftrag an das Forum, "positiv die Begründung noch einmal aufzurufen, warum und wo die Stellung des priesterlichen Dienstes mitten Gottesvolk ist". Mit Nachdruck betonte der Limburger Bischof:

"Kein Mensch kann sagen, die deutsche (sic!) Kirche ginge da ran, das Priesteramt abzuschaffen! Das ist nicht wahr."

Gemischte Reaktionen von ausländischen Beobachtern

Stellvertretend durften am letzten Tag der Synodalversammlung wieder drei der anwesenden ausländischen Beobachter von ihren Eindrücken berichten.

Pastor Christoph Stiba von der "Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen" (ACK) erklärte, es sei teilweise schwierig für ihn gewesen, "die ekklesiologische Struktur der Katholischen Kirche mit der Leitungsgewalt (oberste Lehr- und Rechtsvollmacht) der Bischöfe und der Bischofskonferenz zu verstehen". Auch er nehme wahr, dass von außen ein hoher "Erwartungsdruck" auf den "Synodalen Weg" laste, so Stiba. Ob dieser "Prozess" jedoch auch spürbare Auswirkungen haben werde, bleibe noch offen. Wörtlich:

"Ja, das können wir Kirchen ganz gut - Papiere produzieren. Und ich finde es erstaunlich, was alles zur Vorbereitung dieser Sitzung geschrieben wurde. Ich gestehe, dass mich das immer ein wenig überfordert, alle Papiere gelesen und wirklich verstanden zu haben, was denn am Ende gemeint ist. (...) Nur am Ende zählt dann eben doch nur das, was es ins wirkliche Leben schafft! Nicht der Buchstabe zählt, nicht das, was alles in gut durchdachten Worten abgewogen und geschrieben ist, sondern das, was der Geist Gottes lebendig macht. Gott segne Sie auf dem weiteren 'Synodalen Weg'!"

Zurückhaltend äußerte sich Grzegorz Chojnacki, der als Vertreter der polnischen Bischofskonferenz den "Synodalen Weg" beobachtete.

Zwar sei es "im Angesicht einer solchen Vertrauenskrise in Deutschland (...) nicht nur angebracht, sondern auch dringend" gewesen, "einen Prozess der Diagnose, der Konsultation und der Lösungsvorschläge zu starten". Dennoch müsse man laut Chojnacki daran denken, "dass es um einen kirchlichen Prozess geht, der nicht einfach die Prinzipien der Demokratie, die auf dem Mehrheitsprinzip beruht, übernimmt". Wörtlich:

"Denn der einmütige Konsens der ganzen Kirche im gleichen Glauben verwirklicht sich nur im fruchtbaren Band zwischen dem Sensus fidei des Volkes Gottes und der Funktion des Lehramtes der Hirten. Das römische Vorbereitungsdokument unterstreicht, was zum Oikodome (zum Aufbauen) beiträgt: 'Jeder synodale Prozess, in dem die Bischöfe gerufen sind, nicht alleine, sondern im Hören auf das Volk Gottes, 'das auch am prophetischen Amt Christi teilnimmt' (vgl. LG, Nr. 12), durch geistliche Unterscheidung das herauszufinden, was der Geist der Kirche sagt, ist eine klare Form jenes gemeinsamen Gehens, das die Kirche wachsen lässt' (Für eine synodale Kirche, Nr. 14)."

Lob erhielt der "Synodale Weg" von Daniel Kosch von der Römisch-Katholischen Zentralkonferenz der Schweiz. "Spannungsfelder auf höchster Ebene" könnten hier diskutiert werden, selbst Kardinäle und Bischöfe würden sich dieser Herausforderung stellen. Ein Gremium wie das ZdK gebe es in der Schweiz nicht, bedauerte Kosch.

Wie CNA Deutsch berichtet hat, befindet sich die Katholische Kirche in der Schweiz ebenfalls in einer schweren Krise und bereitet sich deshalb ebenfalls auf einen "synodalen Prozess" vor. Wie der Vorsitzende der Schweizer Bischofskonferenz, Bischof Felix Gmür, jedoch klarstellte, soll sich dieser "Prozess" deutlich vom sogenannten "Synodalen Weg" in Deutschland unterscheiden. Gmür wörtlich:

"Wir vermeiden die Begriffe 'synodal' oder 'Synode'."

Die Synode sei ein Rechtsinstrument, das vielen Regeln unterliege, erläuterte der Vorsitzende der Bischofskonferenz weiter. Wie das Nachrichtenportal "kath.ch" berichtet, wolle man "keine Synode oder Pseudosynode veranstalten, diese Gefahr bestehe in Deutschland". Damit spielte Gmür Beobachtern zufolge auf die Tatsache an, dass der "Synodale Weg", der von den deutschen Bischöfen aktiv mitinitiiert wurde, keinerlei Rechtswirkung besitzt und die Bischöfe am Ende auch nicht an die sogenannten "Beschlüsse" der dortigen Gremien gebunden sind.

Konflikte bei der Synodalversammlung

Wie CNA Deutsch bereits berichtete, verlief die dreitage Versammlung in der Frankfurter Messehalle nicht immer reibungslos (lesen Sie hier unsere Analyse).

Für Irritationen sorgten auch administrative Unstimmigkeiten. Streckenweise behinderten Unklarheiten bezüglich der Geschäftsordnung einen reibungslosen Ablauf der Abstimmungen. So wurden beispielsweise zunächst gegen eine explizite, stärkere Fokussierung auf die Evangelisierung in der Präambel entschieden, weil die Enthaltungen als "Nein"-Stimmen gewertet wurden (CNA Deutsch). Dieser Fehler wurde am nächsten Tag rückgängig gemacht.

Wiederholt beklagten sich Synodenteilnehmer darüber, dass das Prozedere zur Abstimmung nicht immer transparent genug ablaufe und die vorgelegten Texte teilweise unververständlich seien.

Auch die hohe Dichte an Geschäftsordnungsanträge führten dazu, dass die geplanten Zeiten nicht immer eingehalten werden konnten und die Redebeiträge der Teilnehmer deshalb wiederholt gekürzt werden mussten.

Unverständnis löste bereits bei der Eröffnung der Synodalversammlung die Aussage des Bischofskonferenz-Vorsitzenden Georg Bätzing aus, der mit scharfen Worten darauf hinwies, dass der Vorwurf, der "Synodale Weg" würde das Leid von Missbrauchsbetroffenen instrumentalisieren, um kirchenpolitische Forderungen durchzudrücken, "sehr unerlaubt" und "sehr anmaßend" sei. 

Wie CNA Deutsch berichtet hat, wird dem "Synodalen Weg" auch von Missbrauchsbetroffenen selbst vorgeworfen, ihr Leid für kirchenpolitische Ziele wie eine Abschaffung des Zölibats, die Einführung einer Frauenweihe oder für eine Änderung der Sexualmoral zu instrumentalisieren.

Der Passauer Bischof Stefan Oster schrieb über die Atmosphäre bei der Synodalversammlung auf Facebook:

"Die Debattenkultur ist weitgehend wertschätzend - auch wenn ich mich als jemand, der die geltende Lehre der Kirche verteidigt, in einer sehr deutlichen Minderheit erlebe. Die große Mehrheit will Veränderungen, zum Teil umstürzende Veränderungen."

Dorothea Schmidt, die als Synodale regelmäßig Tagebucheinträge über die Synodalversammlungen verfasst, berichtet in ihrem jüngsten Beitrag:

"Synodale machen Druck, setzen den Bischöfen die Pistole auf die Brust. Unliebsame Meinungen werden mit hoch in die Luft fliegenden roten Karten quittert, grüne werden entsprechend bei Gefallen gezückt. Klatschen oder Aufruhr – vor allem von BDKJ‘lern - kommentieren Statements."

Plötzliches Ende der Beratungen

Weil viele Personen die Synodalversammlung im Laufe des Samstagnachmittags bereits verlassen hatten und die Lücken im Sitzungssaal immer größer wurden, stellte Bischof Bätzing gegen 15:00 Uhr den Antrag, die Beschlussfähigkeit überprüfen zu lassen. Um beschlussfähig zu sein, ist eine Zweidrittel-Mehrheit (154 Personen) nötig, die Überprüfung zeigte jedoch, dass nur noch 149 Teilnehmer anwesend waren.

Der satzungsgemäße Abbruch der nachmittäglichen Beratungen (Bischof Bode: "Ein eigenartiger Eklat") wurde vom Großteil der verbliebenen Synodalen mit Fassungslosigkeit quittiert. Ein Teilnehmer erhob den Verdacht, dass einige Anwesende "aus Böswilligkeit" das Abstimmungsgerät nicht bedient haben, um die Beschlussfähigkeit zu verhindern.

Auf der abschließenden Pressekonferenz erklärte Bätzing, dass sein Antrag, der dazu führte, dass die Synodalversammlung vorzeitig abgebrochen werden musste, auch als ein "pädagogisches Moment" von ihm gedacht gewesen sei. Er habe damit auch bei den Teilnehmern das Bewusstsein dafür schärfen wollen, dass der "Synodale Weg" nun in eine "wichtige Phase" eintrete.

"Synodaler Weg" bleibt unverbindlich

Gegenüber CNA Deutsch betonen Beobachter, dass noch immer "unklar" sei, wie Papst Franziskus, der Vatikan und weite Teile der Weltkirche darauf reagieren würden, wenn deutsche Bischöfe und Funktionäre über elementare Lehrinhalte der Kirche "abstimmen". Klar ist bislang nur, dass die Veranstaltung in Frankfurt beansprucht, dies tun zu können.

Beobachter weisen auch darauf hin, dass für eine diözesenübergreifende Umsetzung nach wie vor keinerlei Rechtswirkung besteht. Letztlich bleibt es jedem Diözesanbischof selbst überlassen, ob er "Beschlüsse" der Synodalversammlung in seinem Bistum in Kraft setzt.

Wie CNA Deutsch aus dem Umfeld des Vatikan erfuhr, beobachtet man in Rom diese Vorgänge weiter sehr genau. Bereits vor der Entwicklung am Freitag häuften sich Befürchtungen aus dem In- und Ausland, die Kirche in Deutschland könne durch den "Synodalen Weg" in eine Art "Nationalkirche" abdriften und sich mit einer Art "Reformation 2.0" durch ein neues Schisma von der Weltkirche abspalten.

Das könnte Sie auch interessieren: