Interkommunion beim Ökumenischen Kirchentag

Protestantische Präsidentin des ÖKT empfing den Leib Christi, katholischer Präsident bei Abendmahl - Bischof Bätzing: "Synodaler Weg" wird zu Ergebnissen führen

Thomas Sternberg (links) und Bischof Georg Bätzing
Foto: Rudolf Gehrig / CNA Deutsch // Bistum Limburg

Mit der provokativen Geste der Interkommunion durch seine Präsidenten gipfelte am vergangenen Wochenende der vom 13. bis 16. Mai in Frankfurt abgehaltene "Ökumenische Kirchentag". Die Veranstaltung wurde - obwohl inzwischen schon die Hälfte der Deutschen ihre erste Impfdosis gegen das Covid-19-Virus erhalten hat - aufgrund der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Virus-Pandemie überwiegend durch virtuelle Treffen per Video abgehalten. Zudem fanden Treffen und liturgische Feiern an über 100 Orten der Stadt statt.

Die laut Programm "konfessionellen Gottesdienste" am Samstagabend wurden als "Eucharistie ökumenische sensibel feiern" und "Abendmahl ökumenisch sensibel feiern" publiziert. Dabei kam es am Samstag, 15. Mai, nicht nur zur öffentlichen Interkommunion durch die Präsidenten der Veranstaltung: Zum Auftakt der Feier der heiligen Messe im Kaiserdom sagte der Frankfurter Stadtdekan Johannes zu Eltz, er bitte evangelische Christen um Entschuldigung, weil sie oft unter dem Hochmut und Abgrenzungsbemühungen von katholischer Seite zu kämpfen hätten. Eltz weiter: "Ich bitte dafür um Verzeihung und danke für die Langmut."

Die offizielle Festveranstaltung des Events war "Eine festlich-kurzweilige Begegnung der Veranstalter des 3. ÖKT mit Gästen aus Politik, Kirchen, Kultur und Held*innen der Corona-Pandemie aus Frankfurt und Umgebung. Unter Mitwirkung des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier." Weitere Themen des ÖKT, dessen offizielles Motto "schaut hin" war, waren etwa Bibelstunden mit prominenten Christen, Podiumsdiskussion über Zivilcourage, "Rechtsterrorismus in Deutschland", sowie "Schöpfung und Klimakrise".

In Video-Interviews sprachen der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing von Limburg, und der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, über ihre Sicht des umstrittenen "Synodalen Wegs" und dessen weitere Entwicklung. Die zweijährige Debattenverstanstaltung soll im Herbst 2021 zu ihrem Ende kommen. 

Bischof Bätzing wurde nach der effektiven Entscheidungsfähigkeit des Prozesses gefragt. Dieser ist bekanntlich - aufgrund mehrerer Interventionen des Vatikans - nicht mehr "verbindlich", wie ursprünglich angekündigt.

"Wenn wir zu Beschlüssen kommen, und das werden wir, dann wird das eine Dynamik entfalten, die auch zu Ergebnissen führt", sagte dazu Bätzing. Diese Erwartung hat der Nachfolger von Kardinal Reinhard Marx, der den "Prozess sui generis" begründet hatte, bereits mehrfach geäußert. 

Zu seiner Aussage, dass der Protest-Tag "Liebe Gewinnt", bei dem an etwa 100 Orten in Deutschland homosexuelle Paare gesegnet wurden, nicht hilfreich sei, sagte Bätzing, seine Äußerung sei eher der Tatsache geschuldet gewesen, dass die Segnungszeremonie als polemisches Instrument eingesetzt werde: "Dagegen wollte ich reagieren, nicht dagegen, dass wir Schritte in diese Richtung unternehmen".

Bätzing fügte hinzu, dass er den Wunsch dieser Paare verstehe, und das Anliegen, in einer Kirche den Segen so zu empfangen.

Der Limburger Hirte weiter: Ihm gehe es darum, "dass wir Partnerschaften, die in Treue und Vertrauen miteinander leben, die dieses Leben auf dem Fundament ihres christlichen Glaubens gestalten und damit ein Glaubenszeugnis geben, den Segen Gottes schenken".

Das "Nein" des Vatikans habe ihn überrascht und sei auch nicht "hilfreich" gewesen, sagte er, und wiederholte frühere Aussagen dahingehend, dass der Vatikan nur den Stand der Lehre wiedergegeben habe. Die Pastoral gehe schon längst über die Lehre hinaus, und deshalb müsse die Lehre weiter "entwickelt" werden. Auch zur Frage der Rolle der Frau in der Kirche und dem Zugang zu Ämtern wiederholte Bätzing frühere Aussagen, dass diese Debatte weiter zu führen sei.

Der katholische Präsident des Ökumenetages und des ZdK, Thomas Sternberg (CDU), sagte am vergangenen Samstag, dass die Themen des "Synodalen Weges" auch für die Weltkirche relevant seien, was sich daran zeige, dass auch in Österreich, Irland, Australien, Frankreich und Italien ähnliche Prozesse laufen würden.

Der Weg werde ein "Wegenetz" werden, so Sternberg. Weiter bezog er sich auch auf die Frage einer Weihe von Frauen zu Priestern. Mit dem apostolischen Schreiben Ordinatio Sacerdotalis habe Papst Johannes Paul II. versucht, "diese Frage abzuwürgen. Die Frage wurde in der Kirche nicht geführt, und jetzt bricht sie mit aller Macht auf", so der Funktionär und Politiker.

Beim Kirchentag nahm der Katholik Sternberg an einem protestantischen Abendmahl teil, und die protestantische Präsidentin des ÖKT, Bettina Limperg, empfing die heilige Kommunion aus der Hand des Frankfurter Stadtdekans, Johannes zu Eltz.

Im Vorfeld hatte Bischof Bätzing erklärt, dies sei möglich als individuelle "Gewissensentscheidung". 

"Papst Franziskus besorgt"

Bischof Bätzing ist Ko-Vorsitzender des "Ökumenischen Arbeitskreises" (ÖAK).  Hintergrund dieser Vorgänge in Frankfurt waren Forderungen nach einer "Mahlgemeinschaft" mit protestantischen Gemeinden im Papier "Gemeinsam am Tisch des Herrn", das der Arbeitskreis unter Vorsitz von Bätzing und dem emeritierten evangelischen Bischof Martin Hein (Kurhessen-Waldeck) verabschiedet hatte. Darin sprechen sich beide für eine Art von Interkommunion aus, die sie wörtlich als "eine Öffnung von Eucharistie und Abendmahl für Christen anderer Traditionen" beschreiben. Zwar könne "eine gemeinsame Feier des Herrenmahles" noch nicht ermöglicht werden, jedoch wolle der ÖAK "einen theologischen Begründungsrahmen zur Verfügung stellen für den Respekt vor der individuellen Gewissensentscheidung einzelner Gläubiger, zur Eucharistie beziehungsweise zum Abendmahl hinzuzutreten".

Wie CNA Deutsch berichtete, erteilte die Glaubenskongregation bereits im September 2020 der Forderung des ÖAK eine klare Absage

Zwischen Katholiken und Protestanten kann es derzeit könne es keine Interkommunion in Form einer "Mahlgemeinschaft" geben, erinnerte Rom die deutschen Bischöfe in einem Brief an Bischof Bätzing. Dieser ist der amtierende Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz und Ko-Vorsitzender des "Ökumenischen Arbeitskreises" (ÖAK). 

Mit der Intervention gehe es weniger um die vielbeschworene Rede von einer "Öffnung" oder deren "Blockade" mit Blick auf ein gemeinsames "Mahl": Es geht um ein grundsätzlich anderes Verständnis von Eucharistie und Realpräsenz. Die "katholischen Grundverständnisse" von Kirche, dem Opferbegriff der Eucharistie und des Weiheamts sind "nicht ausreichend geklärt", monierte die Glaubenskongregation jedoch bereits damals. Damit würden "zentrale Themen des Depositum fidei, Glaubenswahrheiten, de fide tenendae"direkt berührt.

Die Forderungen des ÖAK könnten zudem die Ökumene mit den Geschwistern der Orthodoxie belasten, warnte der Vatikan weiter. Die Zahl der orientalischen Christen aus den noch nicht in voller Gemeinschaft mit der Katholischen Kirche stehenden Ostkirchen wachse zudem in Deutschland.

"Ich erinnere auch daran, dass Papst Franziskus bereits im vergangenen Jahr einen langen Brief an das pilgernde Volk Gottes in Deutschland geschrieben hat", so Koch.

In dem Brief warnt der Papst vor Spaltungen und ruft zur Evangelisierung und Einheit mit der Weltkirche auf. Tatsächlich war die Korrektur der Kongregation für die Glaubenslehre gegenüber Bätzing nicht die erste Intervention aus Rom in den vergangenen Monaten. Weitere Themen, die bis heute für Spannungen sorgen, sind die Pfarrei-Instruktion des Vatikans, der umstrittene "Synodale Weg" sowie die geplante Reduzierung der Zahl von Pfarreien in deutschen Bistümern.

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