Bischof Voderholzer: Jesus Christus, die Krise des Glaubens und der "Synodale Weg"

Christkindlandacht mit Bischof Rudolf Voderholzer am 24. Dezember 2019
Foto: Veit Neumann / Bistum Regensburg

Eine deutliche Warnung vor einer Welt ohne echtem Verständnis von Weihnachten – und daran geknüpft ein Gebet mit Blick auf den "Synodalen Weg" und die Kirchenkrise in Deutschland: In seiner Predigt am heutigen Hochfest zu Weihnachten hat Bischof Rudolf Voderholzer dafür gebetet, dass die Verantwortlichen in der Kirche "den Glauben an die Menschwerdung Gottes neu zur Sprache bringen" können.

"Weihnachten ist das Fest der Inkarnation Gottes, der Fleischwerdung Gottes. Gott überbietet alle Weisen der Mitteilung in Schöpfung, Berufung der Propheten, Übermittlung der 10 Gebote usw., er überbietet sie dadurch, dass er selbst in die Geschichte eingeht", so Voderholzer.

In seiner Weihnachtspredigt am 25. Dezember betonte der Regensburger Oberhirte, dass der heutige Tag das Fest der Fleischwerdung Christi in diesem Sinne ist.

Angesichts des von Papst Franziskus in seinem aufsehenerregenden Brief an die deutschen Katholiken angesprochenen Glaubenskrise in Deutschland bestehe aber "die begründete Sorge, dass selbst für viele Christen in unserem Land dieser Jesus von Nazaret zwar ein besonders religiöser und auf seine Weise genialer Mensch war", aber irgendwie trennbar als Person von seiner Botschaft. 

Dies sei jedoch unmöglich, betonte der Bischof. Gerade auch dann nicht, wenn man Jesu Botschaft mit anderen Botschaften kombinieren wolle, "so dass immer noch ein gewisser Sinn gewahrt bleibt".

Voderholzer wiederholte damit heite eine Warnung, die ähnlich auch Papst Franziskus in seinem Brandbrief ausgesprochen hat – mit einem Zitat von Joseph Ratzinger warnt Franziskus vor der Versuchung der Häresie des "Gnostizisimus" einer vermeintlich "erleuchteten" Elite, die meint "voranzuschreiten" müssen und dabei den Leib der Kirche zerstückeln will. 

Die Geburt Jesu als Inkarnation sei weder "Mythos" noch eine "Chiffre", die dann "kompatibel mit den Wahrheitsansprüchen anderer Religionen" wäre, unterstrich der Bischof mit einem Zitat des renommierten Theologen und Ratzinger-Preisträgers Karl-Heinz Menke. Angesichts des "Synodalen Wegs" eine brennend aktuelle Warnung, unterstrich Voderholzer:  

"Die Unsicherheit und Unbestimmtheit in Bezug auf das zentrale Bekenntnis von Weihnachten, das Schwachwerden des Inkarnationsglaubens hat enorme Folgen für die übrigen Glaubensinhalte, gerade auch für die, über die jetzt beim so genannten Synodalen Weg gesprochen werden soll."

Der Schweizer Kardinal Kurt Koch habe gezeigt, "wie geradezu in einem Domino-Effekt alle weiteren Glaubensinhalte fallen, wenn das zentrale Geheimnis der Inkarnation nicht mehr erfasst wird", warnte Voderholzer.

"Ohne den Inkarnationsglauben wird die Welt ein seelenloses Getriebe austauschbarer Funktionen, eingeschlossen in die bloße Immanenz, und, ihrer natürlichen Zeichenhaftigkeit über sich hinaus beraubt, letztlich auch zur Materie beliebiger menschlicher Manipulation."

Wenn Jesus nur ein Mensch und die Kirche demzufolge auch nur eine rein menschliche Institution wäre, so der Bischof weiter, dann folgte zweitens, dass auch die Eucharistie eine bloße Veranstaltung der Kirche und rein "menschliche Institution" ist.

"Nach katholischer Überzeugung aber ist die Feier der Eucharistie gerade Höhepunkt und Quelle kirchlichen Lebens und so auch im tiefsten der Lebensort, an dem uns geschenkt wird, was uns übersteigt und was wir nicht aus uns selbst hervorbringen können."

Daran knüpfte der Bischof in seiner Weihnachtspredigt die Warnung, dass die sakramentale Struktur der Kirche mitverhandelt wird – "auch die Berufung zum priesterlichen Dienst oder Ordensleben" sowie der Zölibat

"Ohne den Glauben an den Mensch gewordenen und auferstandenen Christus wird die Ehelosigkeit um des Himmelsreiches willen zu einem kuriosen Unterfangen. Allenfalls, etwa im Blick auf den Dalai Lama, kann etwas dergleichen noch als exotische Askese-Form hingenommen werden. Aber die eigentliche Bedeutung, nämlich ein eschatologisches Zeichen der Hoffnung zu sein, fällt aus."

Mehr noch: Selbst die Geschlechterdifferenz werde in der Konsequenz einer Leugnung der Identität von Jesus Christus beliebig, betonte Bischof Voderholzer.

"Die Offenbarung Gottes schreibt sich ein in die natürliche Zeichenhaftigkeit des Gegenübers von Mann und Frau, als die Gott den Menschen geschaffen hat. Erst im Licht der Inkarnation kann auch die eheliche Verbindung von Mann und Frau zur gegenseitigen Ergänzung und zur Eröffnung von Zukunft zum Sakrament, zur sakramentalen Vergegenwärtigung von Gottes Liebe erhoben werden."

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