Tiersegnungen in Rom, heidnische Rituale für Weltelite in Davos: Die Woche im Vatikan

Ein Pferd vor dem Petersdom bei der alljährlichen Tiersegnung am 17. Januar. Rechts im Bild: Kardinal Mauro Gambetti, Erzpriester des Petersdoms.
Daniel Ibanez / CNA Deutsch

Nicht nur in Deutschland machen sich die Bauern auf den Weg in die Hauptstadt, in Italiens Hauptstadt Rom standen in dieser Woche sogar Tiere vor den Toren des Vatikan. Währenddessen reißt die Kritik am neuen Dokument über die Segnungen nicht ab, eine Schamanin führt vor der versammelten Weltelite ein heidnisches Ritual durch und der Vatikan arbeitet weiter an seiner Finanzreform. 

  • Bauern in Berlin, Bauernhoftiere in Rom: Welche Forderungen die italienischen Bauern haben
  • Streit um Fiducia Supplicans: Wie Papst Franziskus in einem TV-Interview auf die Kritik am Schreiben reagiert
  • Das Skandalbuch von Fernández: Was wusste der Papst?
  • Kritik am Weltwirtschaftsforum in Davos
  • Update zur Finanzreform: Papst Franziskus veröffentlicht zwei neue Änderungen

Bauernaufstand – auch in Rom?

Während in Deutschland viele Bauern in die Bundeshauptstadt Berlin strömen, um ihre Unzufriedenheit mit der Regierung zum Ausdruck zu bringen, waren es in Italien die Tiere, die sich auf den Weg in die Hauptstadt nach Rom machten. Hühner, Schafe, Kühe, Pferde und weitere Bauernhofbewohner standen in ihren Ställen auf dem großen Platz im Windschatten des Petersdoms und sorgten am Mittwochmorgen für einen interessanten Geruchscocktail aus nassem Stroh, Großstadt-Smog und Tier-Dung. Neugierig musterten sie die Touristen, die sich nicht entscheiden konnten, ob sie nun ein Selfie mit der Kuppel des Petersdoms wollten oder doch lieber mit einem Pferd. 

Doch während Traktoren durch Berlin rollten, die Regierenden vor einem möglichen „Umsturzversuch“ warnten und bei manchen politischen Äußerungen doch eher das hohe Ross das Tier der Wahl zu sein schien, hatte die tierische Versammlung in Rom einen anderen Hintergrund. Es ist mittlerweile schon Tradition, dass der italienische Tierzüchterverband AIA und der Landwirtschaftsverband Coldiretti jährlich Vertreter der Tierwelt nach Rom holt, um diese am Gedenktag des heiligen Antonius des Großen (17. Januar) von einem Vatikan-Vertreter segnen zu lassen.

Mario Gambetti, Generalvikar des Papstes sowie Erzpriester des Petersdoms, fiel die Aufgabe zu, trotz des Regens durch die Reihen zu gehen und das Vieh zu segnen (sehen Sie hier unsere Fotostrecke). Zuvor hatte Gambetti mit den angereisten Bauern und Züchtern im Petersdom eine Heilige Messe gefeiert. Diese jährliche Tradition erfreut sich großer Beliebtheit, wird von den italienischen Verbänden aber auch dafür genutzt, um auf politische Missstände in der Agrarwirtschaft hinzuweisen.

In einer Studie, die am selben Tag unter dem Titel „SOS Fattoria Italia“ veröffentlicht wurde, beklagt der Landwirtschaftsverband, dass es in den Bergregionen und in manchen Gebieten im Landesinneren von Italien an den „wirtschaftlichen und sozialen Mindestbedingungen fehlt, um den Fortbestand der Schäfer und Landwirte zu sichern“. Auch die Artenvielfalt sei bedroht.

Getan hat sich trotz wiederholter Appelle noch nicht viel, um die Situation der italienischen Bauern zu verbessern. Vielleicht schaut man nun etwas genauer nach Deutschland. Dort sagte einst der Grünen-Politiker Joschka Fischer in einem Gespräch zum heutigen Vize-Kanzler Robert Habeck: „Nicht jeden Esel kannst du sofort zum Rennpferd machen.“

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Problematische Segnungen: Der Papst kontert

„Manchmal werden Entscheidungen nicht akzeptiert, aber in den meisten Fällen, wenn man eine Entscheidung nicht akzeptiert, liegt es daran, dass man sie nicht versteht“ – mit diesem Satz hat Papst Franziskus die Kritik gegen das Schreiben Fiducia Supplicans gekontert. In dem Dokument des Glaubensdikasteriums wurde unter Federführung des neuen Präfekten, Kardinal Victor Manuel Fernandez, festgelegt, dass die Kirche unter gewissen Umständen auch Menschen in sogenannten „irregulären Beziehungen“ – darunter auch homosexuellen – segnen darf.

Einige Bischofskonferenzen – darunter auch die Kirche in Afrika – weigern sich bislang, die Handlungsempfehlungen des Vatikan umzusetzen, was jedoch auch, wie jetzt bekannt wurde, von Papst Franziskus so gebilligt wird. 

Medien hatten berichtet, dass der Heilige Vater bei einem Treffen mit 800 Priestern des Bistums Rom erklärt habe, die Kirche in Afrika würde Fiducia Supplicans ablehnen, „weil die [afrikanische] Kultur sie nicht akzeptiert.“

Tatsächlich haben die Bischöfe Afrikas gesagt — wie CNA Deutsch berichtete — es gehe um die Lehre der Kirche und die Heilige Schrift, das Naturrecht und eine darin verankerte Kultur.

Am vergangenen Sonntagabend sprach der Papst in einem TV-Interview mit dem italienischen Programm „Che Tempo Che Fa“ erneut über das umstrittene Schreiben. Franziskus war per Videolink aus seiner Residenz Santa Marta in der Vatikanstadt zugeschaltet und betonte, dass der Herr „alle Menschen“ segne, „die sich taufen lassen können“. Aufgabe der Kirche sei es, sie „an der Hand zu nehmen und ihnen zu helfen, diesen Weg zu gehen, anstatt sie von vornherein zu verurteilen.“

Falls es nach wie vor Bedenken an dieser Entscheidung gäbe, solle man diese in einer „brüderlichen Diskussion“ äußern, so Franziskus. Wie CNA Deutsch heute berichtete, belastet das Dokument offenbar auch die Ökumene.

Anders als auf dem afrikanischen Kontinent oder in Ländern wie Frankreich, Polen oder Ungarn ist Fiducia Supplicans bei der Mehrheit der deutschen Bischofskonferenz auf große Zustimmung gestoßen. Einigen Menschen innerhalb des deutschen Kirchenapparats geht das Dokument jedoch noch nicht weit genug. So hatte der Vorsitzende des kirchensteuerfinanzierten Jugendverbandes Gregor Podschun in einer Reaktion den Pontifex selbst als „menschenfeindlich“ und „diskriminierend“ bezeichnet.

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Der hauptverantwortliche Autor des Schreibens, Kardinal Fernandez, hatte unterdessen angekündigt, er werde bald nach Deutschland reisen, um Gespräche mit den deutschen Bischöfen zu führen. Es sei außerdem geplant, dass weitere Vatikanvertreter gemeinsam mit den deutschen Bischöfen eine „Reise der Bekehrung und Vertiefung“ beginnen wollen, um „alle notwendigen Klarstellungen vorzunehmen“. 

Erotisches Skandal-Buch: Wusste der Papst davon?

Kardinal Fernandez – auch genannt „Tucho“ – kommt allerdings weiterhin nicht aus den Schlagzeilen. Erst sorgte er mit Fiducia Supplicans kurz vor Weihnachten für Aufruhr, dann folgte ein Skandal gleich zu Beginn dieses noch jungen Jahres. Ein argentinisches Blog war auf ein Buch von Fernandez aufmerksam geworden, das dieser 1998 veröffentlicht hatte und den Titel „Die Mystische Passion. Spiritualität und Sinnlichkeit“ trug. 

„Für fromme Leser ist das Werk durchaus eine Provokation“, schrieb jedoch unter anderem CNA Deutsch in einem umfassenden Beitrag, in Kooperation mit der englischsprachigen Schwester Agentur CNA und dem spanischen Pendant ACI Prensa.

Kurz zusammengefasst: Das Werk wartet mit recht expliziten Schilderungen von männlichen und weiblichen Orgasmen auf, zitiert einen islamischen Theologen, der davon fantasiert, dass beim Geschlechtsakt die Fortpflanzungsorgane der Männer „so hart und gerade wie Speere“ einen „Krieg“ gegen die entsprechenden Körperteile der Frauen führen würden und schildert nicht zuletzt auch die erotische Begegnung eines 16-jährigen Mädchens mit Jesus Christus selbst. All das niedergeschrieben von der Hand des heutigen Präfekten des Dikasteriums für die Glaubenslehre. 

Nicht nur in frommen Kreisen sorgte die Veröffentlichung des bislang in Vergessenheit geratenen Buches für Verwirrung und Empörung.

Findige Vaticanisti hatten daher vermutet, Papst Franziskus würde seinem neuen Präfekten deshalb auf die Finger klopfen, als der Heilige Stuhl am Freitag vor einer Woche die Besuchsliste des Papstes veröffentlichte und der Name von Fernández auf dieser Liste stand. Doch die Gerüchte konnten nicht bestätigt werden, von dem privaten Treffen drang – wie bei derlei Audienzen üblich – bislang nichts nach außen.

Allerdings hatte der umstrittene Kardinal noch am selben Tag in einem Interview mit der spanischen Agentur EFE behauptet, Franziskus habe bereits vor seiner Ernennung zum Präfekten des Glaubensdikasteriums um die Existenz des erotischen Buches gewusst. Außerdem sei er – Fernández – bereits „vor vielen Jahren“ wegen dieses Werkes „angezeigt und in Rom nicht dafür sanktioniert“ worden.

Auf der offiziellen Publikationsliste des Vatikans, mit der Fernández als neuer Präfekt des Dikasteriums für den Glauben vorgestellt wurde, fehlte das Werk — wie auch sein Werk „Heile mich mit Deinem Mund. Die Kunst des Küssens“, berichtete David Ramos für ACI Prensa.

Fernández hat unterdessen eingeräumt, er würde das Buch heute nicht mehr schreiben. Und Papst Franziskus? Er hat sich öffentlich nicht dazu geäußert. Bei seiner Generalaudienz am letzten Mittwoch jedoch sprach auch der Pontifex über Sex. „Im Christentum gibt es keine Verurteilung des Sexualtriebes“, rief Franziskus aus. Und dann geißelte er mit deutlichen Worten den „Dämon der Unkeuschheit“.

(K)ein Hexenwerk: Treffen des Weltwirtschaftsforums in Davos

Doch die Warnung vor der Unkeuschheit war nicht die einzige Warnung, die das Oberhaupt der Katholischen Kirche in dieser Woche ausgesprochen hat. In seinem Grußwort an das Treffen des Weltwirtschaftsforums im Schweizerischen Davos warnte Franziskus die versammelten Staatsoberhäupter, Vorstandsvorsitzenden und führenden Finanzvertreter davor, auf Kosten der eigenen Gewinnmaximierung die natürlichen und menschlichen Ressourcen dieses Planeten auszubeuten. Zudem befände sich die Welt aktuell in einem „beunruhigenden Klima der internationalen Instabilität“. 

Bereits in der Vergangenheit hatte das von Klaus Schwab, dem Vorsitzenden des Weltwirtschaftsforums, nicht nur bei Kapitalismus-Kritikern für Kritik gesorgt. Nun hat sich auch ein katholischer Priester aus Madrid auf der Medienplattform „X“ (ehemals Twitter) besorgt zu Wort gemeldet.

„Welcher Geist herrscht in Davos“, fragte Jesús Silva Castignani in seinem Beitrag und postete einen Videoausschnitt von der Konferenz, bei dem augenscheinlich zu sehen ist, wie das Oberhaupt eines amazonischen Stammes aus der Region Acre im Nordwesten Brasiliens vor der Plenarsitzung ein schamanisches Ritual durchführte.

Die Partneragentur von CNA Deutsch mit Sitz in Lateinamerika, ACI Prensa, hatte am Donnerstagmorgen darüber berichtet.

So hatte die indigene Frau nach dem Sprechen der Beschwörungsformeln einigen Teilnehmern auf den Kopf gepustet, darunter der geschäftsführenden Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF) Kristalina Georgieva, dem Weltbankpräsidenten Ajay Banga, IKEA-Chef Jesper Brodin und dem Milliardär André Hoffmann.

Am Ende des Rituals forderte die Schamanin die Teilnehmer dazu auf, sich an den Händen zu fassen und sie im Einklang zu erheben. „Wissen wir, welche Geister die Dame anruft?“, fragte unterdessen der spanische Priester auf „X“.

Auch der ortsansässige Pfarrer und Dekan in Davos hatte Kritik am Treffen geübt.

Schlagzeilen machte aber auch der neugewählte argentinische Präsident Javier Milei. Dieser schlug in Davos zeitgeistkritische Töne an, in dem er unter anderem den „lächerlichen Kampf der Geschlechter“ und die „radikale Agenda der Feministinnen“ kritisierte, derweil er Sozialsten und Neonazis die „gleiche Tendenz“ unterstellte. 

Milei hatte sein Amt im Dezember angetreten und unter anderem angekündigt, das Gesetz zur Legalisierung von Abtreibung zurückzunehmen. Wie CNA Deutsch berichtete, hat er außerdem seinen argentinischen Landsmann, Papst Franziskus, zu einem Heimatbesuch eingeladen.

Martin Rhonheimer, der lange Jahre als Professor für Ethik sowie politische Philosophie an der römischen Päpstlichen Universität Santa Croce lehrte, hatte bereits im September 2023 in einem zweiteiligen Beitrag für CNA Deutsch die Gemeinsamkeiten zwischen dem neuen argentinischen Staatsoberhaupt und dem Oberhaupt der Katholischen Kirche herausgestellt. 

Finanzreform des Vatikan

Zu guter Letzt gibt es noch Neuigkeiten zur Finanzreform des Vatikan.

Am Dienstagmorgen wurden zwei Motuproprios von Papst Franziskus veröffentlicht, in denen der Heilige Vater unter anderem anordnet, dass Anschaffungen durch vatikanische Ämter, die zwei Prozent ihres jährlichen Betriebsbudgets übersteigen, vorher die Genehmigung des Wirtschaftssekretariats brauchen.

Papst Franziskus hatte das Wirtschaftssekretariat im Jahr 2014 selbst eingerichtet und den australischen Kardinal George Pell zum ersten Präfekten gemacht. Bereits letzte Woche hatte CNA Deutsch unter anderem ausführlich über die Bemühungen des mittlerweile verstorbenen Kardinals gesprochen, die Misswirtschaft und Korruption des Vatikan zu beenden und gleichzeitig dringend benötigte Reformen anzustoßen. 

Eine der frühen Früchte der Arbeit Pells war unter anderem die Aufdeckung des Finanzskandals, der zur Verurteilung des italienischen Kardinals Angelo Becciu führte. Auch dazu hat CNA Deutsch eine umfassende Analyse veröffentlicht.

Im zweiten Motu Proprio geht es vor allem um den Erwerb und die Bestellung von Gütern und Dienstleistungen im Vatikan. Das 90 Artikel umfassende Schreiben soll helfen, „den eingeschlagenen Weg zur Förderung von Transparenz, Kontrolle und Wettbewerb bei den Verfahren zur Vergabe öffentlicher Aufträge fortzusetzen“, wie Papst Franziskus schreibt.

Alles Weitere zu den jüngsten Entwicklungen in der vatikanischen Finanzreformen lesen Sie hier.