Hamburgs Erzbischof Heße bietet Papst Franziskus Amtsverzicht an

Erzbischof Stefan Heße in seiner Erklärung am 18. März 2021
Foto: YouTube / Screenshot

Paukenschlag in der Hansestadt Hamburg: Erzbischof Stefan Heße hat am heutigen Donnerstagabend angekündigt, den Papst um die sofortige Entbindung von seinen Aufgaben als Erzbischof zu bitten. Hintergrund sind die gegen Heße erhobenen Vertuschungsvorwürfe im heute in Köln vorgestellten Missbrauchsgutachten (CNA Deutsch hat berichtet).

In seinem Videostatement teilte der Hamburger Erzbischof mit, dass er die Konsequenzen aus seinem "damaligen Handeln" ziehen möchte, auch wenn er damals "nach bestem Wissen und Gewissen" gehandelt habe.

Er habe viele Gespräche mit Betroffenen geführt, so Heße weiter. "Bei allem war und ist mir bewusst, dass ich dabei Fehler gemacht habe – denn niemand ist fehlerfrei, auch ich nicht", heißt es in seiner Stellungnahme. "Erst recht mit dem Blick von heute werden mir damalige Fehler bewusst." Heße wörtlich:

"Ich habe mich nie an Vertuschung beteiligt. Ich bin dennoch bereit, meinen Teil der Verantwortung für das Versagen des Systems zu tragen."

Der Hamburger Erzbischof erklärte, dass er es bedaure, falls er durch sein "Handeln beziehungsweise Unterlassen Betroffenen und ihren Angehörigen neuerliches Leid zugefügt haben sollte".

Erst vor wenigen Tagen habe er den Jahrestag seiner Bischofsweihe am 14. März 2015 in Hamburg begehen können. Jetzt werde er dieses Amt jedoch dem Heiligen Vater wieder zur Verfügung stellen. Heße dazu wörtlich:

"Um Schaden vom Amt des Erzbischofs sowie vom Erzbistum Hamburg abzuwenden biete ich Papst Franziskus meinen Amtsverzicht an und bitte ihn um die sofortige Entbindung von meinen Aufgaben."

Missbrauchsgutachten: "Heße beging 11 Pflichtverletzungen"

Wie das heute in Köln vorgestellte Missbrauchsgutachten offenlegte, entfallen auf Erzbischof Stefan Heße elf Pflichtverletzungen in neun Aktenvorgängen: Der ehemaligen Personalchef und Generalvikar in Köln hat laut Untersuchung ingesamt sechs Mal bei der Aufklärung und zwei Mal bei der Opferfürsorge sowie drei Mal bei der Meldung nicht korrekt gehandelt. Keine der Pflichtverletzungen habe zu einer Strafvereitelung geführt, so Professor Gercke.

Verschiedene Presseberichte hatten schon früh die Frage der Rolle Heßes in seiner Zeit als Personalchef des Erzbistums Köln aufgeworfen. Laut der "Bild"-Zeitung und anderen Medien sei der jetzige Erzbischof von Hamburg in "Erklärungsnot" geraten, was den Fall eines heute 69 Jahre alten Priesters betrifft, der in den 1990er Jahren seine minderjährigen Nichten über Jahre schwer sexuell missbraucht haben soll.

Ende Oktober 2020 teilte das Erzbistum Köln mit, dass einige "in der Öffentlichkeit diskutierte Informationen nicht belastbar sind, teilweise Interpretationen darstellen und sich Sachverhalte vermischen". CNA Deutsch hat die Stellungnahme im Wortlaut dokumentiert.

Heße selbst hatte sich nach eigenen Angaben bereits im November 2020 an Rom gewandt und um eine Prüfung gebeten (CNA Deutsch hat berichtet). "Auf meine Bitte hin soll Rom prüfen, ob die dann vorliegenden Untersuchungsergebnisse Auswirkungen auf mein Amt als Erzbischof in Hamburg haben", so der Erzbischof damals. In der Zwischenzeit hatte der Geistliche ebenfalls bekanntgegeben, sein Amt im "Zentralkomitee der deutschen Katholiken" (ZdK) ruhen zu lassen, bis die Vorwürfe geklärt sind.

Im Interview mit CNA Deutsch teilte Kardinal Rainer Maria Woelki gestern mit, er werde aus dem Untersuchungsbericht weitere Schritte identifizieren und einleiten. 

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