ZdK-Präsident Sternberg zum Flachsbarth-Skandal: Sind uns "völlig einig"

Der CDU-Politiker Thomas Sternberg ist seit 2015 Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK).
Rudolf Gehrig / CNA Deutsch

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, hat das Lob und die aktive Unterstützung seiner Partei-Kollegin Maria Flachsbarth (CDU) von Planned Parenthood verteidigt. Er sei sich "völlig einig" mit Flachsbarth, so Sternberg in einer Stellungnahme gegenüber CNA Deutsch.

Flachsbarth ist seit 2011 Präsidentin des Katholischen Deutschen Frauenbundes. Die Organisation "Planned Parenthood" ist einer der weltweit größten Abtreibungsanbieter.

Auf Anfrage von CNA Deutsch hatte die Präsidentin des Katholischen Deutschen Frauenbundes (KDFB) am vergangenen Freitag über eine Sprecherin ihr Engagement als "Champion" der von Planned Parenthood unterstützten Initiative "SheDecides" bestätigt – und für ein Verständnis von "reproduktiver Gesundheit", zu dem Verhütung und Abtreibung gehören. Flachsbarth teilte sogar gegenüber CNA Deutsch mit, "Planned Parenthood" leiste durch die "medizinische Begleitung von Müttern und Kindern während der Schwangerschaft und Geburt" einen "großen Beitrag".

Thomas Sternberg teilte am Montagabend gegenüber CNA Deutsch mit, dass er und Flachsbarth sich "völlig einig" seien in ihrer "Ablehnung von Abtreibungen". CNA Deutsch hatte Sternberg zu seiner Aussage von 2018 gefragt, als der Politiker und ZdK-Funktionär das "mangelnde Bewusstseins für den Wert des ungeborenen Lebens" beklagte.

In dieser Haltung und Flachsbarths lobender Unterstützung eines Abtreibungsanbieters sieht Sternberg "keinen Gegensatz". Wörtlich teilte der ZdK-Präsident mit: 

"Ich sehe keinen Gegensatz zwischen ihren [Flachsbarths] und meinen zitierten Äußerungen. Immer hat sich das ZdK vehement für den Lebensschutz eingesetzt. Wir haben in Deutschland eine gesetzliche Regelung, nach der ein Schwangerschaftsabbruch ohne medizinische oder kriminologische Indikation rechtswidrig ist. Wir wissen aber auch, dass wir das Leben der ungeborenen Kinder nur gemeinsam mit einer ungewollt schwangeren oder in einer Notlage befindlichen Mutter schützen können und nicht gegen sie."

Zum Schutz des Lebens brauche es "Ermutigung zu einer verantworteten Elternschaft" sowie konkrete Hilfen.

"Politischer Kompromiss"

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In seiner Stellungnahme schwenkt Sternberg zur rechtlichen Situation in Deutschland, während Flachsbarths Rolle die weltweiten Operationen von Planned Parenthood unterstützt.

Der Politiker teilt mit, die bundesdeutsche Beratungsregelung sei ein solcher "Schutz". Das ZdK wiederum unterstütze diesen "politischen Kompromiss".

Der ZdK-Präsident teilt weiter mit, dass sowohl er als auch seine Vorgänger "auch bei einem starken gesellschaftlichen und politischen Gegenwind" diese Regelung unterstützt hätten, "weil wir Abtreibungen verhindern wollen und vielfach verhindern können".

Eine Abtreibung sei weiterhin die Möglichkeit eines "letzten, schrecklichen Auswegs":

"Wir wissen zugleich, dass eine Abtreibung leider nicht in jedem Schwangerschaftskonfliktfall verhindert werden kann – davon spricht Maria Flachsbarth, wenn sie sagt, eine Abtreibung könne für eine Frau im Einzelfall 'ein letzter schrecklicher Ausweg' sein. Es ist aber für uns völlig klar, dass Abtreibungen keines der Mittel zur Familienplanung sind."

Durch Bildung und Information müssten "Frauen stark gemacht werden, sich für die Zahl ihrer Kinder und auch für ihr werdendes Leben entscheiden zu können". 

Konfliktpunkt Beratungsschein: Eine "Lizenz zum Töten"?

Der Konflikt zu diesem Thema geht zurück bis mindestens in die 1990-er Jahre. Der heilige Papst Johannes Paul II. hatte 1998 in einen Brief an die deutsche Bischofskonferenz darum gebeten, dass in kirchlichen Beratungsstellen keine Beratungsscheine mehr ausgestellt werden sollen, da eine solche Beratung zwar zum Schutz des ungeborenen Menschen führen könnte, aber eben auch die Gefahr bestehe, dass sich die Kirche durch die Ermöglichung einer Abtreibung mithilfe dieses Scheins ihrem Zeugnis für das Leben unglaubwürdig mache.

Der katholische Philosoph Manfred Spieker hatte den Beratungsschein in einem Artikel für die FAZ damals "Tötungslizenz" genannt.

Daraufhin wurde 1999 aus den Reihen der Mitglieder des ZdK gegen den Widerstand der Bischöfe der bis heute umstrittene Verein "Donum Vitae" gegründet. Nach eigenen Angaben setzt sich der Verein "für den Schutz des menschlichen Lebens, namentlich den Schutz des Lebens ungeborener Kinder" ein und ist - der eigenen Auffassung nach - konfessionell katholisch. 

Eine kirchenamtliche Anerkennung hat dieser Verein jedoch nicht, da "Donum Vitae" eben jene Beratungsscheine an schwangere Frauen ausstellt, die nötig sind, um eine Abtreibung vornehmen zu können.

In einer Erklärung der DBK vom 20. Juni 2006 wurde "Donum Vitae" noch als "eine Vereinigung außerhalb der Katholischen Kirche" bezeichnet. Obwohl der Konflikt weiterhin besteht, würdigte 2018 jedoch der damalige Vorsitzende der DBK, Kardinal Reinhard Marx, den Verein in einem Brief an den ZdK-Vorsitzenden Thomas Sternberg:

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"Es besteht kein Zweifel, dass das Ziel von Donum Vitae ebenso wie das der bischöflich verantworteten Schwangerenberatung der Schutz des ungeborenen Menschen ist. Ich stelle fest, dass es über die Jahre hinweg auch vielen Beraterinnen von Donum Vitae gelungen ist, zahlreichen Frauen bzw. Eltern Mut zu machen für ein Leben mit dem Kind, und dafür bestmögliche Hilfestellungen zu bieten. Dafür dürfen wir gemeinsam dankbar sein."

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