Rom interveniert gegen US-Bischöfe, die über Maßnahmen gegen Missbrauch abstimmen wollten

Wie das mit der vielbeschworenen "Synodalität" zu vereinbaren ist, fragt sich nun nicht nur der Vorsitzende der US-Bischofskonferenz

Bischof Christopher Coyne, Kardinal Daniel DiNardo und Bischof Timothy Doherty (von links) bei der Pressekonferenz in Baltimore am 12. November 2018
Foto: Christine Rousselle / CNA Deutsch
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Die Bischofskongregation im Vatikan – nicht Papst Franziskus persönlich – hat offenbar der Abstimmung über Maßnahmen der US-Bischöfe gegen die Kirchenkrise eine Absage erteilt. Wie das mit der neuerdings beschworenen "Synodalität" und "Kollegialität" zu vereinbaren ist, fragt sich nun nicht nur der Vorsitzende der US-Bischofskonferenz.

Die Anweisung an die Vollversammlung der Bischöfe, nicht über die Vorschläge abzustimmen, die als Grundlage für das weitere Vorgehen in der Kirchenkrise dienen sollten, kam von der vatikanischen Kongregation für die Bischöfe.

Das teilte Kardinal Daniel DiNardo von Galveston-Houston mit.

Der Vorsitzende der US-Bischofskonferenz sprach auf der ersten Pressekonferenz der Herbst-Generalversammlung der Bischöfe in Baltimore – nach der für viele überraschenden Intervention aus Rom.

DiNardo wies ausdrücklich darauf hin, dass die Anweisung nicht von Papst Franziskus kam, sondern direkt von der Kongregation für die Bischöfe.

Der Präfekt der Bischofskongregation ist Kardinal Marc Ouellet.

Bischof Christopher Coyne von Burlington, der ebenfalls auf der Pressekonferenz sprach, sagte gegenüber CNA, dass er nicht wisse, ob die amerikanischen Mitglieder der vatikanischen Behörde eine Rolle bei der Entscheidung spielten.

Die amerikanischen Mitglieder der Kongregation für die Bischöfe sind die Kardinäle Blase Cupich von Chicago und Donald Wuerl, Erzbischof emeritus von Washington.

Eine Quelle aus dem unmittelbaren Umfeld Wuerls sagte CNA, dass er nicht glaube, dass der Kardinal an der Entscheidung beteiligt gewesen sei.

DiNardo hatte noch vor dem offiziellem Beginn des Herbstreffens die Intervention aus Rom einem "sichtlich überraschten Konferenzsaal" verkündet: Der Heilige Stuhl bestehe darauf, dass die Prüfung eines Verhaltenskodex für Bischöfe sowie eines von Laien geleiteten Gremiums zur Untersuchung von Bischöfen, denen Fehlverhalten vorgeworfen wird, auf den Abschluss einer von Papst Franziskus für Februar einberufenen Sondersitzung verschoben wird.

Coyne sagte gegenüber CNA, dass die Bischöfe auch ihre Abstimmung über die Einrichtung eines externen Beschwerde-Verfahrens über bischöfliches Verhalten aussetzen.

Dieses Verfahren war eine weitere geplante Maßnahme zur Lösung der Kirchenkrise.

Die Kongregation für die Bischöfe habe um die Verzögerung "gebeten", damit die Bischöfe auf der ganzen Welt "auf der gleichen Seite" stehen und voneinander lernen können, hieß es zur Begründung. Auch die Bedeutung einer weiteren Präzisierung des  Kirchenrechts wurde unterstrichen.

Verwunderung, Enttäuschung, Gehorsam

Dinardo sagte, dass er Roms Entscheidung für "verwunderlich" hielt, und vermutete, dass die Kongregation für die Bischöfe der Meinung war, dass die US-Bischöfe zu schnell handeln könnten.

"Ich frage mich, ob sie die Synodalität auf uns zurückverweisen könnten. Meine erste Reaktion war, dass dies nicht so synodal erschien; aber vielleicht haben die Amerikaner auch nicht so synodal gehandelt. Aber es erschien mir fragwürdig, als ich das erfuhr."

DiNardo sagte, dass die Bischöfe dennoch entschlossen sind, zu handeln – und dass sie mit der Entscheidung des Heiligen Stuhls nicht zufrieden sind. Er kündigte an, dass sie sich weiterhin für Maßnahmen zur Bekämpfung der Krise des sexuellen Missbrauchs einsetzen werden: "Wir sind enttäuscht". Dennoch werde man sich nicht entmutigen lassen.

Der Kardinal erinnerte auch daran, dass er Papst Franziskus um eine Apostolische Visitation gebeten habe – wie CNA Deutsch berichtete – doch Rom sei mit diesem Ansatz ebenfalls nicht einverstanden.

Die Bischöfe räumten bei der Pressekonferenz ihre Enttäuschung über die Entscheidung von Rom ein, betonten aber auch ihren Gehorsam.

DiNardo unterstrich, dem Heiligen Vater und seinen Behörden zu gehorchen sei Pflicht der Bischöfe; und Bischof Coyne sagte, dass Bischöfe von Natur aus "kollegial" seien, "also wenn der Heilige Stuhl uns bittet, mit Kollegialität zu arbeiten, dann tun wir das".

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