"Was Präsidentschaft Trumps betrifft, müssen wir abwarten": Papst Franziskus

Papst Franziskus auf dem Petersplatz am 18. Juni 2016.
Foto: CNA/Alexey Gotovskiy
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In einem am gestrigen Samstag veröffentlichten neuen Interview hat der Papst erklärt, er werde erst einmal abwarten, was ein US-Präsident Donald Trump macht, bevor er sich ein Urteil erlaube.  

Gegenüber der spanischen Zeitung "El Pais" sagte Franziskus, er vermeide "vorschnelle Urteile über Menschen". 

Mit Blick auf den 45. Präsidenten der USA sagte der Pontifex: "Wir werden sehen, wie er handelt, was er tut, und dann werde ich eine Meinung haben. Aber Angst zu haben oder vorweg zu jubeln weil es passieren könnte, ist, aus meiner Sicht, sehr unklug."

"Wir werden sehen. Wir werden sehen was er tut und werden urteilen", so Franziskus. 

Auf die Frage, ob er sich nicht Sorgen mache über die Dinge, die er über Trump gehört habe, antwortete der Papst erneut, dass er erst einmal abwarte: "Gott hat so lange auf mich gewartet, mit all meinen Sünden..."

In dem weitreichenden Interview sprach Franziskus unter anderem über Migration, Wirtschaftsfragen, vatikanische Diplomatie und das Evangelium. 

Migration, Sicherheit und Dialog

Vor dem Hintergrund der Migrationskrise und Terror-Gefahr sagte der Papst, jedes Land habe das Recht, seine Grenzen zu kontrollieren: "Zu wissen, wer hereinkommt und wer hinausgeht." Vom Terror bedrohte Länder hätten das Recht, sie noch strenger zu kontrollieren, so Franziskus. Doch Recht auf strenge Kontrollen schließe nicht Dialog aus, betonte der Pontifex. Am wichtigsten sei, dass Menschen, die dringend Hilfe bräuchten auch geholfen werde - dann müssten Migranten und Flüchtlinge geholfen werden, sich in ihren neuen Ländern zu integrieren. 

Mit Blick auf den Dialog nannte der Papst die Zustände im Deutschland der 1930er Jahre. Die Menschen in Krise hätten damals einen charismatischen Führer gesucht, der ihnen eine klare Identität gebe. "Wir wissen alle, was [dann] geschehen ist", so Franziskus. Aber was daran wichtig sei: Dass die Menschen damals nicht miteinander gesprochen hätten: "Es gab kein Gespräch". 

Vatikanische Diplomatie

Auf die Frage nach der vatikanischen Diplomatie und ihrem Image, einschließlich des öffentlichen Danks von Barack Obama und Raul Castro auf der einen Seite und öffentlicher Kritik von anderer Seite, sagte der Papst, er bitte den Herrn, "dass er mir die Gnade schenke, keine Maßnahmen um des Images willen zu ergreifen".

"Ehrlichkeit, Dienst, das sind die Kriterien". Fehler würden manchmal gemacht, das schade dem Rufe, "aber das macht nichts, wenn es guten Willen gab. Letztlich urteilt die Geschichte", sagte Franziskus.

Leitprinzip für pastorales Handeln wie vatikanische Diplomatie sei es, "Schlichter statt Vermittler zu sein".

"Wir bauen Brücken, nicht Mauern", so Franziskus. Das sei der Unterschied zwischen einem Schlichter und einem Vermittler: "Ein Vermittler ist jemand, der ein Geschäftsabkommen abschliesst, einen Dienst leistet und dann dafür entschädigt wird".

Ein Schlichter dagegen sei jemand, der beiden Seiten diene "und will, dass beide Parteien gewinnen, selbst wenn er dabei verliert", sagte der Papst. "Vatianische Diplomatie muss ein Schlichter sein, kein Vermittler."

Über Kritik an seinen Reformschritten 

Auf die Frage nach Kritik an seinen Änderungen im Vatikan, sowohl von traditionellen wie progressiven Beobachtern, und ob diese eine "Revolution der Normalität" darstellten oder bereits im "Wesen des Evangeliums" enthalten seien, antwortete Franziskus einfach, dass er ein "Sünder und nicht immer erfolgreich" sei.

"Ich versuche – Ich weiß nicht ob es mir gelingt – zu tun, was das Evangelium sagt. Das ist es, was ich versuche", sagte er.

Der Papst betonte: "Die echten Helden in der Kirche sind die Heiligen. Also die Männer und Frauen, die ihr Leben dazu verwendeten, das Evangelium eine Realität zu machen". Die Heiligen seien die konkreten Beispiele für das Evangelium im Alltag.

Ein glücklicher Papst

In einem abschliessenden Kommentar ging es darum, dass Franziskus ein sehr glücklicher Papst zu sein scheine. "Der Herr ist gut und hat mir nicht meinen guten Humor weggenommen", sagte er.

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