7 Märtyrer und eine brennend aktuelle Papstreise

Von der Herausforderung des Säkularismus und der wieder auflebenden Tendenz zu totalitären Ideologien bis hin zur Ökumene: Der kommende Papstbesuch in Rumänien ist brennend aktuell und politisch brisant

Die nun anerkannten Märtyrer
Foto: ACI Prensa
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Mit einer großen Geste hat der Vatikan das Schlaglicht auf eine ganz besondere Reise von Papst Franziskus geworfen, die Ende Mai stattfindet: Dann bereist der Papst auf den ersten Blick nur ein kleines Land im Südosten Europas. Doch bei genauerem Hinschauen ist genau dieser Besuch Rumäniens sowohl in mehrfacher Hinsicht hochbrisant als auch von geschichtlicher Bedeutung.

Bereits im März gab der Heilige Stuhl bekannt, dass die Kirche gleich sieben Bischöfe als Märtyrer seligsprechen wird. Diese hat Papst Franziskus anerkannt.

Dabei handelt es sich um Blutzeugen, deren Namen wenige Katholiken kennen werden, obwohl unter ihnen ein Kardinal ist, und ihr Leiden und Sterben noch in die jüngste Gegenwart fällt: Kardinal Iuliu Hossu sowie die griechisch-katholischen Bischöfe Valeriu Traian Freniu, Alexandru Rusu, Ioan Balan, Ioan Suciu, Titu Liviu Chinezu und Vasile Aftenie.

Gelitten und als Märtyrer gestorben sind sie in Rumänien, wo unter den Kommunisten von 1948 bis 1970 die Christen im Land massiv bedrängt, unterdrückt und verfolgt wurden.

Kardinal Iuliu Hossu stellte sich gegen die kommunistischen Machthaber, als diese 1945 versuchten, die rumänische griechisch-katholische Kirche von Rom zu trennen. Noch im gleichen Jahr wurde er von den Kommunisten verhaftet und eingesperrt. Von 1950 bis 1955 wurde er als politischer Gefangener im Gefängnis von Sighet festgehalten.

Er verbrachte den Rest seines Lebens unter Hausarrest und starb 1970. Ein Jahr zuvor, 1969, machte ihn Papst Paul VI. zu einem Kardinal in pectore. Das heißt buchstäblich "im Herzen" - mit anderen Worten: Die Ernennung wird zunächst geheimgehalten. Im Fall von Kardinal Hossu wurde sie erst nach seinem Tod im Jahr 1970 öffentlich bekannt.

Auch die Schicksale der anderen Märtyrer auf dem Weg zur Seligsprechung erschüttern. Um nur zwei Beispiele zu nennen: Bischof Vasile Aftenie wurde am 10. Mai 1950 im Gefängnis des Innenministeriums erschossen. Bischof Valeriu Traian Frentiu wurde am 28. Oktober 1948 verhaftet und kam erst in ein Lager und dann in Isolationshaft. Am 11. Juli 1952 starb er an den Folgen von Hunger und Unterernährung. Er wurde noch in der Nacht ohne Sarg in einem Massengrab beerdigt.

Dieses dunkle Kapitel der rumänischen Geschichte ist nicht lange her. Angesichts der Situation in Nordkorea und der eskalierenden Lage für Christen wie Muslime in China sowie dem umstrittenen Abkommen des Vatikans mit der Volksrepublik ist es von brennender Aktualität.

Doch neben diesem erschütternden historischen Hintergrund mit aktueller Brisanz geht es bei der Reise von Papst Franziskus nach Rumänien auch um die Ökumene, vor allem mit den orthodoxen Geschwistern im christlichen Glauben.

Nach der bereits für den 5. bis 7. Mai angekündigten Reise nach Bulgarien und in die ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien schließt Papst Franziskus seine "Tournee" durch die meisten orthodoxen Länder mit Rumänien ab, das er vom 31. Mai bis 2. Juni bereisen wird.

Das Motto der Reise lautet "Lasst uns gemeinsam gehen" - Să mergem împreună. Das Logo zeigt das rumänische Volk Gottes, das unter dem Schutz der Muttergottes geht.

Die im Logo verwendeten Farben erinnern an die Farben der Nationalflagge: blau, gelb und rot.

"Rumänien" - so die Pressemitteilung des Heiligen Stuhls - "wird oft als "der Garten der Mutter Gottes" bezeichnet, eine Formel, die allen Gläubigen lieb und teuer ist und die auch der heilige Johannes Paul II. bei seinem Besuch 1999 verwendet hat. Der Besuch von Papst Franziskus greift diesen marianischen Akzent auf und lädt uns ein, uns unter dem Schutzmantel der Muttergottes zu vereinen".

Kardinal Lucian Mureșan, Vorsitzender der katholischen Bischofskonferenz Rumäniens, erklärte:

"Wir hoffen, dass die Anwesenheit des Stellvertreters Petri Inspiration für Rumänien bringt, all das Gute und Kostbare zugunsten des Landes und des Gemeinwohls zu vereinen. Versuchen wir, den Willen zum Dialog zwischen den christlichen Kirchen zu finden, der auf dem Respekt vor dem Anderssein beruht, indem wir die Energien der Christen zugunsten des Lebens und die natürlichen Werte der von Gott hinterlassenen Schöpfung vereinen."

Papst Franziskus hatte den rumänischen Bischöfen bereits während ihres Ad-Limina-Besuchs Anfang November 2018 seine Absicht angekündigt, nach Rumänien zu reisen.

Es wurde ursprünglich angenommen, dass die Reise Teil der Reiseroute sein würde, die den Papst nach Bulgarien und Mazedonien führen würde.

Es wird vier Städte geben, die Papst Franziskus während der Reise besucht:

  • Bukarest, die Hauptstadt, wo es auch ein Treffen mit dem orthodoxen Patriarchen Daniel geben wird;
  • Blasendorf (Blaj), wo die erste rumänische Übersetzung der Bibel gefertigt wurde, die 1795 vom griechisch-katholischen Mönch Samuil Micu veröffentlicht wurde, geschrieben in sowohl kyrillischen als auch lateinischen Buchstaben.
  • Jassy (Iasi), die erste lateinische Diözese des Landes zusammen mit Bukarest, die beide 1883 von Leo XIII. gegründet wurden, sowie
  • Szeklerburg (Miercurea Ciu), im östlichen Siebenbürgen, wo Papst Franziskus die Messe im Kloster feiert, das sich im Dorf Schomlenberg (Sumuleu Ciuc) befindet.

Auch wenn sich das Verhältnis vor Ort zu den orthodoxen in den letzten Jahren entspannt hat: Jeder dieser Orte und das darum gestrickte Programm ist behutsam und bewußt gewählt.

Ob Papst Franziskus mit seinem Besuch wieder einmal dazu beitragen kann, auf den christlichen Gemeinsamkeiten aufzubauen, und angesichts des Wiedererstarkens säkularer und totalitärer Tendenzen gemeinsame Positionen zu beziehen, wird sich zeigen. Das Beispiel der rumänischen Märtyrer erinnert daran, wohin die "ideologische Kolonisierung" auch in Europa führen kann, vor der Papst Franziskus immer wieder warnt.

Frühere Fassung veröffentlicht am 25. März 2019.

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