ZdK-Präsidentin: Erzbistum Köln könnte "vor die Wand" fahren

Irme Stetter-Karp
Foto: ZdK/Harald Oppitz

Die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, hat sich in die Debatte um Kardinal Rainer Maria Woelki eingeschaltet. "Wenn der Vatikan nicht handelt, fährt das Erzbistum Köln vor die Wand", sagte Stetter-Karp am Mittwoch gegenüber der Rheinischen Post.

Die jüngste Welle der Kritik an Woelki nahm ihren Anfang mit einem Artikel im Kölner Stadt-Anzeiger vom 5. August 2022. Darin geht es um die Entscheidung von Woelki, ein von der Münchner Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl (WSW) angefertigtes Gutachten zum Thema Missbrauch nicht zu veröffentlichen, sondern stattdessen ein anderes Gutachten vorbereiten zu lassen, das schließlich im März 2021 vorgestellt wurde.

Im Anschluss an die Entscheidung im Jahr 2020 hatte Woelki mit massiver Kritik zu kämpfen und engagierte externe PR-Berater, die ihm nahelegten, einen renommierten Journalisten mit Informationen darüber zu versorgen, warum das ursprüngliche Gutachten nicht verwendet werden könne. Außerdem sollte der Betroffenenbeirat für eine vollständige Neufassung des Gutachtens gewonnen werden. Der Agentur "Ewald & Rössing" seien in diesem Zusammenhang 820.000 Euro gezahlt worden, so der Kölner Stadt-Anzeiger.

"Es ist kein Wunder, dass Betroffene von sexualisierter Gewalt in der Kirche nun sagen: Der Betroffenenbeirat in der Erzdiözese ist im Streit um die Gutachten instrumentalisiert worden", zeigte sich die ZdK-Präsidentin überzeugt.

Der Kölner Generalvikar Guido Assmann hatte vor etwa einer Woche bereits klargestellt, man habe "nicht alle Vorschläge" der Agentur "in Wort und Tat umgesetzt". "Weder wollten wir instrumentalisieren, noch auch einen solchen Verdacht irgendwie nähren. Letzteres ist leider nicht gelungen. Das Durchstechen eines vertraulichen Papiers mit den anschließenden Spekulationen und mitunter völlig falschen Interpretationen hat solche Verdächtigungen vielmehr befördert."

"Ich finde es bedenklich, dass Rom auf die Lage in Köln noch immer abwartend reagiert", sagte Stetter-Karp in diesem Zusammenhang. "Die konfliktive Stimmung zwischen dem Kardinal und seiner Diözese ist durch dessen mehrmonatige Auszeit nicht befriedet worden. Das ist spätestens seit Anfang August überdeutlich."

Woelki hatte von Oktober 2021 bis März 2022 eine Auszeit genommen. Bei seiner Rückkehr nach Köln hatte er Papst Franziskus seinen Rücktritt angeboten, den dieser bis heute weder angenommen noch abgelehnt hat.

Angesichts der Tatsache, dass es allein dem Papst obliegt, über die Zukunft von Woelki zu entscheiden, kritisierte Stetter-Karp: "Es gibt keine funktionierende Gewaltenteilung, kein Mitspracherecht der Basis der Diözese. Mir zeigt das einmal mehr, wie wichtig es ist, dass wir in Deutschland auf einem Synodalen Weg sind, der neue Überlegungen anstellt, wie Macht in der Kirche zukünftig geteilt und kontrolliert werden kann."

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