Papst Franziskus betet für die verfolgten Christen Nigerias

Papst Franziskus betet vor einer Statue Unserer Lieben Frau von Fatima am 13. Mai 2015
Foto: Daniel Ibanez / CNA Deutsch

Papst Franziskus hat am Samstag um die Fürsprache der seligen Jungfrau Maria, "Mutter der Hoffnung", für die verfolgten Christen Nigerias und für den Frieden in Afrika gebetet.

"Heute möchte ich besonders für die Bevölkerung der nördlichen Region Nigerias beten, die Opfer von Gewalt und Terroranschlägen geworden ist", sagte Papst Franziskus in seiner Angelusansprache vom 15. August.

"Die Jungfrau Maria, die wir heute in himmlischer Herrlichkeit betrachten, ist die 'Mutter der Hoffnung', sagte er. "Bitten wir sie um ihre Fürsprache für alle Situationen in der Welt, die der Hoffnung am meisten bedürfen: Hoffnung auf Frieden, auf Gerechtigkeit, Hoffnung auf ein menschenwürdiges Leben.

Laut einem Bericht der nigerianischen Menschenrechtsorganisation "International Society for Civil Liberties and the Rule of Law" (Intersociety) vom 15. Mai sind in Nigeria im Jahr 2020 bisher mehr als 600 Christen getötet worden. Derselbe Bericht stellte fest, dass seit Juni 2015 bis zu 12.000 Christen in Nigeria getötet worden sind.

Wie CNA Deutsch berichtete, stellt die islamistische Gewalt in Nigeria nach Einschätzung eines katholischens Bischofs im Land mittlerweile einen Völkermord dar.

Der Bischof äußerte sich zum Mordanschlag auf fünf Entwicklungshelfer im nordnigerianischen Bundesstaat Borno Ende Juli. Die Terrormiliz "Islamic State West African Province" (ISWAP), eine Splittergruppe von Boko Haram, hatte ein Video veröffentlicht, dass die Ermordung der Entwicklungshelfer zeigt. Lokale Berichten zufolge seien drei von ihnen Christen gewesen. Der ISWAP hatte erklärt, das Video solle als Warnung gelten "für all jene, die von Ungläubigen benutzt werden, um Muslime zum Christentum zu bekehren".

 Seit 2015 rund 6000 Christen getötet

Im sogenannten "Middle Belt", der Zentralregion Nigerias, halten derweil die Übergriffe militanter Fulani-Hirten an. Bei den Attacken handelt es sich um eine Mischung aus Landkonflikten aufgrund der klimatischen Veränderungen und religiösen Auseinandersetzungen. Die Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Union (COMECE) hatte laut "Vatican News" im Mai dieses Jahres mitgeteilt, dass in Nigeria seit 2015 rund 6000 Christen getötet worden seien, "vor allem durch Boko Haram und militante Fulani-Hirten, die Terroranschläge gegen christliche Bauern verübt haben". 

Auf die Frage, ob die Tötung von Christen durch Fulani nach internationalem Recht als Völkermord eingeordnet werden könne, sagte Kukah: "Das denke ich, ja." Er wies darauf hin, dass Morde wie diese nicht nur auf Christen eingegrenzt werden dürften. Muslime seien gleichfalls betroffen – oft sogar noch mehr: "Diese Tötungen waren im vorwiegend muslimischen Norden von Nigeria noch weit schlimmer, etwa in den Bundesstaaten Katsina, Sokoto und Zamfara." 

"Versprechungen von USA und Europa im Sande verlaufen"

Bischof Kukah deutete an, dass die nigerianische Regierung am Aufstieg der terroristischen Gruppen Mitverantwortung trage: "Es ist zu befürchten, dass die Regierung diese Gruppen unbeabsichtigt mitfinanziert – vor allem weil sie die Sicherheitsbehörden infiltriert haben. Die Ineffizienz des Militärs hat die Terroristen mutiger gemacht, und es gibt auch Probleme der Komplizenschaft auf verschiedenen Ebenen des Militärs."

Kukah zufolge könne es "überhaupt keine Diskussion darüber" geben, dass Nigeria ein sogenannter "failed state" sei – ein gescheiterter Staat, der seine grundlegenden Funktionen nicht mehr erfüllen könne. "Nigeria lässt seine Leute im Stich. Aber die Ölfirmen machen auch noch Gewinne mit dem, was vom Land übrig ist." Der Bischof kritisierte auch die westlichen Staaten. Sie hätten keine weiteren Anstrengungen unternommen, um Nigeria zu helfen: "Wir hören Versprechungen von den USA und Europa, doch sie verlaufen alle im Sande."

Spannungen am Nil

Zum Hochfest Mariä Himmelfahrt sagte Papst Franziskus auch, dass er den Verhandlungen zwischen Ägypten, Äthiopien und dem Sudan über den Nil besondere Aufmerksamkeit schenke.

Der Bau eines Staudamms am Nil hat zu Spannungen zwischen den Ländern geführt, seit Äthiopien 2011 mit dem Projekt begann. Ägypten und der Sudan brachten ihre Besorgnis zum Ausdruck, dass der stromaufwärts gelegene Staudamm den Zugang zu Wasser einschränken könnte. Die drei afrikanischen Länder kamen überein, die Gespräche über den Staudamm - der voraussichtlich der größte Wasserkraftdamm Afrikas sein wird - Ende Juli wieder aufzunehmen.

Papst Franziskus lud die drei afrikanischen Länder ein, "den Weg des Dialogs" fortzusetzen, damit der Nil "weiterhin eine Quelle des Lebens sein möge, die verbindet und nicht trennt, die stets Freundschaft, Wohlstand und Brüderlichkeit nährt und niemals Feindschaft, Missverständnisse oder Konflikte hervorruft".

"Lasst den Dialog, liebe Brüder und Schwestern aus Ägypten, Äthiopien und dem Sudan, lasst den Dialog eure einzige Wahl sein, zum Wohle eurer lieben Bevölkerungen und der ganzen Welt", sagte der Papst.

Courtney Mares trug zur Berichterstattung bei. 

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