Bischof Bode: "Keine Kritierien für Rücktritt"

Der Bischof von Osnabrück, Franz-Josef Bode.
Foto: Rudolf Gehrig / CNA Deutsch

Bischof Franz-Josef Bode hat angesichts der Debatte um Rücktrittsangebote deutscher Bischöfe erklärt, es gebe aus seiner Sicht "keine Kriterien dafür, wann ein Rücktritt" eines Bischofs "angesagt" sei.

Das sagte der Bischof von Osnabrück und stellvertetende Vorsitzende der Bischofskonferenz in einem Interview mit dem offiziellen Portal "katholisch.de". 

Im Jahr 2018 hatte Bode "Versäumnisse" im Umgang mit einem Missbrauchstäter gestanden. Er selber genieße in seinem eigenen Bistum "derzeit eigentlich ein hohes Vertrauen", so der Bischof, der damit das Angebot seines Rückstritts an Papst Franziskus ausschloss.

Einen Rücktritt haben dem Papst bereits Kardinal Rainer Maria Woelki, Kardinal Reinhard Marx und Erzbischof Stefan Heße angeboten. Im Fall von Marx und Heße hat der Papst diese abgelehnt, auch wenn der Münchner Kardinal einen zweiten Rücktrittversuch nicht ausschließt

Papst Franziskus hat zudem mit Vos Estis Lux Mundi bereits 2019 ein neues Verfahren mit klaren Kriterien eingeführt, das jedoch bislang bei deutschen Bischöfe nicht angewandt worden ist – im Gegensatz zu Fällen mit Bischöfen in anderen Ländern. (CNA Deutsch hat den Wortlaut veröffentlicht).

Kritisch zeigte sich der Bode in seinem Interview am Rande der Vollversammlung der deutschen Bischöfe gegenüber seinem Amtsbruder aus Regensburg. Bischof Rudolf Voderholzer hatte mit anderen Theologen und Geistlichen Anfang September einen "Alternativtext" zum Synodalforum "Macht und Gewaltenteilung" des "Synodalen Wegs" vorgestellt (CNA Deutsch hat berichtet). Bode kritisierte diesen Vorstoß als "nicht sinnvoll".

"Genieße eigentlich hohes Vertrauen"

Im Interview mit "katholisch.de" wurde der Osnabrücker auf die Entscheidung des Papstes angesprochen, den Amtsverzicht des wegen Vertuschungsvorwürfen kritisierten Hamburger Erzbischofs Stefan Heße nicht anzunehmen. "Es müsste klare Kriterien geben, wann ein Rücktritt erforderlich ist", meint Bode. "Zudem kann nicht sein, dass es nur Rücktritt oder Nicht-Rücktritt gibt. Es gibt ja auch Stufungen von Verantwortung und von Konsequenzen."

Kritiker hatten erst vor zwei Jahren den Rücktritt von Bischof Bode selbst gefordert, nachdem dieser im Dezember 2018 Fehler im Umgang mit einem Missbrauchstäter eingeräumt hatte (CNA Deutsch hat berichtet). Allerdings, so schrieb Bode in einem Brief an die Bistumsgemeinden, habe auch die Kirche "schwere Fehler gemacht" und sei "schuldig geworden". Weiter:

"Im Bistum Osnabrück muss ich als Bischof für diese Schuld einstehen. Das habe ich im Jahr 2010 schon öffentlich getan, das tue ich auch jetzt."

Einen Rücktritt hatte Bode damals bereits für sich ausgeschlossen. Im aktuellen Interview sagt er dazu wörtlich:

"Wie gesagt, gibt es keine Kriterien dafür, wann ein Rücktritt angesagt ist. Und im Bistum genieße ich derzeit eigentlich ein hohes Vertrauen. Das erfahre ich immer wieder bei den Besuchen in den Gemeinden. Daher möchte ich den Weg mit dem Bistum weitergehen. Das könnte sich ändern, wenn die Studie der Universität Dinge zutage förderte, die einen Rücktritt sinnvoll erscheinen ließen. Aber zurzeit sehe ich das nicht."

Anfang Mai diesen Jahres gab das Bistum Osnabrück bekannt, dass die Universität Osnabrück mit der wissenschaftlichen Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs durch Kleriker in der Diözese beauftragt worden sei. Das Bistum teilte dazu mit:

"Sie [die Studie] soll die Missbrauchsfälle aus verschiedenen Perspektiven und dem jeweiligen zeitgenössischen Hintergrund aus beschreiben. Darüber hinaus sollen typische Muster des Missbrauchs im kirchlichen Raum, aber auch des Umgangs mit Missbrauch aufgedeckt, benannt und bewertet werden. Das Forschungsprojekt ist auf eine Dauer von drei Jahren angelegt."

In einem Jahr soll die Forschergruppe erste Zwischenergebnisse vorstellen. 

Kritik an Bischof Voderholzer

Im heute veröffentlichten Interview deutet Bode auch an, dass der für den "Synodalen Weg" veranschlagte Zeitraum nicht ausreichen könnte, um zu einem Ergebnis zu kommen. Auf die Frage, ob die geplanten zwei Jahre zu wenig seien und der gesamte Prozess in die Verlängerung gehen müsse, antwortet Bode: "Das könnte ich mir gut vorstellen."

Derweil wächst die Kritik am "Synodalen Weg", auch intern. So äußerte sich bereits gestern der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, zurückhaltend zum Vorstoß einer Gruppe um Bischof Rudolf Voderholzer, die einen "Alternativtext" zur Arbeitsvorlage des "Synodalen Wegs" veröffentlicht haben. Das "entscheidende Gremium" sei die Synodalversammlung, unterstrich Bätzing in der gestrigen Pressekonferenz, "was daneben läuft, findet nicht mehr gut hinein." Man werde "auf dem Weg entscheiden, ob es klug war oder nicht klug, das zu tun, was Bischof Voderholzer getan hat."

Deutlicher wird Bischof Bode. Jeder Bischof und jeder Synodale habe die Möglichkeit, seine Meinung innerhalb der Synodalversammlung einzugeben, erklärt der Osnabrücker Bischof. "Bischof Voderholzer tut das jetzt auf eine Weise, die ich nicht für sinnvoll halte". Die Herbstvollversammlung werde zeigen, dass "die Bandbreite der Positionen eben sehr unterschiedlich ist". Bode schränkt jedoch ein: 

"Eine parallele Veranstaltung auf einer Homepage des Bistums Regensburg finde ich nicht gut. Wir werden in der Bischofskonferenz darüber reden müssen."

Auf Nachfrage von "katholisch.de", ob die Bischöfe nach Abschluss des "Synodalen Weges" in ihren jeweiligen Bistümern die gefassten "Beschlüsse" nicht einfach einkassieren könnten, weil der "Synodale Weg" keinerlei Rechtswirkung hat, antwortet Bode:

"Wir bemühen uns um eine Zwei-Drittel-Mehrheit aller Synodaler sowie zusätzlich eine Zwei-Drittel-Mehrheit unter den Bischöfen. Wenn wir das in vielen Punkten schaffen, dann ist eine Menge erreicht in all diesen schweren Fragen. Wir dürfen nicht von vornherein sagen, das geht sowieso nicht. Dann bräuchten wir einen solchen Weg gar nicht anzufangen."

Dass die sogenannten "Beschlüsse" des "Synodalen Weges" weiterhin unverbindlich bleiben, ist erst nach einer Intervention des Vatikan in der Satzung festgelegt worden.

Zwar hatten Funktionäre des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) wiederholt gefordert, dass es zu "verbindlichen Entscheidungen" kommen müsse; dem erteilte Rom jedoch eine klare Absage. Im Vatikan warnten Kardinäle und Kirchenrechtler des Papstes sogar, man versuche in Deutschland ohne Absprache ein "Partikularkonzil" etablieren, wie CNA Deutsch berichtete.

Der damalige Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hatte entgegnet, der "verbindliche Synodale Weg" sei ein "Prozess sui generis". 

In Rom sah man das anders. Schon Mitte Oktober 2019 widersprach ein hochrangiger Kirchenrechtler des Vatikans der Annahme, dass der geplante "synodale Prozess" in Deutschland "verbindlich" sein kann.

Angesichts solcher kirchenrechtlicher Bedenken wurde in der neuen Fassung der Satzung des "Synodalen Weges" festgelegt, dass die "Beschlüsse" nicht bindend sind. 

Demnach strichen die deutschen Organisatoren den ursprünglichen Satz: "Sie (die Beschlüsse) erlangen Rechtswirkung durch die Inkraftsetzung durch die einzelnen Diözesanbischöfe." Stattdessen heißt es nun: 

"Beschlüsse der Synodalversammlung entfalten von sich aus keine Rechtswirkung. Die Vollmacht der Bischofskonferenz und der einzelnen Diözesanbischöfe, im Rahmen ihrer jeweiligen Zuständigkeit Rechtsnormen zu erlassen und ihr Lehramt auszuüben, bleibt durch die Beschlüsse unberührt."

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