Gespräche, Gebete, Gremienarbeit: Das ist der Stand der Jugendsynode

Papst Franziskus und Synodenväter am 5. Oktober 2018
Foto: Vatican Media
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Als "Übung im Dialog" hatte Papst Franziskus sie eröffnet: Mit dem heutigen Montag beginnt nun bei der Jugendsynode - nach einem Auftakt, in dem es immer wieder auch um die Kirchenkrise ging - die Phase der Gespräche in Kleingruppen, darunter einer deutschsprachigen. Auch dort wird es nicht nur um "die Jugend" gehen.

Zum Abschluss der ersten Woche wurde noch einmal richtig zugehört: Über 250 Bischöfe kamen am Samstagabend auf Einladung von Papst Franziskus in der Aula Paul VI. zusammen, um Jugendliche über ihren Glauben, Herausforderungen und Anliegen sprechen zu hören - und sogar HipHop tanzen zu sehen.

(Bild: Vatican Media)

Das Motto der Veranstaltung am 6. Oktober, den die Kongregation für das Bildungswesen organisiert war: NOI PER - Unici, solidali, creativi - zu Deutsch etwa "Wir Für: Vereint, solidarisch und kreativ".

Die Seligpreisungen leben

In seiner Rede, nachdem er Live- und Videozeugnisse gehört hatte, darunter eines aus einem Jugendgefängnis am Rande Roms, sagte der Papst, dass es bei der wirklichen Macht immer um den Dienst gehen müsse, "sonst ist es Egoismus, er dominiert und macht Sklaven, keine reifen Menschen".

Er forderte die anwesenden Jugendlichen auf, sich daran zu erinnern, dass sie "keinen Preis haben", dass sie frei sind und nicht gekauft oder verkauft werden können. Sich nicht "von ideologischer Kolonisation versklaven zu lassen, die einem Ideen in den Kopf setzt".

Am Ende des Events sagte Franziskus den Jugendlichen, dass der Weg zu "sich selbst" nicht durch den Blick in den Spiegel führt, sondern durch das eigene Handeln "auf der Suche nach dem Guten, der Wahrheit, der Schönheit".

"Wenn du ein Christ bist, nimm die Seligpreisungen und setze sie in die Tat um", sagte Franziskus, und betonte: Auch und gerade, wenn die Kirche selbst mit dem Klerikalismus ringe.

Franziskus: Rosenkranz gegen den Teufel

Den Klerikalismus hat Papst Franziskus bereits bei der Eröffnung der Jugendsynode angesprochen, und bekanntlich den Begriff wiederholt ins Feld geführt als wesentlichen Aspekt der durch die Skandale der weltweiten Vertuschung sexuellen Missbrauchs ausgelöste Kirchenkrise. Und er hat die Gläubigen aufgefordert, im Oktober täglich den Rosenkranz zu beten. 

Daran erinnerte am gestrigen Sonntag Franziskus die zum Angelus-Gebet auf dem Petersplatz versammelten Gläubigen.

Nach einer ermutigenden Ansprache, die Berufung der Ehe als Katholiken treu zu leben, und auch bei einem Scheitern den Weg der Nächstenliebe zu gehen, erinnerte der Pontifex an seine Aufforderung, im Rosenkranzmonat Oktober täglich den Rosenkranz zu beten und es mit dem Gebet an den Erzengel Michael abzuschließen, "um die Attacken des Teufels abzuwehren, der die Kirche spalten will".

Marx: "Einladung zur Öffnung"

Bei einer Pressekonferenz der sieben deutschsprachigen Teilnehmer - es handelt sich um vier Bischöfe, einen Ordensmann und zwei Laien - sagte am Donnerstag der deutsche "Jugendbischof" und Oberhirte von Passau, Stefan Oster, dass die Bandbreite der angesprochenen Themen sehr breit gewesen sei, über Sexualität und Glaubensvermittlung, bis hin zur Frage der Digitalisierung der Lebenswelt.

Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, lobte das Instrumentum Laboris, das bereits im Vorfeld der Synode scharf kritisiert worden war.  Es spreche eine "Einladung zur Öffnung" aus, so Marx laut "Vatican News", verstecke schwierige Anliegen nicht. "Man merkt, die Verfasser hatten Kontakt zu Jugendlichen", so der Erzbischof von München und Freising weiter.

Auch Marx würdigte, dass der Missbrauch bei den Reden der ersten Tage immer wieder angesprochen wurde. Und Weihbischof Johannes Wübbe von Osnabrück sagte laut "Vatican News", es werde "ehrlich darum gerungen, jungen Menschen zuzuhören".

Ob und wie sich nun Bischof Wübbe und die weiteren deutschsprachigen Teilnehmer auch anderen Forderungen Jugendlicher stellen - etwa dem Appell junger Katholiken aus Schottland, ihnen zu helfen, den Glauben treu zu leben und statt Appeasement und fauler Kompromisse diesen klar zu verkünden, wie CNA Deutsch berichtete: Das wird sich zeigen.

Der vierte deutsche Bischof bei der Synode wurde als Sprecher des einzigen deutschsprachigen der 14 "Kreise" der Sitzungen eingesetzt, welche diese Woche beginnen: Der Münsteraner Oberhirte Felix Genn.

Bischof Genn koordiniert die Arbeit des einen Circulus Germanicus, der mit seinen zehn Mitgliedern auch noch die kleinste Arbeitsgruppe bei der Synode darstellt. Berichterstatter ist der bayerische Bischof Oster.

Heiligsprechungen am Sonntag 

Feierlich endet diese Woche am Sonntag dann mit sieben Heiligsprechungen im Rahmen einer heiligen Messe auf dem Petersplatz. Zur Ehre der Altäre erhoben wird unter anderem die deutsche Ordensfrau und Gründerin der Dernbacher Schwestern, Maria-Katharina Kasper.

Zur Synode über "Jugendliche, Glauben und Berufungsentscheidung", die vom 3. bis 28. Oktober dauert, sind 266 "Synodenväter" nach Rom gekommen, davon sind 31 "von Amts wegen" eingeladen, darunter Patriarchen und Metropoliten der Ostkirchen; außerdem 181 gewählte Mitglieder der Bischofskonferenzen sowie 41 vom Papst persönlich eingeladene Personen. Darüber hinaus sind auch 49 "Auditoren" anwesend, die eine Beobachterrolle spielen; von diesen sind 34 Personen zwischen 18 und 29 Jahre alt.

Hanna Brockhaus trug zur Berichterstattung bei.

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