Marx vor Auftakt des "Synodalen Wegs": Am Ende entscheidet der Papst oder ein Konzil

Kardinal Reinhard Marx am 24. Februar 2019 in Rom
Foto: Daniel Ibanez / CNA Deutsch
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Am kommenden Donnerstag, dem 30. Januar, wird die erste Synodalversammlung des "Synodalen Weges" in Frankfurt mit einer heiligen Messe im Kaiserdom St. Bartholomäus eröffnet. Danach findet bis zum Samstag die erste Synodalversammlung statt.

Dabei werden neben den 230 Mitgliedern der Synodalversammlung auch Beobachter teilnehmen, insbesondere der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Nikola Eterović.

Kardinal Reinhard Marx hat angesichts anhaltender Bedenken und Kritik gegenüber dem Prozess – auch von Papst Franziskus – versichert, er wolle "die Kirche nicht neu erfinden" und eingeräumt, am Ende entscheide der Papst oder ein Konzil über Streitfragen, berichtete das "Domradio".

Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz sagte auch, er sei persönlich verärgert über die Warnungen vor einer Loslösung vom Papst. Er hoffe auf Einmütigkeit und Motivation.

Eingeladen sind zum Auftakt auch Beobachter aus der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK) sowie der evangelischen Kirche, der orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland, dem Rat der europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) sowie der Bischofskonferenzen sowie Laiendachorganisationen der Nachbarländer.

Ausgangspunkt Kirchenkrise

Der "Synodale Weg" beruft sich maßgeblich auf die 2018 veröffentlichte "MHG-Studie" über sexuellen Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der deutschen Bischofskonferenz. Der synodale Prozess soll – so die Organisatoren – "der gemeinsamen Suche nach Antworten auf die gegenwärtige Situation" dienen und frage "nach Schritten zur Stärkung des christlichen Zeugnisses".

Nach einer Überprüfung des Vatikans hat der als "Reformdebatte" bezeichnete Prozess jedoch keine Rechtswirkung.

Kritiker wie der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer sehen im "Synodalen Weg" das Risiko einer Instrumentalisierung der Missbrauchskrise, um unter dem Vorwand der Aufklärung und Prävention  "Reformpläne" durchzusetzen, etwa die Weihe von Frauen zu Priestern oder eine Aufhebung des Zölibats. Voderholzer warnte Anfang Januar davor, dass "Pressure Groups" versuchten, auf diesem Weg Druck auszuüben. 

"Die Empörung über den Missbrauch ist das Feuer, auf dem die Suppe des 'Synodalen Weges' gekocht werden soll. Deswegen muss dieses Feuer am Lodern gehalten werden. Es darf durch nichts verkleinert werden, auch nicht durch den wissenschaftlich belegten Hinweis, dass Ehelosigkeit um des Himmelreiches von sich aus mit sexuellem Missbrauch nichts zu tun hat und dass die allermeisten Fälle dieses Verbrechens im familiären Umfeld geschehen durch Menschen, die nicht den Zölibat versprochen haben"

Auch die "MHG-Studie" wurde kritisch hinterfragt: Der Psychiater und Chefarzt Manfred Lütz warnte vor einem "unwissenschaftlichen Stil weiter Passagen, von feuilletonistischen und anekdotischen Bemerkungen und vom fast vollständigen Mangel an wissenschaftlich-kritischer Diskussion der Ergebnisse".

Ein Missbrauchsopfer beklagte, dass der "Synodale Weg" eine Nebelkerze der Verantwortlichen sei:

"Wo ist denn ein Personalverantwortlicher, ein Generalvikar, ein Bischof, ein Kardinal aus freien Stücken zurückgetreten? Oder habe ich etwas übersehen? In der SPD finden sie kaum jemand, der noch zurücktreten könnte, weil er nicht schon zurückgetreten ist. Überall gibt es so etwas wie politische Verantwortung. In der Kirche nicht?"

Dass der "Synodale Weg" keine tatsächliche geistliche Umkehr auf Basis der Neuevangelisierung anstoße, bemängelt die Laieninitiative "Maria 1.0":

"Viele Gläubige sind nicht einverstanden mit dem Prozess, wie er jetzt geplant ist, und sorgen sich unter anderem darum, dass die Katholische Kirche in Deutschland einen Sonderweg geht, der zur Abspaltung von der Weltkirche führt".

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) hatte Ende November bei der Verabschiedung der Satzung zum "Synodalen Weg" einen besonderen Fokus auf Neuevangelisierung abgelehnt.

Auch das katholische Mediennetzwerk "Pontifex" äußerte Kritik. Sprecher Benno Schwaderlapp sagte im CNA-Interview:

"Es ist keine Synode und kein Konzil, hat keine Verbindlichkeit, aber weckt Erwartungen, die in unserer Kirche nicht erfüllt werden können. Eigentlich eine Art 'Jodelsynode': Nutzlos, aber in der Außenwirkung eine verheerende Hoffnung imitierend".

Erst kürzlich erinnerte der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke mit Blick auf den "Synodalen Weg" an den Brief von Papst Franziskus "An das pilgernde Volk Gottes in Deutschland". Der darin enthaltene Aufruf zur Neuevangelisierung sei bislang "weithin folgenlos" geblieben, so Hanke. Er betonte:

"Seine [Papst Franziskus'] Besorgnis ist angebracht angesichts des ultimativ klingenden Tonfalls, den manche Stimmen vernehmen lassen, wenn sie Veränderungen einfordern, die zudem einer anderen Agenda entstammen als dem Ursprungsanliegen nach der Aufdeckung des Missbrauchs."

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