Spanischer Theologe warnt: Deutscher "Synodaler Weg" birgt große Gefahr

Thomas Sternberg (ZdK, links) und der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing (Bistum Limburg), bei der zweiten Synodalversammlung des "Synodalen Weges" am 30. September 2021 in Frankfurt am Main.
Foto: Synodaler Weg / Maximilian von Lachner

Der spanische Theologe Pater José Antonio Fortea hat vor einer ernsthaften Gefahr für die katholische Kirche gewarnt, die seiner Meinung nach vom "Synodalen Weg" in Deutschland ausgeht.

In einem Blogpost mit dem Titel "Wohin geht die deutsche Kirche?" schreibt der Priester: "Wenn wir die Geschichte der Kirche betrachten, werden wir sehen, dass ein synodaler Prozess etwas ist, das Gott will, aber dass die Ergebnisse der Konzilien nicht immer die richtigen Früchte brachten."

"Heute nennen wir Conciliabulum [wörtlich "kleines Konzil", im Deutschen auch "Gegenkonzil", Anm.d.R.] eine Versammlung, die 'in die Irre gegangen ist',  aber zu ihrer Zeit wurden sie von denen, die an ihnen teilnahmen, als solche wahren Konzilien angesehen, wie jene, die Definitionen gaben, die in das Lehramt der Kirche verabschiedet worden sind", so der Theologe.

Pater Fortea warnt davor, dass "eine Synode, ein Konzil, jede kirchliche Versammlung, in eine übertriebene und unrechtmäßige Richtung gehen kann, es kann Druck geben".

"Und dazu muss man sagen, dass ein Regionalrat oder eine Provinzialsynode nicht unbedingt Ausdruck des Glaubens der Kirche sein muss", fügt er hinzu.

Der "Synodale Weg" in Deutschland ist ein Prozess, an dem Bischöfe und Laien teilnehmen, um Themen wie Machtausübung, Sexualmoral, Priestertum und die Rolle der Frau in der Kirche zu debattieren.

Der Prozess begann am 1. Dezember 2019 und soll bis 2023 dauern.

Im Oktober waren die Beratungen in Frankfurt abrupt abgebrochen worden. Zuvor war es bei diesem Treffen bereits zu Spannungen und Konflikten gekommen.

Papst Franziskus warnte bekanntlich schon in seinem Brief an die deutschen Katholiken mit deutlichen Worten vor einer "Zerstückelung" des Volkes Gottes angesichts des "Synodalen Wegs".

Katholiken in Deutschland und aller Welt haben sich zunehmend besorgt über die Richtung der kontroversen Veranstaltung gezeigt, und nicht nur Papst Franziskus hat vor der Gefahr eines "neuen deutschenSchismas mit der katholischen Kirche gewarnt.

Pater Fortea betont, dass "eine regionale Synode" sicher den "Beistand des Heiligen Geistes" habe – aber sich nicht sicher sein könne, "dass das Endergebnis ein unanfechtbarer Ausdruck des Glaubens der Kirche sein wird."

"Bei einem Konklave zum Beispiel ist der Beistand des Heiligen Geistes garantiert, aber das bedeutet nicht, dass die Kardinäle auf die Stimme Gottes hören. Die Wahl eines Papstes ist nicht unbedingt Ausdruck dessen, was Gott gewollt hat", erklärt der Theologe.

Für Fortea ist damit klar, dass "das Hören auf den Heiligen Geist absolut notwendig ist. Ob das Ergebnis Ausdruck des Willens Gottes ist oder nicht, wird von diesem Hören abhängen."

"Es tut mir leid, wenn ich damit eine gewisse Vorstellung über Synoden als etwas Absolutes erschüttern werde. Aber die Geschichte der Kirche ist eindeutig: Nur universale Konzilien in Einheit mit dem Papst sind Garant für Unfehlbarkeit. Das ist die beständige Tradition der Kirche", bekräftigt der Priester.

Deshalb, fährt Fortea fort, "müssen sich die Teilnehmer der deutschen Synode ihrer eigenen Fehlbarkeit bewusst sein, sowohl persönlich als auch kollektiv".

"Sie können sich nicht von der Struktur der Wahrheit trennen, die wir als 'Universalsynode' bezeichnen könnten."

Pater Fortea schreibt weiter: "Da wir uns nicht darüber einig sind, was zum Glauben gehört und was nicht, müssen wir zumindest die kirchliche Struktur akzeptieren, um den Glauben zu schützen, der in der Kirche von Jesus Christus selbst eingeführt wurde, als er auf Erden war."

"Wenn diese 'universale kirchliche Ordnung' nicht akzeptiert wird, beginnt die Synode ihre Beratungen von einem exzentrischen Ausgangspunkt aus. Es ginge dann nicht um diese oder jene moralische oder biblische Frage, sondern um das Wesen der Kirche selbst, um die Fähigkeit der Kirche, den uns von Christus gegebenen Glauben zu bewahren".

Pater Fortea betont, dass "die Theologie innerhalb einer homogenen Entwicklung des Dogmas voranschreiten" müsse. "Meine Positionen sind progressiv, aber ein Progressivismus, der an ein depositum fidei, das Glaubensgut, glaubt".

"Wenn aber der Progressivismus eine Revolution beinhaltet, d.h. die Zerstörung der Pfeiler, die unsere Verbindung mit einer unveränderlichen Wahrheit aus der Vergangenheit stützen; dann rechnen Sie nicht mit mir in diesem 'Flächenbrand'", bekräftigt Pater Fortea.

"Ich bin Spanier, und die Wahrheit ist in Deutschland und in Spanien dieselbe". Eine deutsche Veranstaltung könne nicht bestimmen, "was die Wahrheit für die Spanier ist. Und natürlich ist die Wahrheit in Nordeuropa nicht das eine und im Süden etwas anderes."

Es sei ein Trugschluss zu glauben, dass das, was im siebten Jahrhundert wahr war, im achtzehnten Jahrhundert nicht mehr wahr sein könnte.

Der deutsche "Synodale Weg", so sehr er auch demokratisch sein mag, könne für ihn nicht verbindlich sein, erklärt der Priester.

Pater Fortea weist auch darauf hin, dass "alle Teilnehmer akzeptieren müssen, dass sie Teil einer Familie sind und dass eine bestimmte Anzahl von Stimmen die Kirche auf den fünf Kontinenten nicht zwingen kann, etwas zu glauben oder nicht zu glauben; denn die Fragen, die in dieser deutschen Versammlung debattiert wurden, berühren direkt, was die Wahrheit in der Kirche ist: hat die Kirche einen Fehler gemacht, indem sie dieses oder jenes universell lehrte?"

Der Theologe betont, dass "es naiv wäre, nicht zu erkennen, dass die aufgeworfenen moralischen Fragen das Konzept des Lehramtes in der katholischen Kirche in seiner Gesamtheit berühren".

Fortea wörtlich: "Entweder wird akzeptiert, dass jede Entscheidung für die 'universale Familie' gilt, oder es wird akzeptiert, dass es 'Hirten der Hirten' mit einem Spezialauftrag von Christus gibt."

Andernfalls, so warnte er, "würden viele Deutsche in denselben kirchlichen Irrtum verfallen wie die koptische Kirche im fünften Jahrhundert (als sie die Gemeinschaft mit der Katholischen Kirche aufbrach) oder die armenische Kirche (als sie sich im siebten Jahrhundert abspaltete) oder die Altkatholiken (im 19. Jahrhundert)."

Übersetzt und redigiert aus dem Original der CNA Deutsch-Schwesteragentur. 

Das könnte Sie auch interessieren: