Wer wird der nächste Bischof von Hong Kong?

Brennende Barrikaden in Hong Kong am 6. Oktober 2019.
Foto: Studio Inceno / Wikimedia (CC0)

Die Katholiken in Hongkong sind verunsichert. Mehrere pro-demokratische Persönlichkeiten wurden vergangene Woche wegen ihres friedlichen Widerstands gegen die Kommunistische Partei Chinas und ihre Bemühungen, die Freiheit der Menschen in Hong Kong einzuschränken, zu Gefängnisstrafen verurteilt.

Unter den führenden Demokratie-Aktivisten in Hong Kong sind zahlreiche Katholiken, wie CNA Deutsch ausführlich berichtet hat.

Der Vatikan schweigt jedoch zu diesen Vorgängen, ebenso wie der systematischen Verfolgung und "Sinisierung" des Christentums auf dem Festland.

Angesichts der neuen Verurteilungen schrieb nun ein Beobachter, dass jetzt ein idealer Zeitpunkt für Papst Franziskus wäre, den Hongkonger Weihbischof Joseph Ha Chi-shing, der die pro-demokratische Bewegung der Region öffentlich unterstützt hat, zum Bischof der Diözese zu ernennen.

"Bischof Ha, ein Franziskaner, wird in Hongkong weithin geliebt und respektiert als ein Hirte, der sich um seine Herde kümmert, und ein Mann, der als Religionsvertreter in dieser Lage Weisheit und Mut gezeigt hat, ohne ein Brandstifter zu sein", schrieb Benedict Rogers, Mitbegründer und Vorsitzender der Organisation Hong Kong Watch, in einem Leitartikel am 18. April bei UCA News.

Hong Kong ist Berichten zufolge die letzte chinesische Diözese, in der Papst Franziskus und der Vatikan überhaupt an der Ernennung von katholischen Bischöfen beteiligt sind, wie CNA Deutsch berichtete. In anderen Bistümern bestimmt diesen zufolge mittlerweile die Kommunistische Partei allein die Kandidaten und läßt diese in der "Patriotischen Staatskirche" zu Bischöfen weihen. 

"Wenn ich der Vatikan wäre, wäre jetzt genau der Moment, Bischof Ha zu befördern. Jemanden zum Bischof von Hongkong zu ernennen, der mutig, aber nicht rücksichtslos ist, der das Vertrauen seiner Herde hat, aber in den letzten zwei Jahren bewiesen hat, dass er in der Lage ist, sich zurückzuhalten, wenn es nötig ist, wäre genau die richtige Ausübung der kirchlichen und päpstlichen Autorität, die erforderlich ist. Ob der Vatikan diesen Mut haben wird, bleibt abzuwarten."

Hongkong ist seit dem Tod von Bischof Michael Yeung Ming-cheung im Januar 2019 ohne einen ständigen Bischof. John Kardinal Tong Hon, der 2017 als Bischof von Hongkong in den Ruhestand getreten war, fungierte seither als apostolischer Administrator der Diözese.

Wie CNA erfuhr, hatte der Vatikan im Jahr 2019 beschlossen, Bischof Ha zum Leiter der Diözese zu ernennen.

Während die Ernennung bearbeitet wurde, wurde Bischof Ha jedoch öffentlich an der Spitze von Pro-Demokratie-Demonstrationen gegen das Auslieferungsgesetz gesehen, und seine Nominierung wurde rückgängig gemacht, bevor eine öffentliche Ankündigung gemacht werden konnte.

Im Januar 2020 berichtete CNA, dass der Vatikan Pater Peter Choy Wai-man, einen Generalvikar der Diözese, als neuen Bischof von Hongkong ausgewählt hatte, aber beschlossen hatte, die Bekanntgabe der Ernennung von Pater Choy auf unbestimmte Zeit zu verschieben. Einige in der Diözese haben Bedenken wegen der Nähe von Pater Choy zu den staatlichen Behörden geäußert.

Der Vatikan hat keine aktuellen Kandidaten für die Position bekannt gegeben.

Kardinal Joseph Zen, SDB, der die Diözese Hongkong von 2002-2009 leitete und ein prominenter Kritiker des Appeasement-Kurses des Vatikans zur chinesischen Regierung und Kommunistischen Partei ist, hat mehrmals seine Unterstützung für Bischof Ha signalisiert. Zen rief die Gläubigen dazu auf, an Luis Kardinal Tagle, den Präfekten der Kongregation für die Evangelisierung der Völker, zu schreiben, um die Ernennung von Bischof Ha zu unterstützen.

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