Zehn Generalvikare schreiben Brief an Marx: "Gottes Wille ermutigt uns zur Veränderung"

Die Deutschen Bischöfe am 17. November 2015 in der Lateranbasilika.
Foto: CNA/Daniel Ibanez
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Zehn von insgesamt 27 Generalvikaren aus Deutschland haben einen Brief an den Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, geschrieben. Darin fordern sie unter anderem "deutliche Schritte der Veränderung" und bringen ihre Sorge über "schwindende Ressourcen im Bereich der Finanzen" zum Ausdruck. Das Schreiben ging auch an den Vorsitzenden des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg. Unterzeichner des Briefes sind die Generalvikare aus Berlin, Essen, Hamburg, Hildesheim, Limburg, Magdeburg, Münster, Osnabrück, Speyer und Trier.

Der Brief kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Bestimmungen des "Synodalen Weges" diskutiert und die Rahmenbedingungen festgelegt werden. Kirchenrechtlich verbindliche Entscheidungen können am Ende des "Synodalen Weges" nach derzeitigem Sachstand nicht getroffen werden (CNA Deutsch hat berichtet). Genau das fordern jedoch die zehn Unterzeichner des Briefes:

"In einer Welt, die immer mehr zusammenwächst und gleichzeitig von wachsender Vielfalt und Freiheit bestimmt ist, wünschen wir uns eine Kirche, in der Pluralität und Diversität gewünscht und erlaubt sind. Als Generalvikare sehen wir in unseren Bistümern sehr deutlich, dass nur eine offene und Vielfalt zulassende Kirche eine Chance hat, in unserer Gesellschaft wirksam präsent bleiben zu können. Darum hoffen wir am Ende des Synodalen Weges auf verbindliche Entscheidungen, die von allen mitgetragen werden und neue Spielräume für unsere Kirche eröffnen."

Die zehn Generalvikare hatten sich im Rahmen einer regelmäßig stattfindenden kollegialen Beratung mit der derzeitigen Situation ihrer Bistümer und der Kirche in Deutschland befasst. Die Gruppe glaubt, dass der "Synodale Weg" von entscheidender Bedeutung für die Zukunft der Katholischen Kirche in Deutschland sei. Am momentanen Glaubwürdigkeitsverlust sei die Kirche teilweise selbst schuld. Die "vielfachen kritischen Anfragen" vonseiten der Mitmenschen und der Medien seien "Zeichen der Zeit", die belegten, dass die Geistlichen im "'Weiter-so'-Modus" ihrem Auftrag nicht gerecht würden. Die Folgen seien dramatisch:

"Eine steigende Zahl von Gläubigen, die aus der Kirche austreten, eine innere Zerstrittenheit unter Bischöfen, Priestern und Gläubigen, eine zurückgehende Zahl von jungen Menschen, die bereit sind, sich in den Dienst der Kirche zu stellen, schwindende Ressourcen auch im Bereich der Finanzen."

All das löse bei den Generalvikaren "große Betroffenheit und Ratlosigkeit" aus, weshalb man überzeugt sei, "dass uns Gottes Wille zu deutlichen Schritten der Veränderung ermutigt". Die "neuen Wege seinen allerdings mit "einem schmerzhaften Abschieds- und Veränderungsprozess verbunden", bei dem Widerstände und emotionale Auseinandersetzungen inbegriffen seien. Ein angemessenes Verhältnis von "Tradition und Innovation" sei daher ausschlaggebend.

In ähnlicher Rhetorik wird versucht, die massive Kritik und Bedenmken am "verbindlichen Synodalen Weg" auszuräumen – mit einem Appell, den Bischöfen und Funktionären zu vertrauen. Denn sonst laufe man Gefahr, "das Wirken dieses Geistes" vielleicht "voreilig einzugrenzen", so die Geistlichen wörtlich in ihrem Brief an Marx.

"Ganz besonders werben wir dafür, einander zu vertrauen und jeder und jedem eine lautere Motivation und einen ehrlichen Glauben zu unterstellen. Wir bitten darum, auf gegenseitige Unterstellungen oder gar den Vorwurf mangelnder 'Rechtgläubigkeit' zu verzichten."

Doch damit nicht genug: Die zehn Generalvikare erklären, dass sie das "Vertrauen der Menschen" in die Kirche wiederherzustellen gedenken. Wie? Ihre Antwort: "indem wir die Realität anerkennen und indem wir die Möglichkeiten und Grenzen, diese Wirklichkeit zu verändern, im Glauben an Gottes Wirken mutig und demütig nutzen".

Ob der Brief damit die massiven theologischen, kirchenrechtlichen und weiteren Bedenken ausräumen kann, die deutsche wie ausländische Bischöfe angemeldet haben, aber auch führende Köpfe im Vatikan – darunter die Kardinäle Marc Ouellet und Pietro Parolin – sowie Theologen wie Marianne Schlosser und Karl-Heinz Menke und engagierte Laien in aller Welt: Das wird sich zeigen müssen.

Einer der zentralen Streitpunkte ist die Frage nach der Verbindlichkeit und Rechtswirkung. Nach Interventionen durch den Vatikan wurde in der letzten Fassung der Satzung ein Absatz eingefügt, demzufolge die Beschlüsse des "Synodalen Weges" kirchenrechtlich nicht bindend sind und jeder Bischof selbst entscheiden soll, ob er dessen "Beschlüsse" über Macht, Sexualität und Ämter in seinem Bistum umsetzt.

Zur angespannten Situation der Kirche in Deutschland hat sich vor einigen Wochen auch Erzbischof Georg Gänswein geäußert. Im Hinblick auf die immer noch vorhandene hohe Finanzkraft erinnerte der Präfekt des Päpstlichen Hauses an die von Papst Benedikt geforderte "Entweltlichung" (CNA Deutsch hat berichtet).

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