Auf dem Weg zur Synodalitätssynode: Bischöfe eröffnen Synodalen Prozess

Am gestrigen Sonntag begann die erste Phase der Beratungen zur Weltbischofssynode — "Kirche erneuert sich nicht durch Anpassung an die Forderungen des Zeitgeistes"

"Für eine synodale Kirche": Das offizielle Logo der Synode über Synodalität
Foto: Vatican
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Mit Predigten, Hirtenbriefen und Stellungnahmen haben Bischöfe in deutschsprachigen Diözesen am gestrigen Sonntag den von Papst Franziskus eingesetzten ersten Teil des synodalen Prozesses begonnen, der zur Synode über Synodalität der Weltkirche im Jahr 2023 führen wird.

Der Tenor ist dabei klar: Nicht nur mit Gremien und Vertretern eines "Verbandskatholizismus" Gespräche führen, sondern auch und gerade den Gläubigen zuhören, die nicht in — und mit — Strukturen und Berufsgruppen beschäftigt sind.

Im Rahmen einer Pontifikalvesper im Regensburger Dom St. Peter sprach Bischof Rudolf Voderholzer zum Auftakt dieses weltkirchlichen Prozesses eine Einladung aus, sich an dieser Phase aktiv zu beteiligen.

In Salzburg betonte Erzbischof Franz Lackner, zum Wesen der Synodalität gehöre es, dass über die eigene Grenze hinausgdeacht werde und Offenheit, Ansprechbarkeit und Sprachfähigkeit vorhanden seien.

Lackner erinnert an Klaus Berger

Der 2020 verstorbene deutsche Theologe Klaus Berger, der Familiar-Mitglied von Stift Heiligenkreuz war, habe in seinem letzten und posthum erschienenen Buch "Schweigen - Eine Theologie der Stille" ein Kapitel diesem Thema gewidmet, so Lackner. Dort heiße es: "Der Heilige Geist ist radikal anders, er ist Schweigen dort, wo man vorher geredet hat." Darum sei notwendig - so Lackner - "wenn wir uns in Gruppen oder Gremien treffen und den Glauben in einer reformbedürftigen Kirche erörtern, immer auch der Stille Raum zu geben". Dazu würden auch Hilfsmittel und Unterlagen seitens des Synodensekretariates der Erzdiözese erhältlich sein.

Erzbischof Ludwig Schick: Deutscher "Synodaler Weg" von Papst gefördert

Erzbischof Ludwig Schick ruft in einem Hirtenwort die Gläubigen im Erzbistum Bamberg auf, beim "synodalen Prozess für die ganze Weltkirche" mitzumachen. Der Papst bremse den umstrittenen "Synodalen Weg" in Deutschland nicht aus, sondern fördere ihn, so Schick weiter.

Das Hirtenwort wurde am gestrigen Sonntag in den heiligen Messen der Erzdiözese verlesen. Darin heißt es weiter, Ziel der Synodalitätssynode sei, dass die Kirche wieder mehr Vertrauen in der Gesellschaft und unter den Menschen gewinne und den Dienst Jesu zum Wohl und Heil der Menschen ausüben könne.

Es gelte, "Wege zu finden und zu beschreiten", um am Leben der Kirche und ihrer Sendung aktiv teilzunehmen: "die Frohe Botschaft zu verkünden, die Sakramente und Gottesdienste zu feiern sowie Gemeinschaft im Glauben, in der Hoffnung und in der Liebe zu bilden."

Auch mehrere andere Diözesen im deutschsprachigen Raum, darunter der Südtiroler Bischof Ivo Muser, eröffneten die diözesane Phase mit Gottesdiensten und weiteren Veranstaltungen.

Bischof Voderholzer: Eine Einladung

In seiner Predigt betonte der Regensburger Oberhirte das Anliegen des Pontifex für den synodalen Prozess vor der Synode über Synodalität: Überall in der Weltkirche und auf allen Ebenen soll geredet und diskutiert werden — ein ehrgeiziges Unterfangen, das viel Disziplin erfordert auf allen Seiten, so der Bischof.

Voderholzer hat nach Veröffentlichung des Fragebogens die synodalen Gremien des Bistums angeschrieben und eingeladen, sich zusammenzufinden, sich auszutauschen, auch mit dem Bischof. Die Gremien im Bistum Regensburg sind der Diözesanpastoralrat, der Priesterrat, das Domkapitel, und das Diözesankomitee, erklärte der Bischof.

"Darüber hinaus sind alle Gremien, Ordensgemeinschaften, Bewegungen, etc. eingeladen, mir ihre Gedanken und Überlegungen zukommen zu lassen", so Voderholzer.

Ohr am Wort Gottes und am Leben des ganzen Volkes Gottes haben

Weiter hob der Bischof hervor, dass Papst Franziskus nie einen Zweifel daran gelassen habe, dass er vom katholischen Verständnis von Synode ausgehe, dass er die Verantwortung und Entscheidung beim Papst und bei den Bischöfen sieht.

Deswegen werde von Synode nicht in erster Linie in einem kirchenrechtlichen Sinne, sondern in einem ekklesiologischen Sinne gesprochen als die Erinnerung an den der Kirche von ihren Ursprüngen her aufgetragenen und mitgegebenen Stil des Umgangs miteinander, der Selbstverständlichkeit des Begegnens, des sich Austauschens, des Auf-einander-Hörens, des Unterscheidens der Geister. Papst, Bischöfe und Pfarrer als die durch die Weihe mit dem Amt der Leitung Beauftragen müssen ihr Ohr am Wort Gottes und an den Erfahrungen, am Leben des ganzen Volkes Gottes haben, um die Kirche gut auf ihrem Weg hin zum Ziel der endgültigen Gemeinschaft mit Gott führen zu können.

Perspektiven im Blick auf das "Zeichen der Zeit"

Mit der Synode über Synodalität seien "viele Erwartungen" verbunden, so der Bischof: "Und das ist gut so! Eine Kirche, in der sich niemand mehr etwas erwartet und von der sich niemand etwas erwartet, wäre wahrlich eine traurige Angelegenheit. Ich persönlich erwarte mir von den synodalen Beratungen in unserer jetzigen geschichtlichen Stunde Perspektiven im Blick auf das "Zeichen der Zeit", das auch Kardinal Grech als erstes genannt hat: Wie können wir als Kirche, als Bistum, als Pfarrei, als Verband, als Kirchenchor usw. uns wieder erholen von den Folgen, die die Corona-Pandemie für alle unsere Gemeinschaften und unser Zusammensein, unser gemeinsames Unterwegs-Sein mit sich gebracht hat?", so Bischof Voderholzer.

Eines stehe im Blick auf die erhoffte Erneuerung der Kirche in unseren Tagen fest, erklärte der Regensburger Bischof: "Es hat in der Geschichte der Kirche Erneuerung immer dort gegeben, wo intensiver auf das Wort Gottes gehört, leidenschaftlicher gebetet wurde und wo man hingebungsvoller sich den Kranken, den Leidenden zugewandt in den sozial-caritativen Werken. Noch nie habe ich gehört, dass die Kirche sich erneuert hätte durch Anpassung an die Forderungen des jeweiligen Zeitgeistes", so der Bischof abschließend.

Die XVI. Ordentliche Generalversammlung der Bischofssynode in Rom soll unter dem Thema "Für eine synodale Kirche: Gemeinschaft, Partizipation und Mission" — auch übersetzt mit "Kommunion, Teilnahme und Sendung" — als dreijähriges, weltweites Verfahren stattfinden. 

Papst Franziskus hat damit der Kirche einen großen synodalen Prozess über Synodalität verschrieben, der am gestrigen 17. Oktober dieses Jahres in den Teilkirchen in aller Welt seinen Auftakt machen sollte.

Der Vatikan veröffentlichte am 7. September ein 22-seitiges Vorbereitungsdokument und ein 42-seitiges "Vademecum "oder Handbuch für die diözesane Phase der Synode.

Das Handbuch enthält Gebete, eine Beschreibung der "Synodalität", die Ziele des synodalen Prozesses und die wichtigsten Fragen, zu denen die lokalen katholischen Gemeinschaften um Rückmeldung gebeten werden. Es unterstreicht, dass sich die Diözesen auf eine "maximale Einbeziehung und Beteiligung" der getauften Katholiken am diözesanen Synodenprozess konzentrieren sollten.

Das vorbereitende Dokument wurde für eine Phase der "vorsynodalen Unterscheidung" freigegeben, die einen zweiten Entwurf des Textes beeinflussen wird, der vor Juni 2023 veröffentlicht werden soll.

Nach Angaben des Vatikans ist das Vorbereitungsdokument "ein Werkzeug, um die erste Phase des Hörens und der Konsultation des Gottesvolkes in den Teilkirchen" für die diözesane Phase der Synode zu erleichtern. 

Während der diözesanen Phase wird jeder Bischof gebeten, vom 17. Oktober 2021 bis April 2022 einen Konsultationsprozess mit der Ortskirche durchzuführen.

Im Handbuch heißt es, dass die Diözesen lokale Versammlungen für "synodale Konsultationen" organisieren und auch Einzelpersonen die Möglichkeit geben sollten, ihr Feedback direkt an die Diözese zu geben.

Es wird empfohlen, dass mehrere Pfarreien zu diesen "synodalen Konsultationstreffen" zusammenkommen, damit "eine Reihe von Menschen mit unterschiedlichem sozioökonomischem Hintergrund, unterschiedlicher ethnischer Herkunft und unterschiedlichen Altersgruppen" daran teilnehmen.

Papst Franziskus hat am 10. Oktober den zweijährigen weltweiten Konsultationsprozess eröffnet, mit dem die Katholisch Kirche die Synode über Synodalität im Jahr 2023 vorbereiten wird. Dabei rief Papst Franziskus dazu auf, einander "in die Augen zu schauen und auf das zu hören, was andere zu sagen haben".

In seiner Predigt bei einem Gottesdienst im Petersdom am 10. Oktober sagte der Papst, dass alle Katholiken, die an dem synodalen Prozess der Weltkirche teilnehmen, danach streben sollten, "Experten in der Kunst der Begegnung zu werden".

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