Präsident der päpstlichen Kinderschutzkommission lobt "Ehrlichkeit" von Benedikt XVI.

Kadinal Sean O'Malley, OFM
Foto: CNA Deutsch / Alan Holdren

Der Präsident der päpstlichen Kinderschutzkommission, Kardinal Séan Patrick O'Malley (Erzbistum Boston / USA), hat sich zum gestern veröffentlichten Brief des emeritierten Papstes Benedikt XVI. geäußert. Benedikt habe darin zum Ausdruck gebracht, "dass der sexuelle Missbrauch in der Kirche nicht wiedergutzumachenden Schaden angerichtet hat und dass er selbst nicht alles getan hat, um solchen Schaden zu verhindern", so O'Malley.

Wie CNA Deutsch berichtete, hatte Papst Franziskus Kardinal Sean O'Malley im Jahr 2018 als Leiter der Päpstlichen Kommission für den Schutz Minderjähriger für eine weitere Amtszeit bestätigt. Die 16-köpfige Kommission besteht aus jeweils acht Männern und Frauen. Dazu gehören auch Opfer sexuellen Missbrauchs sowie Eltern von Opfern. 

Die persönliche Erklärung von Papst Benedikt

Wie CNA Deutsch gestern berichtete, hat Papst Benedikt mit einem persönlichen Brief auf die teilweise aggressiven Reaktionen, den Vorwurf der Lüge gegen seine Person und weitere Behauptungen nach Veröffentlichung des Münchner Missbrauchsgutachtens reagiert.

In dem Brief, der von seinem persönlichen Sekretär Monsignore Georg Gänswein verlesen wurde (hier im Video), bat er die Opfer des sexuellen Missbrauchs durch Priester um Entschuldigung. Gleichzeitig wies er alle Vorwürfe zurück, wissentlich Täter geschützt zu haben.

O'Malley über Benedikt XVI.: "Sein Zeugnis und seine Ehrlichkeit sollten uns anspornen"

In seiner Stellungnahme vom Dienstag sagte Kardinal O'Malley sagte, dass Benedikt den Missbrauchsbetroffenen "seine eigene Zerknirschung" anbiete für das, was er in seiner Amtsführung versäumt hatte. Der emeritierte Pontifex habe "eine intime Beschreibung des Dramas seines eigenen Gewissens gegeben, das durch ein Leben im Dienst für Gott und sein Volk geprägt ist". Der Präsident der päpstlichen Kinderschutzkommission schreibt wörtlich:

"Das Leid, das die Opfer von sexuellem Kindesmissbrauch durch Priester und Ordensleute erlitten haben, und sein Umgang mit solchem Missbrauch belasten das Gewissen des emeritierten Papstes zu Recht und notwendigerweise schwer. Sein Zeugnis und seine tiefe Ehrlichkeit sollten uns alle anspornen, die Überlebenden von Missbrauch zu verteidigen und all jene zu schützen, die unserer Fürsorge anvertraut sind."

O'Malley seit 2014 Präsident der Kinderschutzkommission

Kardinal O'Malley ist seit 2003 Erzbischof von Boston und wurde 2014 von Papst Franziskus zum Präsidenten der neu errichteten päpstlichen Kinderschutzkommission berufen. In diesem Amt wurde er 2018 erneut bestätigt.

Wie CNA Deutsch berichtete, ist Kardinal O'Malley seit 2018 auch Vorsitzender des Kuratoriums der Papal Foundation. Die in Philadelphia ansässige Päpstliche Stiftung vergibt Zuschüsse zur Unterstützung von Projekten und Anträgen, die vom Heiligen Stuhl empfohlen werden. Seit 1990 hat die Stiftung über 100 Millionen Dollar an Zuschüssen im Dienst an der Katholischen Kirche bereitgestellt.

Die Stiftung war vor vier Jahren in Schlagzeilen über einen Millionenzuschuss für ein Krankenhaus in Rom geraten und hatte im März 2018 angekündigt, dass sie ihr Vorgehen und Verfahrenswege überarbeitet.

Auslöser war ein umstrittener Zuschuss von 25 Millionen Dollar von der Stiftung an ein Krankenhaus in Rom: Papst Franziskus hatte im Jahr 2017 den damaligen Vorsitzenden des Stiftungskuratoriums, Kardinal Donald Wuerl, darum gebeten.

O'Malley löst damals den auch wegen der Kirchenkrise in Kritik geratenen Wuerl ab, der diese Position acht Jahre lang innehatte.

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