Umfrage: Nur noch 46 Prozent der Deutschen glaubt an Gott

Jesus Christus
Foto: Rudolf Gehrig / CNA Deutsch

Weniger als die Hälfte der Deutschen glaubt an Gott. Eine Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach, die von der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) in Auftrag gegeben wurde, ergibt außerdem, dass die generelle Bindung der Menschen zur Kirche in Deutschland weiter stark abgenommen hat. Das Jahr 2021 könnte gar "das letzte Weihnachten mit einer christlichen Bevölkerungsmehrheit", so die Meinungsforscher.

Die Gründe für die "Erosion" seien vielfältig, heißt es im FAZ-Artikel weiter. So sei es "viel zu kurz gegriffen", den schwindenden Rückhalt der Kirche bei der Bevölkerung allein auf die Skandale zurückzuführen. Die verbreitete Vorstellung, dass "viele tiefgläubige Menschen" aus Protest aus der Kirche austreten, ist der Umfrage zufolge "falsch".

Kirchenmitglieder bald keine Mehrheit mehr

Insgesamt unterstreicht die Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach, dass der seit Langem beobachtete Abwärtstrend der Katholischen Kirche in Deutschland weiter anhält. So ist nicht nur der Anteil derjenigen, die angeben, zumindest gelegentlich in die Kirche zu gehen, seit den 1960er-Jahren von rund 60 Prozent auf heute unter 30 Prozent zurückgegangen.

Insgesamt gaben nur noch 25 Prozent der Befragten an, zur Katholischen Kirche zu gehören. Als evangelisch bezeichenten sich weitere 28 Prozent. Die wachsende Zahl der orthodoxen und anderen christlichen Konfessionen werden in der Umfrage nicht aufgeführt.

Im Jahr 1995 waren noch 36 Prozent Mitglied der Katholischen Kirche, der Schwund habe sich also "eher beschleunigt als verlangsamt", schreibt die FAZ. Es sei mehr "eine Frage von Monaten als von Jahren", bis die Zahl der Kirchenmitglieder "die 50-Prozent-Schwelle unterschreitet".

"Hinter dem Rückgang der Kirchenmitgliederzahlen verbirgt sich eine Erosion des christlichen Glaubens, die noch weit größere Ausmaße hat", heißt es im Artikel weiter. Von den befragten Katholiken haben nur noch 23 Prozent angegeben, dass sie "ein gläubiges Mitglied ihrer Kirche" seien und sich dieser eng verbunden fühlten.

Dies entspricht etwa sechs Prozent der Gesamtbevölkerung.

Andererseits meinen laut Umfrage noch 61 Prozent der Deutschen, dass es eine Seele gibt. Mindestens ebenso kurios: Während der Glaube an Wunder (52 Prozent) und an "schicksalshafte Fügungen (52 Prozent) ebenfalls weit verbreitet ist, geben nur 46 Prozent der Befragten an, an Gott zu glauben.

Gehört der Islam zu Deutschland?

Nachdem der frühere Bundespräsident Christian Wulff (CDU) im Jahr 2012 für Aufsehen sorgte, als er öffentlich erklärte, der Islam "gehöre" seines Erachtens zu Deutschland, lehnte bekanntlich "eine sehr klare Mehrheit" diese These damals ab.

Daran habe sich bis heute nichts geändert, schreibt die FAZ.In der aktuellen Umfrage haben lediglich 17 Prozent der Befragten der Aussage zugestimmt, "64 Prozent widersprachen ausdrücklich", so die FAZ. Die Zahlen seien mit denen aus dem Jahr 2012 "praktisch identisch".

Die Unfähigkeit vieler Bischöfe wie Politiker, sich kritisch mit dem Thema zu beschäftigen, verfolgt die Studie nicht weiter.

Gehört das Christentum zu Deutschland?

Gleichzeitig ist das Ansehen der Kirche weiter gesunken. Nur noch 38 Prozent der Befragten halten die Katholische Kirche für "wichtig". Das sind zwei Prozentpunkte weniger als bei der Meinung der Umfragenteilnehmer über die evangelische Kirche.

Zudem sinkt das Ansehen in den kommenden Jahren absehbar weiter, wie sich bei dieser Frage vor allem hinsichtlich der Altersstruktur zeigt: Knapp die Hälfte der 60-Jährigen halten die Kirche noch für wichtig, bei den unter 30-Jährigen teilen weniger als ein Drittel diese Ansicht.

Zum ersten Mal wurde bei der aktuellen Umfrage auch gefragt, ob das Christentum zu Deutschland gehöre. 70 Prozent antworteten mit "Ja", auch 55 Prozent der Konfessionslosen stimmten dem zu.

Die Gründe 

Auf der Suche nach den Gründen für das gesunkene Vertrauen in die Kirche widerspricht die FAZ der Meinung, diese lägen vor allem in der Berichterstattung über die Skandale der Kirche begründet. Im Artikel heißt es wörtlich:

"Es ist in den vergangenen Monaten und Jahren in der Berichterstattung viel von Skandalen in den Kirchen, vor allem der katholischen Kirche, die Rede gewesen, von Finanzskandalen und vor allem von Fällen des Kindesmissbrauchs und den Versäumnissen bei ihrer Aufklärung. Es liegt nahe, den schwindenden Rückhalt der Kirchen in der Bevölkerung auf diese Ereignisse zurückzuführen, doch das wäre viel zu kurz gegriffen."

Denn neben diesen Skandalen lasse sich bereits "seit Jahrzehnten eine Erosion des Christentums in Deutschland beobachten, die langsam, aber beharrlich fortschreitet. Thomas Petersen vom Institut Demoskopie Allensbach beschreibt eine "Erosion in drei Stufen".

"Zuerst verlieren die Menschen den Glauben an die wesentlichen Inhalte des Christentums. Dieser Prozess ist inzwischen weit fortgeschritten, nur noch eine Minderheit bekennt sich zu den zentralen Inhalten der christlichen Lehre, und nur jeder Zehnte fühlt sich einer der christlichen Kirchen eng verbunden. Erst nach dieser inneren Abwendung folgt in einem zweiten Schritt der Kirchenaustritt. Die verbreitete Vorstellung, wonach viele tiefgläubige Menschen die Kirche aus Protest verlassen, ist falsch. Der dritte Schritt ist die Abwendung von der christlichen Kulturtradition, doch diese wird auch ohne die religiöse Fundierung zumindest eine gewisse Zeit lang weitergepflegt und wertgeschätzt."

Wer praktizierende Christen kennt, die aus der Kirche austreten, weil sie Projekte wie den umstrittenen "Synodale Weg" oder von der Kirchensteuer finanzierte Gremien nicht mehr unterstützen wollen, wird die pauschale Aussage, dass es "falsch" sei, dass Gläubige aus Protest austreten, mit Skepsis sehen.

Tatsächlich erwägt, wie CNA Deutsch bereits im März diesen Jahres berichtete, jeder dritte Katholik in Deutschland einen Kirchenaustritt. In der Vergangenheit hatten Recherchen von CNA Deutsch zudem ergeben, dass die Missbrauchskrise nicht der einzige Grund für die steigenden Austrittszahlen ist. Im Jahr 2019 sind insgesamt 272.771 Katholiken aus ihrer Kirche ausgetreten, was einen neuen Negativ-Rekord darstellt. Die Zahlen für das Jahr 2020 werden erst im kommenden Sommer veröffentlicht.

Nach einer Studie des Bistums Osnabrück geben zudem vor allem ältere Menschen den Umgang der Kirche mit der Missbrauchskrise als Grund für den Austritt an. Bei jüngeren Menschen sei vor allem die Zahlung der Kirchensteuer der entscheidende Anlass, um der Kirche den Rücken zu kehren.

Bislang ist in einem verbindlichen Dekret der deutschen Bischofskonferenz festgelegt, dass ein - wie auch immer begründeter - Kirchenaustritt automatisch die Tatstrafe der Exkommunikation nach sich zieht. Diese Regelung ist jedoch selbst bei Kirchenrechtlern höchst umstritten.

Bis zum Jahr 2060 soll sich außerdem die Zahl der Kirchensteuer zahlenden Christen in Deutschland halbieren, laut einer 2019 vorgestellten Prognose eines Projekts von Wissenschaftlern der Universität Freiburg.

Grund für den Einbruch sind auch hier vor allem hohe Austrittszahlen und weniger Taufen, aber auch der Mangel an Nachwuchs: Kindermangel und Überalterung in Deutschland allein bedeuten laut Prognose bis 2060 einen Rückgang von 21 Prozent – gut ein Fünftel also.

Andere Faktoren wie Austritte – die eben sehr wohl wegen Bedenken am Weg der deutschen Bischofskonferenz und dem Verbandskatholizismus erfolgen können – bedeuten einen Rückgang von 28 Prozent. Das sind knapp ein Drittel der derzeitigen Mitgliedszahlen.

So oder so ist die Prognose klar: Insgesamt wird sich die Zahl der Kirchenmitglieder in Deutschland demzufolge um 49 Prozent verringern – zumindest derer, die auch Kirchensteuer zahlen. Die finanziellen Auswirkungen sind bereits jetzt in den meisten Diözesen in Deutschland spürbar. Wann und wie damit kostenaufwändige wie umstrittene Strukturen und Veranstaltungen auf den Prüfstand kommen, muss sich jedoch erst zeigen.

Der Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, hat diese Woche auf die Fragem ob die Gotteskrise nicht eine Chance für die Kirche sei, soziologisch geantwortet: "Wir sind kein prägendes Milieu mehr, deshalb müssen wir aufbrechen und Partner suchen, mit denen wir gleiche Werte teilen", meint der 60-jährige.

Partner könnte man vielleicht in der Wirtschaft für soziale Projekte finden: "Das können zum Beispiel Jungunternehmer sein, die eine Initiative für geflüchtete Frauen gründen und mit ihnen ein Modelabel aufbauen", so der Limburger Bischof wörtlich.

Nicht zu sozialen Projekten mit der Wirtschaft sondern der Neuevangelisierung und Besinnung auf die Aufgabe der Kirche hat Papst Franziskus wiederholt die deutschen Bischöfe aufgerufen. 

Franziskus hat bereits 2015 sehr deutliche Kritik mit einer Reihe von Aufforderungen an die deutschen Bischöfe verknüpft: Sie sollten die Neu-Evangelisierung konkret und nachhaltig anpacken, die Sakramente der Beichte und Eucharistie fördern, die Rolle der Priester stärken, akademische Theologie auf den Boden des Glaubens stellen, und ungeborenes Leben sowie Alte und Kranke schützen.

Diese Anliegen griff der Papst knapp vier Jahre später in seinem Brief an die deutschen Katholiken auf.

"Dies verlangt vom ganzen Volk Gottes und besonders von ihren Hirten eine Haltung der Wachsamkeit und der Bekehrung, die es ermöglicht, das Leben und die Wirksamkeit dieser Wirklichkeiten zu erhalten. Die Wachsamkeit und die Bekehrung sind Gaben, die nur der Herr uns schenken kann. Uns muss es genügen, durch Gebet und Fasten um seine Gnade zu bitten."

Wer stattdessen meine, "die beste Antwort bestehe in einem Reorganisieren der Dinge", so Papst Franziskus, der falle auf eine Versuchung herein: Die Häresie des "Pelagianismus".

Diese Häresie habe katastrophale Folgen, warnte der Papst weiter, denn blindes "Reformieren" wird "das Herz unseres Volkes einschläfern und zähmen und die lebendige Kraft des Evangeliums, die der Geist schenken möchte, verringern oder gar zum Schweigen bringen: «Das aber wäre die größte Sünde der Verweltlichung und verweltlichter Geisteshaltung gegen das Evangelium»".

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