Kardinal Marx: "Bin von meinem Empfinden her eher ein Konservativer"

Münchener Erzbischof spricht über die Rolle der Kirche in der Corona-Pandemie, den "Synodalen Weg" und seine Amtszeit als Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz

Kardinal Reinhard Marx, damals noch Vorsitzender der deutschen Bischofskonferenz (DBK), bei einer Pressekonferenz um "Synodalen Weg" im Januar 2020.
Foto: Rudolf Gehrig / CNA Deutsch

Kardinal Reinhard Marx hat über seine Sicht einer Zukunft der Kirche und die aktuelle Krise des Glaubens gesprochen. Dabei bezeichnet sich der Erzbischof von München und Freising und ehemalige Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz als "vom Empfinden her eher als Konservativer".

Marx spricht auch über seinen Verzicht auf eine zweite Amtszeit als Vorsitzender der Bischofskonferenz sowie die Rolle der Frau in der Katholischen Kirche.

Er habe nie das Gefühl gehabt, dass ihn jemand stürzen wolle, so Marx in einem Interview mit dem deutschen Wochenmagazin "Der Spiegel".

"Alle" seien davon ausgegangen, dass er ein zweites Mal antrete, doch "ob sich das alle mit der gleichen Intensität gewünscht haben", könne er nicht sagen. Am Ende sei er davon überzeugt gewesen, dass die Zeit reif für einen Wechsel sei.

Am 3. März 2020 wurde der Limburger Bischof Georg Bätzing zum neuen DBK-Vorsitzenden gewählt.

"Ich hoffe, dass ich Einiges erreicht habe", bilanziert Marx, "das sollen andere beurteilen. Letztlich ist die Position des DBK-Vorsitzenden exekutiv nicht so stark, wie sie nach außen wirkt."

Zur Coronavirus-Krise kritisiert Kardinal Marx Verschwörungstheorien. Dass der deutsche Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller eine Petition unterzeichnet hatte, in der die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie als eine "Einmischung fremder Kräfte" bezeichnet wird, habe ihn "fassungslos" gemacht, so der Münchner Erzbischof.

Er wisse nicht, so Marx, aus welcher Kompetenz heraus die Kirche darüber debattieren solle, was bei einer Pandemie sinnvoll sei und was nicht. "Ich halte mich an das, was die Politik nach intensiver Beratung vorgibt".

Angesprochen auf den sogenannten "Synodalen Weg", den Marx in seiner Amtszeit als DBK-Vorsitzender maßgeblich initiiert und als notwendig erachtet im Hinblick auf "dringend benötigte Reformen" (Zitat Marx: "Das will Gott von uns"), spricht Marx über ein "Ringen um Einmütigkeit", auch mit der Weltkirche.

Gleichzeitig sagt Marx, seiner Meinung nach stehe Zölibat weiter zur Diskussion. Ehelosigkeit und Enthaltsamkeit würden "manche überfordern". 

"Ich glaube, wir müssen weiterhin darüber diskutieren, ob künftig wirklich nur der zölibatär lebende Priester denkbar ist."

Eine Weihe von Frauen zu Priestern sei "im Augenblick" kein Thema in der Weltkirche, aber die Diskussion sei nicht beendet, erklärt der Kardinal. J

Tatsächlich hat zuletzt auch Papst Franziskus im Jahr 2016 erneut die endgültige Absage an eine Frauenordination bekräftigt: "Was die Weihe von Frauen in der Katholischen Kirche betrifft, ist das letzte Wort klar gefallen. Der heilige Papst Johannes Paul II. hat es gesprochen, und so bleibt es", so der Pontifex auf dem Rückflug nach seiner Schweden-Reise.

Der Münchener Erzbischof dagegen erklärt die Weihe-Frage als Machtproblem und betont gegenüber dem "Spiegel", er hege einen Wunsch zur fortgesetzten "Diskussion": "Ich kann mir nicht vorstellen, dass Jesus wollte, dass nur Männer die Macht in der Kirche haben."

Eine solche Interpretation hatte Papst Franziskus bereits im Februar zu verhindern versucht, als er in seinem nachsynodalen Schreiben "Querida Amazonia" die Forderung nach dem Frauenpriestertum zur Machtausübung als Form des "Klerikalismus" anprangerte:

"Jesus Christus zeigt sich als der Bräutigam der Eucharistie feiernden Gemeinschaft in der Gestalt eines Mannes, der ihr vorsteht als Zeichen des einen Priesters. Dieser Dialog zwischen Bräutigam und Braut, der sich in der Anbetung vollzieht und die Gemeinschaft heiligt, sollte nicht auf einseitige Fragestellungen hinsichtlich der Macht in der Kirche verengt werden."

Marx sagt gleichzeitig, er sei von seinem "Empfinden her ein Konservativer", auch wenn er sogar in der Weltkirche "inzwischen eher als fortschrittlich wahrgenommen" werde.

Auch wenn die Zahl der Kirchenmitglieder in Deutschland stark rückläufig sei, habe er keine Angst davor, künftig in der Minderheit zu sein, so der Kardinal gegenüber dem Spiegel.

Wie CNA Deutsch gestern berichtete, hat die Zahl der Kirchenaustritte im Erzbistum München ein Rekordhoch erreicht. Wie das Statistische Amt München gegenüber CNA Deutsch bestätigte, wurde 2019 mit insgesamt 10.744 Austritten erstmalig in der Geschichte der Erzdiözese die 10.000-Marke überschritten.

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