Herbstvollversammlung 2021 der deutschen Bischofskonferenz in Fulda beginnt

Bischof Georg Bätzing bei der Pressekonferenz zum Auftakt der Herbstvollversammlung 2021 der deutschen Bischofskonferenz in Fulda.
Foto: Screenshot Youtube katholisch.de

In Fulda findet vom heutigen Montag bis einschließlich Donnerstag die Herbstvollversammlung der deutschen Bischofskonferenz statt. In einer halbstündigen Pressekonferenz hat heute Mittag der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, noch einmal die Bedeutung des umstrittenen "Synodalen Weges" betont und den Ruf nach "dringenden Reformen" beschworen.

Erzbischof Stefan Heße in Fulda dabei

Bätzing bestätigte auch, dass der Hamburger Erzbischof Stefan Heße an den Beratungen teilnehmen werde. Vergangenen Mittwoch hatte der Vatikan bekanntgegeben, dass Papst Franziskus das Rücktrittsangebot Heßes nicht angenommen habe (CNA Deutsch hat berichtet). 

Heße hatte im März diesen Jahres sein Amt zur Verfügung gestellt, nachdem das vom Kölner Erzbistum in Auftrag gegebene Missbrauchsgutachten dem früheren Personalchef der Erzdiözese mehrere Verfehlungen im Umgang mit Missbrauchstätern vorgeworfen hat.

Die Entscheidung des Papstes hatte mehrheitlich für Kritik gesorgt. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) etwa bezeichnete diese Entscheidung als einen "Schlag ins Gesicht". Bischof Bätzing dagegen hatte in einer ersten Reaktion mitgeteilt, dass er "dankbar" für dieses Machtwort des Papstes sei.

Auf der heutigen Pressekonferenz unterstrich der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz erneut seine Dankbarkeit für die Entscheidung des Papstes, Heße im Amt des Erzbischofs zu belassen. Bätzing räumte aber ein, dass er "gut verstehen" könne, dass viele Menschen - vor allem Betroffene - verärgert darüber seien.

Der "Synodale Weg"

Bätzing erklärte, dass der "Synodale Weg" nun in den "Endspurt" gehe. Nächste Woche findet in Frankfurt am Main vom 30. September bis zum 2. Oktober die zweite Synodalversammlung statt, bei der auch über die Beschlussvorlagen der einzelnen Synodalforen abgestimmt werden sollen, wenngleich diese "Beschlüsse" weiterhin kirchenrechtlich nicht bindend sind.

Dennoch gehe es beim "Synodalen Weg" nicht um die Texte, betonte Bätzing. "Menschen innerhalb und außerhalb der Kirche sollen merken können, dass sich Wesentliches verändert", so der Vorsitzende der Bischofskonferenz wörtlich.

Bätzing deutete außerdem an, dass er gerade bei den wiederkehrenden Fragen nach der Rolle der Frau oder nach einer Änderung der Sexualmoral der Kirche auch persönlich nach "Reformen" drängen würde, wenngleich in diesen Punkten innerhalb der deutschen Bischofskonferenz keine Einigkeit herrsche. "In manchen Punkten liegen wir sehr weit auseinander", gestand der Limburger Bischof. Deshalb sei es wichtig, im Gespräch zu bleiben und "miteinander zu comitten".

Die von Papst Franziskus angekündigte Weltsynode über die Synodalität begrüße er sehr, so der Bischof weiter. Man spüre dadurch "einen starken Rückenwind" für den "Synodalen Weg" in Deutschland, behauptete Bätzing.

Dennoch gibt es weiterhin viele Befürchtungen aus dem In- und Ausland, die Kirche in Deutschland könne durch den "Synodalen Weg" in eine Art "Nationalkirche" abdriften und sich von der übrigen Weltkirche abspalten.

Einige Gläubige befürchten schon jetzt ein Schisma und haben deshalb eine entsprechende Anfrage an die Glaubenskongregation in Deutschland gestellt, wie CNA Deutsch berichtete.

Kritik an Bischof Voderholzer?

Bei der anschließenden Fragerunde wurde auch der Vorstoß des Regensburger Bischofs Rudolf Voderholzer thematisiert, der Anfang September einen "Alternativtext" zum "Synodalen Weg" vorgestellt hatte (CNA Deutsch hat berichtet). Mehrere Mitglieder des Synodalforums "Macht und Gewaltenteilung" hatten sich daran beteiligt. Autoren waren unter anderem der Bonner Stadtdechant Wolfgang Picken, die Wiener Theologieprofessorin Marianne Schlosser, und Augsburgs Weihbischof Florian Wörner. 

Die Autoren zeigen sich unzufrieden mit dem Inhalt des in ihrem Forum des Prozesses diskutierten und verabschiedeten Textes. "Wir konnten viele theologische Grundthesen des Textes von Forum 1 nicht teilen. Wir haben zudem die Erfahrung machen müssen, dass unsere inhaltlichen Eingaben keine angemessene Beachtung gefunden haben," erklärte Alina Oehler, die sich als Mitglied des Forums ebenfalls beteiligte. Man habe sich deshalb dazu entschlossen, einen eigenen Text zu verfassen. Wichtig sei es dabei gewesen, so die Journalistin und junge Mutter, Reformvorschläge zu entwickeln, die sich aus der geltenden Dogmatik und dem Kirchenrecht ableiten lassen. 

Auf Nachfrage einer Journalistin, ob durch diesen Vorstoß nun "die Reformen in Gefahr" seien, antwortete Bätzing: "Das sehe ich gar nicht, es knirscht auch in dieser Hinsicht nicht." Zwar sei diese Aktion durchaus "ein Überraschungsmoment" gewesen, doch der Vorsitzende der Bischofskonferenz stellte klar: "Die Arbeit am 'Synodalen Weg' wird im 'Synodalen Weg' nach seinem Statut geschehen."

Das "entscheidende Gremium" sei die Synodalversammlung, unterstrich Bätzing, "was daneben läuft, findet nicht mehr gut hinein." Man werde "auf dem Weg entscheiden, ob es klug war oder nicht klug, das zu tun, was Bischof Voderholzer getan hat." Der Limburger Bischof fügte hinzu:

"Aber jeder Bischof und jeder Synodale ist auch frei sich auf diese Weise zu äußern. Das gefährdet den 'Synodalen Weg' in keiner Weise."

Die Themen der kommenden Tage

"Ein Schwerpunkt der Beratungen ist der Fortgang des 'Synodalen Weges', auch mit Blick auf die vom 30. September bis 2. Oktober 2021 stattfindende zweite Synodalversammlung in Frankfurt am Main sowie die Vorbereitungen für die Weltbischofssynode in Rom, die in einem weltweiten Prozess am 9. Oktober 2021 beginnen", teilte die Bischofskonferenz bereits im Vorfeld mit.

Erneut wird im Themenfeld "Aufklärung und Aufarbeitung" über aktuelle Fragen und Sachstände aus der Studie "Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz" (die sogenannte MHG-Studie) gesprochen.

Ein weiterer Schwerpunkt sind die Wahlen der Mitglieder, der Vorsitzenden und stellvertretenden Vorsitzenden sowie der Beraterinnen und Berater der 14 Kommissionen der deutschen Bischofskonferenz sowie der Unterkommissionen. Außerdem wird sich die Vollversammlung mit einer Neufassung der Leitlinien zur Jugendpastoral befassen.

An der Eröffnungssitzung der Vollversammlung am heutigen Montag nimmt der Apostolische Nuntius, Erzbischof Nikola Eterović, teil. Als Gast anderer Bischofskonferenzen wird Erzbischof Stanisław Budzik (Polen/Lublin) anwesend sein.

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