Trotz internationaler Kritik: Vatikan erneuert umstrittenen Deal mit Volksrepublik China

Schwieriges Verhältnis: Bringt ein neues Abkommen eine Verbesserung der Beziehungen zwischen dem Vatikan und China?
Foto: FreshStock via Shutterstock

Trotz weltweiter Kritik und eskalierender Verfolgung von Christen und Angehöriger anderer Religionen hat der Vatikan sein umstrittenes Abkommen mit dem kommunistischen Regime unter Xi Jinping verlängert. 

Das teilte der Heilige Stuhl am heutigen Donnerstag mit. Der eigentliche Inhalt der als "vorläufig" beschriebenen Verabredung ist weiter geheim.

Zur Begründung, den weltweit scharf kritisierten Deal zu verlängern, hieß es im offiziellen Wortlaut aus dem Vatikan, das Abkommen sei "die von großem kirchlichen und pastoralen Wert" dank – so wörtlich – "guter Kommunikation und Zusammenarbeit" beider Seiten. 

Die Vatikan-kontrollierte Zeitung "Osservatore Romano" lobte die von Menschenrechtlern, Diplomaten und zahlreichen Beobachtern scharf kritisierte Vereinbarung. "Beide Seiten" – so heißt es in dem Artikel wörtlich – "haben verschiedene Aspekte der Anwendung des Abkommens evaluiert und sind durch den offiziellen Austausch von Verbalnoten übereingekommen, seine Gültigkeit um weitere zwei Jahre, bis zum 22. Oktober 2022, zu verlängern."

Der Hauptzweck des Abkommens bestehe darin, "die Verkündigung des Evangeliums" in China zu unterstützen und zu fördern, "indem die volle und sichtbare Einheit der Kirche wiederhergestellt wird".

Tatsächlich bekämpft das Regime mit seiner Politik der "Sinisierung" systematisch den christlichen Glauben in China, wie CNA Deutsch und zahlreiche weitere Medien ausführlich berichtet haben. 

Dennoch erklärte am 22. Oktober der Vatikan, die Ernennung von Bischöfen und der Einheit der Bischöfe mit dem Nachfolger Petri sei "von entscheidender Bedeutung für das Leben der Kirche, sowohl auf lokaler als auch auf universaler Ebene".

Weiter heißt es in der Zeitung zur Rechtfertigung der Entscheidung, es gehe darum, "nach und nach sowohl die Einheit im Glauben und die Gemeinschaft unter den Bischöfen als auch den vollen Dienst an der katholischen Gemeinschaft in China sicherzustellen".

Bereits heute, zum ersten Mal seit vielen Jahrzehnten, stünden alle Bischöfe in China in Gemeinschaft mit dem Bischof von Rom, "und dank der Umsetzung des Abkommens" werde es keine illegitimen Weihen mehr geben. Tatsächlich sind seit Abschluss des Abkommens in China über 50 Bischofssitze unbesetzt, bisherige Bischöfe zum Teil zurückgetreten oder gar abgetaucht, während Kader der kommunistischen Partei als offizielle Bischöfe anerkannt worden, die zuvor exkommuniziert waren, wie CNA Deutsch berichtet hat.

Zur Rechtfertigung des Abkommens zitiert heute der Vatikan Aussagen von Kardinalstaatsekreatär Pietro Parolin, dass "Missverständnisse" aufgekommen seien, weil dem Abkommen "Ziele zugeschrieben wurden, die es nicht hat", oder dass es "mit politischen Fragen verknüpft wurde, die nichts mit dem Abkommen selbst zu tun haben", wie die "Vatican News" berichteten.

Die chinesische Regierung lässt unterdessen weiterhin katholische Geistliche – darunter Bischöfe – inhaftieren, wenn sie sich weigern, die Kommunistische Partei zu unterstützen.

Das geht unter anderem aus einem Bericht aus der Provinz Jiangxi hervor, wie die Catholic News Agency (CNA) berichtete.

Außerdem werden in manchen Regionen Darstellungen von Jesus Christus "und andere religiöse Symbole" durch Bilder des "Großen Vorsitzenden" Mao Zedong und des "Präsidenten auf Lebenszeit" Xi Jinping ersetzt, wie CNA Deutsch berichtete.

In einigen Gegenden wurden Kirchen bereits gezwungen, die Zehn Gebote zu entfernen und durch Sprüche von Präsident Xi Xinping zu ersetzen.

Wie "UCA News" berichtete, wurden Priester in der Diözese Yujiang, die sich weigerten, der Chinesischen Patriotischen Katholischen Vereinigung beizutreten, seit dem 1. September unter Hausarrest gestellt. Diesen Priestern wurde als Teil ihrer Bestrafung "jegliche religiöse Aktivität in der Eigenschaft als Geistliche" untersagt.

Zu den unter Hausarrest stehenden Geistlichen gehört Berichten zufolge Bischof Lu Xinping von der Diözese Nanking, dem es verboten wurde, die Messe zu feiern. Bischof Xinping ist vom Vatikan anerkannt, aber als Bischof der Staatskirche geweiht worden.

Im September 2018 wurde die Nachricht von einem vorläufigen Abkommen zwischen Peking und Beamten des Vatikans veröffentlicht, das die Untergrundkirche und die Staatskirche vereinen soll. Die Vereinbarung wurde zwar geheim gehalten, erlaubt der Staatskirche aber offenbar, eine Liste von Kandidaten für das Bischofsamt auszuwählen, aus der der Papst dann seine Ernennung vornehmen soll.

Nach dieser Vereinbarung wurden zuvor im Untergrund lebende Geistliche ermutigt, der "patriotischen Staatskirche" beizutreten, was die Anekrennung der Autorität der Kommunistischen Partei über kirchliche Angelegenheiten beinhaltete. Viele Geistliche aus dem Untergrund haben sich aus Gewissensgründen und unter Berufung auf Lehrkonflikte zwischen der kirchlichen Lehre und den Regeln der Staatskirche geweigert, diesen Schritt zu tun – den Papst Franziskus und Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin jedoch bewußt ermöglicht haben.

Neben der systematischen Verfolgung von Christen sind vor allem Muslime in China brutaler Unterdrückung und Verbrechen gegen die Menschheit ausgesetzt: In Xinjiang befinden sich nach Einschätzungen westlicher Beobachter zudem zwischen 900.000 und 1,8 Millionen mehrheitlich muslimische Uiguren in mehr als 1.300 Gefangenenlagern, die von den chinesischen Behörden eingerichtet wurden, angeblich zu "Umerziehungszwecken". Überlebende berichten von Indoktrination, Schlägen, Zwangsarbeit, Zwangsabtreibungen und Sterilisationen sowie Folter in den Lagern.

Papst Franziskus schweigt beharrlich zu diesen schweren Menschenrechtsverletzungen, seit der Vatikan das umstrittene Abkommen mit China vor zwei Jahren unterzeichnet hat.  

Das könnte Sie auch interessieren: