Kirchenstatistik 2020: Abwärtstrend in Deutschland hält weiter an

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Foto: Rudolf Gehrig / CNA Deutsch

Die deutsche Bischofskonferenz hat heute die Kirchenstatistik für das Jahr 2020 veröffentlicht. Die Übersicht zeigt, dass der momentane Abwärtstrend der Katholischen Kirche in Deutschland nicht gestoppt ist. Gerade bei der Sakramentenspendung hat sich die Situation im Vergleich zum Vorjahr sogar noch verschärft.

Immerhin ist jedoch die Zahl der Kirchenaustritte leicht zurückgegangen. Im Vergleich zur Kirchenstatistik 2019, bei der die Austrittswelle mit 272.771 Austritten ein Rekordhoch erreichte, kehrten 2020 immerhin noch 221.390 Katholiken der Kirche den Rücken. Dies sind allerdings weiterhin noch mehr als im Jahr 2018, als insgesamt 216.078 Katholiken austraten.

Die Daten zur Kirchenstatistik 2020 können hier online heruntergeladen werden. Hier eine kleine Übersicht:

  • 2020 sind insgesamt 221.390 Katholiken der Kirche ausgetreten
  • Die Zahl der praktizierenden Katholiken sinkt ebenfalls: Es gab 2020 im Vergleich zum Vorjahr deutlich weniger Taufen (2020: 104.610; 2019: 159.043), Erstkommunionen (2020: 139.752; 2019: 166.481), Firmungen (2020: 75.387; 2019: 123.253), Trauungen (2020: 11.018; 2019: 38.537), dafür mehr Bestattungen (2020: 236.546; 2019: 233.937). 
  • Die Zahl der Gottesdienstbesucher ist im Vergleich zum Vorjahr noch weiter gesunken. Nur noch 5,9 Prozent der Katholiken in Deutschland besuchten im vergangenen Jahr die Heilige Messe, 2019 waren es noch 9,1 Prozent.
  • Zum Sakrament der Beichte gibt es in der vorliegenden Übersicht keine statistischen Erhebungen.
  • Die Zahl der angeführten Priester ist um 418 weiter gesunken auf 12.565 Priester. 2019 waren noch 12.983 Priester in Deutschland tätig.
  • Auch die Anzahl der Pfarreien nimmt ab. Weitere 78 Pfarreien existieren nicht mehr, weshalb sich die Gesamtzahl der Pfarreien in Deutschland mittlerweile auf 9.858 beläuft. 2019 gab es noch 9.936 Pfarreien, 2018 waren es sogar noch 10.045.
  • Der Anteil der offiziell katholischen Bevölkerung in Deutschland liegt nun bei 22.193.347 Katholiken – das sind 26,7 Prozent der Gesamtbevölkerung. 2019 lag der Anteil noch bei 27,2 Prozent.
  • Evangelisierung findet offenbar weiterhin nicht messbar statt: Kircheneintritte gibt es verschwindend wenige; 1.578 sind in die Kirche eingetreten (davon 1.390 Protestanten), und die ohnehin geringe Zahl der Wiederaufnahmen ist ebenfalls gesunken, auf 4.358 (2019: 5.339).

Verantwortlich für die Verschärfung der Kirchenkrise sei laut Bischofskonferenz vor allem die Corona-Pandemie, die sich "vielfach auf das kirchliche Leben ausgewirkt" habe. In ihrer Erklärung schreibt die Bischofskonferenz, durch die notwendigen Schutz- und Hygienemaßnahmen hätten Gläubige die Gottesdienste "längst nicht so gefeiert und religiöse Angebote wahrgenommen (...), wie in früheren Jahren". Dies wirke sich entsprechend auf die Zahlen aus.

Bätzing: "Kirche ist präsent"

Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing (Bistum Limburg), erklärte unterdessen, dass sich "Vieles" im gesellschaftlichen und kirchlichen Leben verändert habe. "Durch die weltweiten Impfungen kommt die berechtigte Hoffnung auf, die Pandemie zu überwinden", so Bätzing. "Wenn wir heute die Statistik des Jahres 2020 vorlegen, dann sind diese Zahlen ein drastisches Spiegelbild dessen, wie sich die Corona-Pandemie auf das Leben in unseren Gemeinden auswirkt."

Weiter sagt Bätzing wörtlich:

"Was musste nicht alles verschoben werden: Taufen, Erstkommunionfeiern, Firmungen und Hochzeiten. Aber sie haben dennoch stattgefunden, wie die Statistik zeigt. Die Kirche war auch in der Pandemie gerade an den Wegmarken im persönlichen Leben für viele Menschen präsent. Gleichzeitig erleben wir in der Kirche eine tiefgreifende Erschütterung. Das zeigt sich auch in der Statistik der Kirchenaustritte, die ich als schmerzlich für unsere Gemeinschaft empfinde. Viele haben das Vertrauen verloren und möchten mit dem Kirchenaustritt ein Zeichen setzen. Wir nehmen das sehr ernst und müssen uns dieser Situation offen und ehrlich stellen und Antworten auf die Fragen geben, die an uns gerichtet werden."

Ist der "Synodale Weg" die Lösung?

Dazu gehöre "an allererster Stelle die gründliche Aufarbeitung der Fälle sexuellen Missbrauchs". Auch "die Frage nach Macht und Gewaltenteilung in der Kirche" müsse geklärt werden, so Bätzing weiter. Nach Ansicht des Vorsitzenden der Bischofskonferenz könne der umstrittene sogenannte "Synodale Weg" dabei helfen, der Krise entgegenzutreten. Wörtlich:

"Ich wünsche mir sehr, dass der 'Synodale Weg' seinen Beitrag dazu leisten kann, neues Vertrauen aufzubauen."

Dass der "Synodale Weg" ein geeignetes Hilfsmittel gegen die Glaubens- und Kirchenkrise in Deutschland ist, wird zumindest zum jetzigen Zeitpunkt von der Kirchenstatistik so nicht wiedergegeben. Immerhin wurde dieser Prozess mit der ersten Synodalversammlung am 30. Januar 2020 in Frankfurt am Main begonnen und dauert nun schon eineinhalb Jahre an. Dass der "Synodale Weg" einen Aufschwung für die Katholische Kirche in Deutschland bewirkt oder gar verloren gegangenes Vertrauen wiedergewonnen habe, geben zumindest die Zahlen der Kirchenstatistik nicht her.

Stattdessen wächst die Kritik am "Synodalen Weg" sowohl im Inn- als auch im Ausland. Einige Gläubige befürchten schon jetzt ein Schisma und haben deshalb eine entsprechende Anfrage an die Glaubenskongregation in Deutschland gestellt, wie CNA Deutsch berichtete.

Der Vorsitzende der italienischen Bischofskonferenz, Kardinal Gualtiero Bassetti, hat erklärt, dass der italienische synodale Prozess nicht vergleichbar mit dem deutschen "Synodalen Weg" sei. Die Worte des italienischen Kardinals folgten der scharfen Kritik von Kardinal Vinko Puljić, dem Erzbischof von Sarajevo, an den "exotischen Ideen" des deutschen "Synodalen Wegs" – sowie der äußerst scharfen Kritik der amerikanischen Erzbischöfe Samuel Aquila von Denver und Salvatore Cordileone von San Francisco.

Bereits früher hatten sich Kardinal George Pell, aber auch der italienische Kardinal Camillo Ruini, der englische Bischof Philip Egan von Portsmouth und der spanische Bischof José Ignacio Munilla Aguirre von San Sebastián der wachsenden Zahl von Kirchenvertretern und prominenten Theologen angeschlossen, die sich besorgt über den "Synodalen Weg" und andere Vorgänge in Deutschlands Diözesen zu Wort gemeldet haben, von der offenen Rebellion gegen Rom in der Frage der Segnung gleichgeschlechtlicher Verbindungen in der Kirche, über die Interkommunion mit Protestanten sowie die Weihe von Frauen. 

Papst Franziskus hat in seinem Brief "An das pilgernde Volk Gottes in Deutschland" zur Neuevangelisierung aufgerufen und davor gewarnt, dass aktionistische Reformbemühungen "das Herz unseres Volkes einschläfern und zähmen und die lebendige Kraft des Evangeliums, die der Geist schenken möchte, verringern oder gar zum Schweigen bringen".

Theologin: "Synodalen Weg" in Deutschland aussetzen

Die Initiatoren des "Synodalen Wegs" haben die Sorge vor einem möglichen "deutschen Sonderweg" mehrfach zurückgewiesen.

Die Theologin Katharina Westerhorstmann - selbst eine Teilnehmerin des "Synodalen Weges" - hatte diese Beteuerungen vor Kurzem in einem Interview aufgegriffen und festgestellt, dass eine Integration des "Synodalen Weges" in die Weltsynode zeigen könne, "dass das keine Lippenbekenntnisse waren, sondern dass tatsächlich der deutsche 'Synodale Weg' im Dienst der ganzen Kirche steht".

Westerhorstmann schlug deshalb vor, den umstrittenen Prozess in Deutschland zugunsten der von Papst Franziskus ankündigten Weltsynode vorerst auszusetzen. Sie mahnte sie außerdem an, dass der deutsche Prozess generell noch stärker auf Jesus Christus ausgerichtet sein müsse (CNA Deutsch hat berichtet).

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