US-Priester bittet Kardinal Marx, für Lehre der Kirche über Homosexualität einzustehen

Kardinal Reinhard Marx im Gespräch mit Journalisten am letzten Tag der Tagung zum Thema "Jugendschutz in der Kirche" am 24. Februar 2019 in Rom.
Foto: Daniel Ibanez / CNA Deutsch
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Anmerkung der Redaktion: Zwei der einflussreichsten katholischen Prälaten Europas haben sich in den vergangenen Monaten öffentlich dafür ausgesprochen, dass die Kirche ihre Lehre zur Homosexualität ändern soll.

Im Februar sagte Kardinal Jean-Claude Hollerich, S.J., der Erzbischof von Luxemburg, der als Präsident der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Union und als Generalrelator der Synode über die Synodalität in Rom fungiert, in einem Interview, er halte die Lehre der Kirche für falsch, dass homosexueller Sex sündhaft sei, und dass die "soziologisch-wissenschaftliche Grundlage dieser Lehre nicht mehr stimmt".

Der deutsche Kardinal Reinhard Marx sagte in einem am 31. März veröffentlichten Interview zu denselben Fragen, dass der Katechismus der katholischen Kirche "nicht in Stein gemeißelt" sei. Der Erzbischof von München und Freising und Initiator des deutschen"Synodalen Wegs" sagte wörtlich: "Der Katechismus ist nicht in Stein gemeißelt. Man darf auch in Zweifel ziehen, was da drinsteht." 

Der folgende "Offene Brief" an Hollerich und Marx wurde von Pater Philip G. Bochanski verfasst, dem Geschäftsführer von Courage International, einem katholischen Apostolat für Menschen, die sich zum gleichen Geschlecht hingezogen fühlen und versuchen, ein keusches und treues Leben zu führen. CNA Deutsch veröffentlicht das Schreiben in einer deutschen Arbeitsübersetzung des Wortlauts, den die "Catholic News Agency" veröffentlicht hat.

Eminenzen,

als Priester, der seit vielen Jahren in der Seelsorge für Menschen mit gleichgeschlechtlichen Neigungen tätig ist, habe ich Ihre jüngsten öffentlichen Äußerungen zur katholischen Lehre über homosexuelle Handlungen mit großer Sorge gelesen. 

Sie, Kardinal Hollerich, haben angedeutet, dass "die soziologisch-wissenschaftliche Grundlage" der katholischen Lehre, dass homosexuelle Handlungen unmoralisch sind, "nicht mehr stimmt", und Sie haben "eine grundlegende Revision der kirchlichen Lehre" und "eine Änderung der Lehre" gefordert. Sie, Kardinal Marx, haben in dieser Frage dieselbe Position eingenommen und Ihre Haltung mit der Bemerkung begründet, dass "der Katechismus nicht in Stein gemeißelt ist" und dass man auch in Frage stellen könne, was er zu dieser wichtigen moralischen Lehre sagt.

Doch der Abschnitt des Katechismus, auf den Sie sich beziehen, stellt diese Lehre auf bemerkenswert entschiedene Weise dar. Das heißt, er stellt fest, dass die Lehre eindeutig auf der Heiligen Schrift beruht und konsequent von der Tradition der Kirche gelehrt wird (Nr. 2357). Diese Berufung auf Schrift und Tradition ist im Katechismus ungewöhnlich, kommt aber häufig vor, wenn die Kirche das Charisma der Unfehlbarkeit erklärt. Ihre Verwendung hier bedeutet eindeutig, dass diese Lehre, die sich aus der anthropologischen Tatsache der Natur des geschlechtlichen menschlichen Körpers ergibt, eine unfehlbare Lehre des allgemeinen Lehramtes ist.

Als sich jeder von uns auf die Weihe vorbereitete, legten wir, wie alle unsere Brüder, Diakone, Priester und Bischöfe, ein öffentliches Glaubensbekenntnis ab und schwörten einen Treueeid. Als wir diesen Eid ablegten, schwörten wir in Bezug auf solche Lehren, dass wir an der Lehre der Kirche festhalten, sie treu weitergeben und erklären und ... alle Lehren meiden, "die dem Glaubensgut widersprechen." Wir haben uns auf die Heilige Dreifaltigkeit und die heiligen Evangelien berufen, um unsere Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit zu bezeugen.

Eminenzen, ich bitte Sie, halten Sie sich an Ihren Treueid.

Ihren Eid wegen dieser Lehre zu brechen, würde gerade den Menschen, denen Sie aufrichtig helfen wollen, großen Schaden zufügen. "Die Vernachlässigung der Lehre der Kirche hindert" diese unsere Brüder und Schwestern daran, "die Hilfe zu erhalten, die sie brauchen und verdienen", wie das Dikasterium für die Glaubenslehre 1986 schrieb. Die Behauptung, dass diese endgültige Lehre geändert werden kann, weckt bei unseren Brüdern und Schwestern falsche Hoffnungen und führt mit Sicherheit dazu, dass sie sich jedes Mal, wenn die Kirche sie getreu bekräftigt, mehr übergangen und verärgert fühlen. Indem Sie dieses Missverständnis über die göttliche Ordnung der Sexualität verstärken, ermutigen Sie sie, ihr Glück in Beziehungen zu suchen, die sie letztlich nicht befriedigen können, anstatt in keuschen Freundschaften Erfüllung zu suchen.

Die Verletzung Ihres Eides würde auch unsere Brüder und Schwestern verletzen, die sich um ein keusches Leben im Einklang mit der Lehre der Kirche bemühen oder ihre Angehörigen dazu ermutigen, auch wenn sie dafür große persönliche Opfer bringen. Sie sehen die Bischöfe der Kirche als ihre geistlichen Väter an und suchen von Ihnen Bestätigung und Unterstützung für die Verpflichtungen zur Keuschheit, die sie als treue Katholiken eingegangen sind. Wenn sie von Ihnen hören, dass solche Verpflichtungen unnötig sind, fühlen sie sich von den Menschen, deren Liebe und Fürsorge sie am meisten suchen, nicht gesehen und nicht respektiert.

Ihren Eid zu brechen, würde der moralischen Glaubwürdigkeit der Kirche in den Augen der Gläubigen und in der Weltöffentlichkeit sicherlich schaden. Am Vorabend seines Leidens betete unser Herr aufrichtig um die Einheit unter seinen Aposteln, "damit die Welt glaubt" (Joh 17,21). Sie stehen an der Stelle dieser Apostel und haben die ehrfurchtgebietende Aufgabe übernommen, den Nachfolger des heiligen Petrus eng zu beraten. Ihr öffentliches Abweichen von der Lehre der Kirche kann nur Verwirrung und Spaltung unter den Gläubigen stiften und ein Skandal für die säkulare Welt sein.

Die Verletzung Ihres Eides würde, wie ich fürchte, auch Ihnen großen Schaden zufügen. Als Priesterbruder und Mitarbeiter im kirchlichen Dienst darf ich mir erlauben, Sie mit großem Respekt und brüderlicher Sorge an die feierliche Bedeutung des Treueides zu erinnern, den wir abgelegt haben. Einen Eid zu brechen würde bedeuten, die Sünde des Meineids zu begehen, und wer eine solch schwere Sünde vorsätzlich begeht, setzt sein ewiges Heil aufs Spiel.

Fast die Hälfte meines Lebens hatte ich das Privileg, der Kirche Christi als Priester zu dienen, und mehr als die Hälfte meines Priesteramtes war es mir eine große Freude, Katholiken, die sich zu Menschen des gleichen Geschlechts hingezogen fühlen, und ihren Angehörigen, zu helfen. Es ist ein großer Trost, diesen Dienst mit der Unterstützung und Ermutigung der Weltkirche und ihrer herausragenden Hirten ausüben zu können.

Eminenzen, ich bitte Sie, dem Eid treu zu bleiben, den Sie geleistet haben.


Hochachtungsvoll
Pater Philip G. Bochanski
Direktor, Courage International

 

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