Bischof Bätzing zu Audienz bei Papst Franziskus: "Ermutigung" für "Synodalen Weg"?

Die Kopfbedeckung in der Hand: Bischof Georg Bätzing bei seiner Audienz bei Papst Franziskus am 24. Juni 2021
Foto: Vatican Media
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Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, wurde am heutigen Donnerstag von Papst Franziskus empfangen.

Der Limburger Hirte, amtierender Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz, kam zu der Audienz in den Apostolischen Palast des Vatikans.

Wie Bätzing über die Pressestelle der Bischofskonferenz danach verlauten ließ, stand die Situation der Katholischen Kirche im Zentrum des Gesprächs. Der Papst habe, so der Limburger Bischof, dazu "ermutigt", den oft kritisierten "Synodalen Weg" weiterzugehen.

"Papst Franziskus ist gut im Bilde über die Lage der Kirche in Deutschland", heißt es in Bätzings Erklärung (den vollständigen Wortlaut lesen Sie hier). 

Der Heilige Vater hoffe, "dass Spannungen überwunden werden können", so Bätzing mit Blcik auf den kontroversen Prozess und die Kirchenkrise in Deutschland weiter. Wörtlich:

"Ausführlich habe ich den Papst über den Stand des 'Synodalen Weges' informiert und dabei deutlich gemacht, dass kolportierte Zuschreibungen, wonach sich die Kirche in Deutschland auf Sonderwege begeben wolle, aus der Luft gegriffen sind. Papst Franziskus hat uns ermutigt, den eingeschlagenen Synodalen Weg weiterzugehen, die anstehenden Fragen offen und ehrlich zu diskutieren und zu Empfehlungen für ein verändertes Handeln der Kirche zu kommen."

Franziskus habe außerdem dafür "geworben", dass die Kirche in Deutschland den von ihm ausgerufenen "Weg der Synodalität" hin zur Bischofssynode 2023 mitgestalte, so Bätzing. 

Der Limburger Hirte teilt mit, dass der Papst mit ihm auch über den zurückliegenden "Ökumenischen Kirchentag" gesprochen habe, der bei vielen Gläubigen für Kritik gesorgt hatte.

Bätzing teilte heute dazu mit, er habe dem Papst von der Veranstaltung "berichtet" und ihm - dem Pontifex - "dessen Wirkung (...) erläutert".

Franziskus habe wiederum durch seine "ausgewogene Kenntnis" der Situation der Kirche in Deutschland beeindruckt. 

Er fühle "wie schon vor einem Jahr (...) von Papst Franziskus in meinem Amt als Bischof von Limburg und meiner Aufgabe als Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz bestärkt", so Bätzing abschließend.

Sorge um deutschen Prozess

Dennoch gibt es weiterhin viele Befürchtungen aus dem In- und Ausland, die Kirche in Deutschland könne durch den "Synodalen Weg" in eine Art "Nationalkirche" abdriften und sich von der übrigen Weltkirche abspalten.

Einige Gläubige befürchten schon jetzt ein Schisma und haben deshalb eine entsprechende Anfrage an die Glaubenskongregation in Deutschland gestellt, wie CNA Deutsch berichtete.

Der Vorsitzende der italienischen Bischofskonferenz, Kardinal Gualtiero Bassetti, hat erklärt, dass der italienische synodale Prozess nicht vergleichbar mit dem deutschen "Synodalen Weg" sei. Die Worte des italienischen Kardinals folgten der scharfen Kritik von Kardinal Vinko Puljić, dem Erzbischof von Sarajevo, an den "exotischen Ideen" des deutschen "Synodalen Wegs" – sowie der äußerst scharfen Kritik der amerikanischen Erzbischöfe Samuel Aquila von Denver und Salvatore Cordileone von San Francisco.

Bereits früher hatten sich Kardinal George Pell, aber auch der italienische Kardinal Camillo Ruini, der englische Bischof Philip Egan von Portsmouth und der spanische Bischof José Ignacio Munilla Aguirre von San Sebastián der wachsenden Zahl von Kirchenvertretern und prominenten Theologen angeschlossen, die sich besorgt über den "Synodalen Weg" und andere Vorgänge in Deutschlands Diözesen zu Wort gemeldet haben, von der offenen Rebellion gegen Rom in der Frage der Segnung gleichgeschlechtlicher Verbindungen in der Kirche, über die Interkommunion mit Protestanten sowie die Weihe von Frauen. 

Ob der Papst mit Bischof Bätzing heute darüber gesprochen hat, ist unklar.

Theologin: "Synodalen Weg" in Deutschland aussetzen

Die Initiatoren des "Synodalen Wegs" haben die Sorge vor einem möglichen "deutschen Sonderweg" mehrfach zurückgewiesen.

Die Theologin Katharina Westerhorstmann - selbst eine Teilnehmerin des "Synodalen Weges" - hatte diese Beteuerungen vor Kurzem in einem Interview aufgegriffen und festgestellt, dass eine Integration des "Synodalen Weges" in die Weltsynode zeigen könne, "dass das keine Lippenbekenntnisse waren, sondern dass tatsächlich der deutsche 'Synodale Weg' im Dienst der ganzen Kirche steht".

Westerhorstmann schlug deshalb vor, den umstrittenen Prozess in Deutschland zugunsten der von Papst Franziskus ankündigten Weltsynode vorerst auszusetzen. Sie mahnte sie außerdem an, dass der deutsche Prozess generell noch stärker auf Jesus Christus ausgerichtet sein müsse (CNA Deutsch hat berichtet). 

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